24.08.2016, 13:14 Uhr

Haarsträubende Bürokratie verärgert Bevölkerung

Im Gespräch mit Finkenbergs Bürgermeister Andreas Kröll

FINKENBERG (fw). Eigentlich habe er diesen Posten nie angestrebt, aber nach erfolgloser Suche eines geeigneten Kandidaten ist Andreas Kröll doch zur Wahl angetreten, um Langzeitbürgermeister Matthias Eberl in dieser Funktion zu folgen.
„Neben meinem Betrieb bin ich jetzt zwischen 30 und 40 Wochenstunden für die Öffentlichkeit unterwegs. Und ich mache beides gerne und mit Leidenschaft. Möglich ist es aber nur dank eines straffen Zeitmanagements und die Unterstützung der Familie“. Es sei ein großer Vorteil, wenn ein Bürgermeister im Ort selbst arbeiten könne, um „auf Spontanereignisse (z. B. letztens Muren, Anm.) rasch reagieren zu können“.

Die Bürgermeisterfamilie im Tal

Die Zusammenarbeit mit ein paar Altbürgermeistern und Tourismusverbänden „war in den vergangenen Jahren nicht immer ganz harmonisch“, sagt Andreas Kröll, aber „wir Bürgermeister treffen uns immer wieder zum Besprechen verschiedenster Themen, auch abseits des Tourismus. Hinzu kommen Themen auf der Agenda des Planungsverbandes. Das funktioniert insgesamt recht gut“.Finkenberg sei in der glücklichen Lage, „im Gemeindeeigentum einige Hektar an Flächen für den (sozialen) Wohnbau zu haben“. So können In den kommenden drei Monaten neun Parzellen für den privaten Hausbau vergeben werden. Auch beim Blick in die Zukunft wird ihm nicht bang. „Verfügbare Reserven für die nächsten 20 bis 30 Jahre müssen nur noch infrastrukturell erschlossen werden“.

Ehrenamtlichkeit hat hohen Stellenwert

„Es ist unsere Pflicht als Gemeinde und als Tourismusverband, sie (finanziell) in ihrer wertvollen Arbeit zu unterstützen“, meint der Neo-Bürgermeister zum Stellenwert der örtlichen Vereine. „Viele Aufgaben in der Gemeinde stehen und fallen nämlich mit ihnen und den ehrenamtlich arbeitenden Menschen dahinter“. Entscheidungen auf Landes- und Bundesebene (z. B. Registrierkassenpflicht) sowie Verordnungen aus Brüssel – z. B. Verbot von Glühbirnen oder die viel diskutierte Allergenverordnung - würden auch in seiner Gemeinde oft große Verwunderung hervorrufen. „Die wachsende Bürokratie der letzten Jahre ist für die Bevölkerung haarsträubend. Über Erleichterungen (besonders für nachfolgende Generationen) wird nur diskutiert, aber Spürbares rausgekommen ist bis dato noch nichts“.

Hilfe für Menschen außerhalb Österreichs

Nachdem das Abschieben des Pakistani Shakeel vor wenigen Monaten in der Gemeinde für ziemliches Aufsehen gesorgt hat, kann Andreas Kröll berichten, dass es „ihm und seinem Bruder einigermaßen gut geht“. Der Aufnahme von Asylwerbern stehe er offen gegenüber, denn „wer flüchtet schon freiwillig von daheim“? Enorm wichtig sei dabei aber die Einbindung der Bevölkerung und für den konkreten Fall wünsche man sich natürlich „eine Familie, weil auch die Kinder in den Schulklassen aufgenommen werden könnten“. „Die Europäische Union ist mittlerweile unüberschaubar geworden“. Als Hochpreisland (und aufgrund der hohen Lohnnebenkosten, Anm.) seien Tirol bzw. Österreich nicht gerade attraktiv für Betriebsansiedlungen. Entwicklungen wie die Situation rund um die Firma AL-KO in Ramsau oder das britische Referendum zum Thema EU-Austritt geben Anlass zur Sorge und seien in der momentanen Gesamtsituation nicht gerade dienlich, ein „Öxit“ aber nicht verantwortbar.

Miteinader von Tourismus und Landwirtschaft

Ein besonderes Anliegen – nicht nur für den Bürgermeister, sondern auch für den Gast- und Landwirt Andreas Kröll – sind die bestens gepflegten Flächen im Land. Das sei für ihn in erster Linie ein Verdienst der Bergbauern. „Bevor ich den Hof weiterhin mehr schlecht als recht weiter bewirtschafte, sehe ich mich lieber um eine Arbeitsstelle mit geregelter Arbeitszeit und weniger Papierkram um“, würden viele das Weiterbestehen eines Hofes angesichts vieler Auflagen immer öfter in Frage stellen.Damit es nicht soweit kommt und diese Flächen verwahrlosen, brach liegen und nicht mehr bewirtschaftet werden, müsse man „zum Beispiel über den Umweg des Promillesatzes frühzeitig eine Lösung finden, um die weitere Existenz dieser Bergbauern abzusichern“, schließt Kröll das Gespräch mit einem Denkanstoß.
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