31.03.2016, 13:06 Uhr

Hannas schlafende Hunde: "Nach dem Krieg Tür an Tür weiterleben"

Das Filmteam rund um die Schauspieler Nike Seitz, Hannelore Elsner und Franziska Weisz (vorne, v. r.). Regisseur Andreas Gruber im Hintergrund. (Foto: Kerstin Stelter/Enigma Film)

Regisseur Andreas Gruber sprach mit der BezirksRundschau über seinen neuen Film "Hannas schlafende Hunde".

WELS. Der Film basiert auf dem gleichnamigen Roman der Welserin Elisabeth Escher und erzählt die Geschichte eines jüdischen Mädchens, das von den Eltern als braves katholisches Kind getarnt, Ende der 1960er-Jahre in Wels aufwächst. Gedreht wurde in nur 28 Tagen in München und Originalmotiven in Linz und Wels.

BezirksRundschau: Wann fiel die Entscheidung, den Roman von Elisabeth Escher zu verfilmen und was war die Motivation?
Gruber:
Ich wollte – auch in zeitgeschichtlicher Fortführung von "Hasenjagd" und bestärkt durch die Historikerin Erika Weinzierl – einen Film über die 1960er-Jahre machen, aber es fehlte die passende Geschichte. Als ich den Roman von Elisabeth Escher gelesen habe, wusste ich sofort: das ist die Geschichte, nach der ich gesucht habe.

28 Drehtage klingen nach wenig Zeit. Muss man sich das stressig vorstellen?
Das darf man sich durchaus sehr stressig vorstellen. Der Druck ist jeden Tag sehr groß, das Pensum zu schaffen. Aber ich hatte ein tolles Team. Etwa 25 Leute am Set und noch einmal zehn, die im Hintergrund organisierten.

Wie streng haben Sie sich an die Romanvorlage gehalten? War Elisabeth Escher in die Dreharbeiten involviert?
Elisabeth Escher war in die Drehbucharbeit involviert, sie hat mir einen großen Freiraum gegeben. Sie hat von Anfang an gesagt: "Der Roman, das ist Literatur, das ist mein Ding. Du machst einen Film daraus, das ist dein Ding." Sie hatte also großes Verständnis dafür, dass Film eine andere Struktur braucht in der Erzählung.

Auch "Hannas schlafende Hunde" widmet sich der NS-Vergangenheit und reiht sich somit thematisch bei Filmen wie "Hasenjagd" und "T4 - Hartheim1" ein. Warum wird dieses dunkle Kapitel immer wieder gewählt?
Es geht in erster Linie darum, Geschichten zu erzählen, die verschwiegen werden. Am Ende des Krieges sind die Menschen ja nicht schlagartig andere geworden. Was in den Köpfen an Ideologien und in den Herzen an negativen Emotionen während der Nazi-Zeit da war, war ja mit dem Kriegsende nicht weg. Spannend ist eher, wie man dann Tür an Tür weiterlebt.

Die Romanvorlage ist teils autobiografisch, teils fiktional. Wie viel von beidem steckt im "naziverseuchten Dorf Wels" des Films. Sie sind gebürtiger Welser. Sind auch persönliche Eindrücke eingeflossen?
Das, was in Wels passiert ist, ist auch in anderen deutschen und österreichischen Kleinstädten mit ähnlicher soziologischer Struktur passiert. Ich habe da durchaus auch meine eigenen Erfahrungen in Wels gemacht, habe davon aber nichts im Film verarbeitet.

Hannelore Elsner sagt in einem Interview, auf Grund ihrer persönlichen Ablehnung gegenüber der NS-Zeit, musste sie erst davon überzeugt werden, die Rolle zu übernehmen. Wie geschah das?
Hannelore wusste, dass sie die Geschichte und die Dreharbeiten belasten werden, denn sie musste sich ganz intensiv mit dieser Zeit und diesen Figuren auseinandersetzen. Aber mein Koproduzent Fritjof Hohagen und ich waren schon ziemlich hartnäckig. Ich war und bin überzeugt, dass Hannelore Elsner die Idealbesetzung für die Rolle der blinden Großmutter ist.

Der Film wird jetzt einem breiten Publikum präsentiert. Was ist Ihre Erwartungshaltung an das Publikum?
Als Macher wünscht man sich natürlich immer, dass man das Publikum emotional erreicht und natürlich, dass verstanden und aufgegriffen wird, worum es mir im Kern der Erzählung geht. Ich hatte ja bei der Diagonale schon Publikumsreaktionen und da hatte ich das Gefühl, das Publikum emotional erreicht zu haben.


Der Film "Hannas schlafende Hunde" ist seit 30. März in den heimischen Kinos zu sehen.
1
Einem Mitglied gefällt das:
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.