15.08.2016, 10:23 Uhr

Es war einmal...

- Die Zeitlosigkeit in Sage und Märchen -

Es war einmal, so beginnen Märchen. Schon an diesem einleitenden Satz wird deutlich, dass man eine andere Zeit betritt. Es kommt im Märchen oder in der Sage nicht darauf an, ob das Ereignis etwa im Jahre 1520 war oder im Jahre 1760, sondern es wird von einer anderen Zeit gesprochen. Anstelle von Geschichtsschreibung geht es um phantastisch-weise erzählte Geschichten. Diese andere Zeit führt uns von der Vernunft hin zum Mythos und Symbolen in einen vorsprachlichen Raum, der weit über das logische Denken hinausführt. Es geht nicht um Beweise, sondern um eine vielschichtige Wirklichkeit. Da können Tiere sprechen, da können Verstorbene zurück in die Welt der Lebenden kommen, Stroh wird zu Gold gesponnen und die Kleinsten und Schwächsten stehen unter dem besonderen Schutz des Schicksals. Anstatt von Anfang und Ende gibt es einen Kreislauf von immerwährender Verwandlung. Diese Zeitlosigkeit hat etwas Paradiesisches, das wir kennen, wenn wir verliebt sind und uns ganz an etwas Großes hingegeben haben, etwa die Natur.
Dieses Paradies geht in einer sekundengenau getakteten Welt, vollgestopft mit Informationen, verloren. Die Versklavung durch die Zeit führt zu Stress, Kampf und Angst, man könnte nicht schnell genug sein. Hingegen spricht das Märchen und die Sage davon, dass die Hauptperson durch schicksalhafte Fügung zur richtigen Zeit am richtigen Ort ist, um innerliches Wachstum und Verwandlung zu erfahren.
Märchen erinnern uns an etwas, das über Rationaliät und Vernunft hinausgeht. Sie erinnern und, dass unsere Seele ein göttlicher Funke einer über uns hinausreichenden Wirklichkeit ist. Märchen erinnern uns, dass wir selber ein Märchen sind.
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