04.04.2016, 12:56 Uhr

Schönbrunn-Pläne für das Vorfeld in der Kritik

Domany, Ex-Leiter der Umweltschutzabteilung, und Architekt Raith fordern einen Neustart.

Wie eine Autobahnraststätte: Umweltexperte Bruno Domany und Architekt Erich Raith über das Vorfeld Schönbrunns.

Was spricht aus Ihrer Sicht gegen das Projekt, das Vorfeld Schönbrunns für noch mehr Parkplätze zu nutzen?
ERICH RAITH: Die Kritik macht sich nicht an irgendwelchen gestalterischen Details fest sondern ist unserer Meinung nacheine ganz grundlegende Themenverfehlung. Schönbrunn ist keine Autobahnraststätte, wobei ich den Verdacht habe, dass bei Autobahnraststätten die Parkplätze professioneller geplant werden. Hierher kommen acht Millionen Besucher und die Frage ist, wie präsentiert sich Österreich.

Es gab ja vor einigen Jahren einen Wettbewerb. Wurde dieser hier umgesetzt?
RAITH: In den 1990er-Jahren ist Schönbrunn zum Weltkulturerbe erklärt worden. Im Anschluss daran gab es einen internationalen Wettbewerb, der sich mit den Randzonen Schönbrunns befasst hat. Da hat man mit viel Anspruch und Geld probiert, eine Lösung zu finden. Auch wenn das Ergebnis nicht realisierbar war, heißt das nicht, dass jetzt alle Ansprüche nicht mehr gelten. Man hat eine funktionierende Sportanlage von dort abgesiedelt – sicher nicht, um dort einen Busparkplatz zu bauen.
BRUNO DOMANY: Es ist ja auch ein Umweltthema. Man kann nicht permanent und zu Recht kritisieren, dass Österreich versiegelt wird und dann wird von einer Bundesdienststelle, die Republik Österreich ist ja der Eigentümer, genau das Gegenteil gemacht.

Was sagen Sie zu der Flächenwidmung?
RAITH: An keinem anderen prominenten Platz der Stadt würde man so etwas hinnehmen. Mir kommt das so vor, als würde ein Deutschlehrer damit anfangen, die Beistriche in einem Aufsatz auszubessern, der komplett das Thema verfehlt.
DOMANY: Auch der Fachbeirat der Stadt hat die Anzahl an Stellplätzen hinterfragt.

Was sagen Sie zu der Anzahl der Parkplätze?
DOMANY: Die Anzahl der Busparkplätze liegt weit über dem für den Betrieb von Schönbrunn erforderlichen Ausmaß. Es sollen auch Busse von der Stadthalle während einer Veranstaltung hier parken.
RAITH: Das ist widmungswidrig. Die Fläche ist als Parkschutzgebiet gewidmet. Laut Bauordnung sind Parkschutzgebiete dazu da, dass Gärten und Parks angelegt werden. Unter Umständen kann auch ein Parkplatz errichtet werden, aber maximal im unbedingt notwendigen Ausmaß. Wenn dann aber auf so einer Fläche überhaupt kein Park mehr übrig bleibt, dann wird aus dem Parkschutzgebiet ein Parkplatzschutzgebiet.

Welche Rolle hat das Vorfeld ursprünglich gespielt?
RAITH: Wenn man das Schloss Schönbrunn studiert, dann hat in dieser Inszenierung das Vorfeld – die Wienflusslandschaft – immer eine wichtige Rolle gespielt. Vorne war die Natur, dahinter dann die Gartenkunst. Das hat sich verändert durch die Regulierung des Wienflusses und durch die Stadtbahn. Aber dieses offene Vorfeld war immer total wichtig um die genau durch komponierte lange Nordfront des Schlosses überblicken zu können. Das darf man weder durch zu viele Bäume noch durch zu viele Busse verstellen. Es war ein wichtiges Ergebnis des Wettbewerbs von 2001/2002, wieder ein offenes Vorfeld herzustellen.

Was wäre Ihrer Meinung nach eine Alternative zu den Plänen?
RAITH: Wir kriegen auf der Fläche der Länge der U-Bahn-Station statt 72 Bussen 66 Busse unter. Und wenn man im Idealfall unter dem Busparkplatz eine Garage bauen würden, dann hat man die Möglichkeit am Rest der Fläche einen Schönbrunner Schlossgarten zu machen. Vielleicht auch noch mit einem Besucherzentrum, einer Ladenzeile und einer großzügigen WC-Anlage. Die Ankommenden würden einen Ankunftsort vorfinden. Und im Vergleich zu 2001 bleibt die Bundesstraße am gleichen Ort. Das ist aber alles kein richtiger Gegenentwurf, da bräuchte man einen Auftrag und bräuchte ordentliche Plangrundlagen.

Der Schlossbetreiber sagt, dass sie sich nichts verbauen möchten. Was sagen Sie dazu?
RAITH: Die Ladenzeile und das Besucherzentrum kann man ja auch weglassen, dann wäre es noch immer tausend Mal besser. Die Vorstellungen der Straße in Tieflage ist absurd. Das waren verkehrsplanerische Fantasien der 1960er Jahre.
DOMANY: Interessanterweise hat die SKB ursprünglich geplant, dass man ein Besucherzentrum unterbringen soll. Da war sogar die Rede von einem unterirdischen Kino.

Thema unterirdisch. Spricht aus technischen Gründen etwas dagegen?
RAITH: Eine Hauptstraße in Tieflage zu bringen oder auch eine Busgarage macht keinen Sinn. Für die Busgarage braucht man viel zu große Radien.

Was wünschen Sie sich jetzt von der Stadt und dem Schloss?
DOMANY: Es soll noch einmal eine offene Diskussion geführt werden und das Projekt nochmals hinterfragt werden.


Hintergrund:

Bericht: Bezirk ist gegen neuen Parkplatz vor Schloss Schönbrunn
Bericht: Das sagen Hietzings Politiker zu den Plänen für das Schönbrunner Vorfeld
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