20.06.2016, 12:06 Uhr

Wiener Baby (1) spricht seine ersten Worte: „Handy-Akku leer!“

„Handy-Akku leer“ statt „Mama und Papa“ als erste Worte. Wie sehr verändern Smartphones die zukünftigen Generationen? (Foto: Patryk Kosmider / fotolia.com)

Für die Wiener Familie Nawratil war es ein faszinierender Moment, den sie niemals vergessen wird: Gestern Abend sprach deren elf Monate altes Baby mit „Handy-Akku leer!“ seine ersten Worte und entzückte die gesamte Familie.

„Das war ein magischer Moment. Pure Emotion“, erzählt Mutter Jénnifér (17) mit Tränen in den Augen, da sie gerade ein paar Zwiebeln zum Garnieren ihres Pizzaburgers schneidet. „Der Justin-Kevin hat ure arg geschrien. Ich hab schon dacht, er hat auf ­Instagram ein paar Follower verloren. Aber dann merk ich, wie er vom Handy aufschaut, lallt und dann langsam, aber deutlich seine ersten Worte spricht: ,Handy-Akku leer!ʼ“ Vater Kevin (22) hat diesen faszinierenden und für ewig einenden Moment zwischen Eltern und Kind leider versäumt, da er gerade auf Facebook aktuelle Babyfotos hochgeladen hat.

„Unser Justin-Kevin hat mit erst elf Monaten ,Handy-Akku leerʼ gesagt. Da ist mit Handy sogar ein englisches Wort dabei und mit Akku ein technischer Fachbegriff. Ich glaube, wir haben total das Wunderkind“, freut sich die Mutter und wischt Justin-Kevin die Scheiße aus den Ohren.

Generation Smartphone
Aber wie sehr verändern Smartphones die zukünftigen Generationen? Wir fragen nach bei Gesellschaftsforscher Dr. Ulrich Brendl (53). „Ich will nicht kulturpessimistisch sein, aber wir züchten hier eine Generation von Soziopathen heran“, meint Brendl ernst.

Justin-Kevin unaufhaltbar?
Wie geht es nun mit Wunderkind Justin-Kevin weiter? Wird er schon bald seine ersten eigenen Selfies machen? Und wann kann ihn seine Mutter endlich abstillen, weil er alleine im Internet Pizza bestellen kann? „Jetzt warten wir mal drauf, dass er die ersten Schritte macht“, freut sich sein Papa. „Krabbeln kann er ja schon, aber wenn er dann endlich selbst gehen kann und alleine zur Steckdose kommt, um den Akku aufzuladen, dann ist unsere erzieherische Arbeit als Eltern abgeschlossen.“



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Poldi Lembcke aus Ottakring | 20.06.2016 | 12:26   Melden
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Petra Maldet aus Neunkirchen | 20.06.2016 | 22:30   Melden
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