21.06.2016, 19:33 Uhr

Der Aufschwung ist ins Stocken geraten

Die Stadlinger Ladies (weiß-rot) bestritten in dieser Saison zwar alle Spiele, waren im Cup jedoch einmal nur zu neunt. (Foto: Rudi Knoll)

Neben der schweren Finanzierbarkeit kämpft der Frauenfußball mit zu wenigen Spielerinnen.

BEZIRK. Während die Profis in Frankreich um den EM-Titel kämpfen, geht es im Frauenfußball abseits des Rasens heiß her. In der vergangenen Woche bekamen die FC Wels Ladies vom Vereinsvorstand mitgeteilt, dass der Verein sie nicht länger finanzieren wird, sofern sie nicht mehr Geld auftreiben und Personalfragen klären. "Es heißt, wir kosten den Verein 20.000 Euro pro Jahr. Es sind aber nur 8000", meint Sandra Pühringer, bis vor kurzem Sektionsleiterin der Frauen beim FC Wels. Die Förderung betrug bis zuletzt etwa 5000 Euro und wird derzeit neu geprüft. Der FC-Vorstand beklagte zu wenige Sponsoren und Personalprobleme. Das letzte Meisterschaftsspiel konnten die Welserinnen nicht bestreiten, weil zu wenige von ihnen spielbereit waren. Zudem legte Trainer Thomas Wüest sein Amt nieder. Dieser kommt jedoch aller Voraussicht nach wieder zurück auf die Trainerbank – allerdings in einem anderen Stadion. Denn kurz vor Nennschluss für die nächste Saison einigten sich die Ladies mit den Vorständen des FC Wels und WSC Hertha auf eine Spielgemeinschaft. So gehen sie der Gefahr aus dem Weg, von der höchsten Spielklasse Oberösterreichs in die letzte versetzt zu werden. Die Kosten übernimmt ab sofort WSC Hertha, nach einem Jahr verschwindet der FC aus dem Namen. Dessen Obmann Juan Bohensky zeigt sich "... froh, dass wir eine Lösung gefunden haben". Man habe damit noch das Beste aus der Situation gemacht.

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Drei Teams sind Maximum

Neben den Welser Ladies jagen im Bezirk zwei weitere Damenteams dem Leder nach. Jene des ATSV Stadl-Paura und des SV Krenglbach spielen ebenso in der OÖ Frauenliga. Krenglbach agierte zuletzt in einer Spielgemeinschaft mit dem SV Schlüßlberg, der sich aus der Mannschaft zurückzieht. Es gibt laut Sektionsleiterin Verena Puchner zwar keine Probleme mit der Finanzierung, jedoch bereitet die geringe Kadergröße Kopfzerbrechen: "In Summe sind wir 18 Spielerinnen, darunter zwei bis drei Dauerverletzte. Beim Spiel sind wir maximal 13." Spielerisch entwickle sich der Frauenfußball sehr gut weiter, befindet Puchner. Die Anzahl der Spielerinnen stagniert jedoch. Gelingt es Krenglbach, den Kader zu verstärken, möchte Puchner trotzdem einmal um den Titel mitspielen – auch, wenn die nächsthöhere Liga ein weiteres Problem mit sich bringen würde: "Es kommt vor, dass Mannschaften nicht aufsteigen wollen, da man nach Vorarlberg und Innsbruck fahren müsste. Da fallen hohe Kosten an." Gescheitert ist das Projekt Damenmannschaft der Union Steinerkirchen. Nach wenigen Saisonen wurde die Mannschaft wieder aufgelöst. "Wir haben keinen Trainer gefunden", sagt Obmann Alexander Springer. An der fehlenden Rentabilität lag die Auflösung nicht. "Dann dürfte man Nachwuchs auch keinen haben" Ein Problem war auch hier die Kadergröße mit maximal zwölf Spielerinnen. "Ich glaube, Frauenfußball ist immer noch nicht populär genug. Trotzdem denke ich nicht, dass die Ansicht, Fußball sei nur ein Bubensport, noch lange halten wird. Man hört ja auch in den Medien immer mehr vom Frauenfußball", sagt Springer. "Wenn sie aber in der Jugend mit den Burschen spielen, brauchen sie, wenn sie pubertieren, eigene Bereiche zum Umziehen. Dann brechen sie meistens weg."

Geringer Stellenwert im Verein

Auch Thomas Brandtner, Sektionsleiter Frauen beim ATSV Stadl-Paura, ist alles andere als zufrieden mit dem momentanen Stand der Dinge. Im jetzigen Kader befinden sich 16 Spielerinnen, doch auch die Stadlinger Ladies haben damit zu kämpfen, genügend davon auf den Platz zu bekommen. "Jede Damenmannschaft hat da derzeit Probleme", sagt Brandtner. "Bei uns hat sie einen zu geringen Stellenwert im Verein. In Trainingssachen der Kampfmannschaft und der 1b wird investiert bis zum Gehtnichtmehr. Die Damen aber müssen sich alles selbst zahlen und dann auch noch verpflichtend das Vereinslogo anbringen." Er beziffert die Kosten für das Frauenteam auf etwa 7000 Euro im Jahr. Der größte Faktor dabei ist der Trainer. "Das nächste Problem ist, dass die Mädchen bis 19 bei den Burschen mitspielen dürfen und ab 15 eine eigene Kabine und Dusche brauchen. Viele wechseln dann oder hören ganz auf", bestätigt Brandtner die Aussagen von Steinerkirchens Obmann Springer. Anders als bei der Kampfmannschaft und dem 1b-Team vom ATSV, die in den letzten Jahren einen Aufstieg nach dem anderen feierten, zeigt der Weg der Ladies nicht nach oben. "Wir dürfen vom Verein aus nicht aufsteigen. Wenn, dann müssten sich die Spielerinnen die Fahrten selbst zahlen." Außerdem sei schon der Aufstieg in die OÖ Frauenliga problematisch gewesen: "Weiter unten hatten wir noch viel mehr Spielerinnen, aber ein paar, die nicht so gut waren, kamen dann nicht mehr zum Zug und haben aufgehört." Um wieder mehr Frauen für das Fußballspielen zu begeistern, wünscht sich Brandtner eine entsprechende Werbekampagne des Verbandes in Schulen.
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