01.06.2016, 15:31 Uhr

Das Streben nach GLÜCK ist KEINE GLÜCKSSACHE

Das Streben nach Glück ist so alt wie die Menschheit. Schon der römische Dichter und Staatsmann Seneca sagte im ersten Jahrhundert: "Wir alle streben nach Glück und erfülltem Leben".

Aber was ist Glück eigentlich? Macht, Liebe, Reichtum?

Viele von uns träumen von einem großen Lottogewinn, weil sie glauben, ein Haufen Geld macht sie glücklich. Dem ist auch so - aber nur für kurze Zeit. Untersuchungen an Lottomillionären zeigen, dass das Glücksgefühl maximal 1 Jahr anhält. Würde Geld also glücklich machen, dann müssten Menschen wie Robbie Williams überglücklich gewesen sein. Aber was ist stattdessen passiert, er war immer wieder wegen Depressionen in einer Klinik und hat sich schlussendlich sogar das Leben genommen. Geld und Ruhm machen also per se nicht glücklich! Abgesehen davon, Glück kann man sich nicht kaufen.

Wahres Glück hängt also nicht von der Erfüllung unserer materiellen Wünsche ab. Die Gleichung Konsum = Glück geht nicht auf, ganz abgesehen davon, dass wir durch diese Gleichung unser Glück von der Erfüllung unserer materiellen Wünsche abhängig machen und total unzufrieden und frustriert sind, wenn wir uns dieses oder jenes nicht leisten können.

ABER: Forscher haben in verschiedenen Studien herausgefunden, dass es einen Zusammenhang zwischen Gehirnfunktionen und Glück gibt.
Erst seit ein paar Jahren weiß man, unser Gehirn verändert sich ständig durch das, war wir tun. Wann immer wir etwas lernen, verändern sich die Schaltkreise in unserem Gehirn. Es bilden sich neue Verknüpfungen als Reaktion auf unsere Erfahrungen und Tätigkeiten.

So, wie Muskeln durch entsprechendes Training aufgebaut werden, so formen und trainieren wir unser Gehirn durch Tätigkeiten und Erfahrungen.

Forscher haben nun herausgefunden, dass die Aktivität bestimmter Gehirnareale unsere allgemeine Stimmungslage beeinflusst. Manche Menschen haben ein Übergewicht der linken Stirnhirnaktivität manche der rechten. Menschen mit einer höheren Aktivität des linken Stirnlappens empfinden meist angenehme Gefühle, während Menschen mit einer hohen Aktivität des rechten Stirnlappens eher dazu neigen, negative Gefühle zu verspüren.
Diese Aktivitätsmuster des Gehirns scheinen angeboren zu sein.

Aber wir können sie beeinflussen und durch Übung verändern.
Zum Beispiel, indem man sich regelmäßig angenehme Erfahrungen ins Gedächtnis ruft oder lustige Filme anschaut. Auf diese Weise aktiviert man die Aktivität des linken vorderen Stirnlappens. Wiederholung und Training ist dabei sehr wichtig.
Konkret heißt das: je mehr wir uns glückliche Gedanken machen, umso glücklicher fühlen wir uns. Glücksgefühle sind daher kein Zufall, sondern die Folge glücklicher Gedanken und Handlungen.

Einige Tipps wie unsere Glücksmomente zu steigern wären:

Sich an Schönes erinnern, macht glücklich

Sich bewegen macht glücklich - durch Bewegung wie Sport, Tanzen oder Sex werden Glückshormone erzeugt

Aktiv sein macht glücklich - gezielt nach einer Aufgabe oder Beschäftigung suchen. Wichtig dabei ist nur, dass sie uns auch geistig oder körperlich fordert.

Vorfreude macht glücklich - oft heißt es, Vorfreude ist die schönste Freude und da liegt viel Wahres drin. In Erwartung etwas Schönem produziert unser Gehirn Dopamin, eine Art Glückshormon.

Freundschaften machen glücklich - Freundeskreis pflegen

Positive Ziele machen glücklich - auf der Suche nach beruflichen oder persönlichen positiven Zielen schüttet das Gehirn Botenstoffe aus, die Lust und Freude machen.

Abwechslung macht glücklich - immer mal wieder etwas neues ausprobieren, mit allen Sinnen - riechen, schmecken, sehen usw.

Lachen macht glücklich - Lachen ist ansteckend, Glück ebenso. Umgeben sie sich in ihrer Freizeit mit Menschen, die gerne und oft lachen, glücklich und zufrieden sind.

Es gibt aber auch sogenannte Spielverderber des Glücks
Die beste Strategie, um garantiert keine Glücksgefühle aufkommen zu lassen, ist, sich mit anderen zu vergleichen und neidisch zu sein. Dies führt zwangsläufig schon zur Unzufriedenheit.

Schädlich für das Glücksempfinden ist auch, nie mit dem zufrieden zu sein, was man hat und immer mehr haben zu wollen. Ebenso, nie dankbar zu sein dafür was man hat und besitzt. Oder sich einzureden etwas tun zu müssen, dass anderen gefällt oder diese von einem erwarten.

Wenn wir sagen "Ich muss ... tun" machen wir uns zum Opfer und fühlen uns genötigt. Keine gute Voraussetzung für gute Gefühle. Besser ist es, uns zu sagen "Ich möchte ... tun". Damit machen wir uns klar, dass wir die Entscheidung haben und es freiwillig tun.

Was unserem Glücklichsein auch im Wege steht, ist die Gewöhnung an das, was wir besitzen. Ein neues Auto, ein teures Parfum, Designerklamotten - das alles gibt uns nur kurz ein Glücksgefühl. Schnell werden aber diese Konsumgüter zur Gewohnheit und verlieren ihren Reiz. Dann brauchen wir, wie ein Drogensüchtiger, eine neue - noch stärkere Dosis Konsum, um uns erneut ein Hochgefühl zu verschaffen.

Und schließlich verhindert das rastlose Streben nach immer mehr Glück, dass wir genau dieses erleben. Das Leben besteht eben nicht nur aus Höhepunkten.

Zum Leben gehören auch Traurigkeit, Anstrengung, Entbehrung, Tiefen und Frustration. Denn wer die Tiefen kennt, ist dankbar für die schönen Momente und kann so die glücklichen Momente mehr genießen und schätzen.

Aber ist es ein Unglück nicht immer glücklich zu sein?
In meiner Praxis erlebe ich oft, wie sich viele Menschen unter Druck setzen, immer glücklich sein zu müssen und es als Unglück empfinden, nicht glücklich zu sein. Es gibt aber niemanden, der immer glücklich und zufrieden ist, der immer gut drauf ist, mich eingeschlossen.

Denn: IMMER WUNSCHLOS GLÜCKLICHSEIN SCHADET
Zum Glücklichsein gehört das Unglücklichsein. Zur Freude die Trauer. Zum Wohlbefinden der Schmerz. Nur durch die Gegensätze schätzen wir das Positive.

Das Leben hält Krisen und Schicksalsschläge für uns bereit. Diese können wir nicht verhindern. Wichtig aber ist, dass wir sie nutzen, um daraus zu lernen. Krisen haben ihr Gutes, auch wenn sie im ersten Moment lästig und schmerzhaft sind. Wir lernen daraus und gehen dann gestärkt und mit mehr Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen aus ihnen hervor.

Zuletzt noch eine Frage zum Nachdenken:
Sind Sie glücklicher über das, was Sie geworden sind, oder darüber, was Sie nicht geworden sind? Die Antwort darauf kann sie glücklich machen - oder auch nicht :-)
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Alfred Krenek aus Simmering | 03.06.2016 | 22:01   Melden
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