19.04.2016, 11:16 Uhr

Teilnehmer an Demos: Warum die Zahlen oft auseinander gehen

2.500, 500 oder 810: Wieviele FPÖ-Anhänger sich gestern Abend am Franz-Jonas-Platz versammelten weiß niemand so genau.

Wieviele Menschen waren bei einer Demo vor Ort? Die Zahlen gehen oft weit auseinander. Zählmethoden gibt es verschiedene, so richtig treffsicher ist jedoch keine.

WIEN. Am Ende des Abends bleibt die Zahl. Die Teilnehmerzahl nämlich, die jeder Veranstalter gerne in seine Richtung korrigiert hätte.

2.500 FPÖ-Anhänger seien gestern am Floridsdorfer Franz-Jonas-Platz gewesen, sagt die FPÖ. 450 sagt die Polizei. Bei der Gegendemonstration der Offensive gegen Rechts spricht die Exekutive von 500 Teilnehmern. FPÖ-Landessprecher Anton Mahdalik sagt, die Polizei habe sich schlichtweg verzählt. "Oder man wollte nicht richtig zählen", stellt Mahdalik in den Raum.

Wie die FPÖ auf 2.500 kommt? "Wir kennen mehrere Exekutivbeamte denen wir vertrauen", so Mahdalik. Die seien auch auf den Dächern gewesen und hätten so eine genaue Schätzung abgeben können. Mit welcher Methode die FPÖ-Vertrauenspolizisten die Menschenmenge errechneten, kann Mahdalik nicht sagen.

Die Plattform für menschliche Asylpolitik schreibt auf Facebook, in Floridsdorf genau nachgezählt zu haben. 810 sichtbare Köpfen seien demnach auf dem veröffentlichen Foto auf der Gegendemonstration zu sehen:

Foto: Plattform für menschliche Asylpolitik

Reihen zählen und andere Schätzungen

In Aktivistenkreisen wird der Twitteraccount @nochrichten als meist zuverlässige Quelle für Teilnehmerzahlen genannt. Dort ist für gestern Abend zu lesen: "Rund 600 bei FPÖ-Kundegbung, rund 1.000 bei der Antifakundgebung dagegen". @nochrichten zählt angeblich mit einem handelsüblichen Klicker – vor Ort. Bei Standkundgebungen tue sich die Person hinter dem Twitteraccount, Gerhard Kettler, aber schwer. Hier seien ungleichmäßige Verteilungen vom Boden aus schwer zu erkennen. Bei sich bewgenden Demos rechnet er die Reihen auf – eine Methode, die sowohl von von der Offensive gegen Rechts als auch von der Polizei verwendet wird.

Die Offensive gegen Rechts gibt verschiedene Möglichkeiten zur Schätzung der Teilnehmerzahl an. "Einerseits gibt es halbwegs bekannte Routen wie den Ring oder die Mariahilfer Straße, wo wir in etwa wissen wieviele Menschen zwischen zwei, drei Querstraßen Platz haben. Ansonsten zählen wir überschlagsmäßig Reihen, bei denen wir die Teilnehmerzahlen wissen", sagt ein Sprecher. Der räumt jedoch ein, dass eine wirkliche genaue Zahl so oder so nie zustande kommen könne. Man gehe jedoch davon aus, zumindest in der Hunderterstelle richtig zu liegen.

Mehrere Beamte für eine objektive Zahl

Auch die Polizei gibt verschiedene Zählmodi an. Bei einer sich bewegenden Demo werden die Personen in den ersten Reihen gezählt und dann multipliziert. Bei stehenden Demos nimmt die Exekutive die Personen auf einer gewissen Fläche und mulitipliziert. "Es zählen jedoch immer mehrere Beamte parallel und unabhängig voneinander und unter Verwendung verschiedener Zählweisen, um letztlich im Durchschnitt eine möglichst objektive Zahl zu erhalten", sagt Pressesprecher Chrisoph Pölzl. Bei Großdemonstrationen werden die zählenden Beamten auch vom Helikopter aus unterstützt. Das wäre dann auch die genaueste Methode, zitiert die deutsche taz den Bewegungsforscher Dieter Rucht. "Anschließend sollte man das Demonstrationsareal in Flächen mit verschiedenen Personendichten einteilen, die dann zusammengerechnet werden", so Rucht.

Für Veranstalter wie für das Innenministerium bleibt eine Teilnehmerzahl jedoch ein Ausdruck politischer Interessen. Letzten Endes ist der Wert immer eine Schätzung, die Gefahr läuft, von jeder Seite nach oben oder unten korrigiert zu werden. So richtig überprüfen kann das, vor allem im Nachhinein, sowieso niemand.
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