16.05.2016, 10:57 Uhr

Duell der Kampfhähne

(Foto: heute.at)
Österreich : Altlengbach |

Eine Woche vor der Stichwahl am 22. Mai haben die Diskutanten die Samthandschuhe abgestreift.

Noch einige Tage, dann wählt Österreich seinen neuen Bundespräsidenten. Zur Auswahl stehen: Ing. Norbert HOFER von der FPÖ, ein Rechtspopulist und Univ. Prof. Dr. Alexander Van der Bellen, ehemals Grüner Parteichef.

Eine Woche noch bis zur entscheidenden Wahl, die auch das weitere politische Schicksal Österreichs bestimmen könnte.

Der Privatsender ATV hat ein Medienexperiment auf die Beine gestellt: In einem spartanischen Studio lieferten sich die Kontrahenten einen veritablen Schlagabtausch. Keine Inszenierung, keine Regeln, kein Publikum, nur 45 Minuten über weite Strecken offenes Aufeinanderlosgehen, wie sich der p.t. Zuschauer überzeugen konnte.
Zwar kreiste die Diskussion - zumindest zeitweise - um die gewohnten Themen: Amtsverständnis, Flüchtlingskrise, Europapolitik. Eine sachliche Diskussion sieht jedoch anders aus.

Der stramme Rechte Hofer warf dem Wirtschaftsprofessor vor, nur dem EU-Establishment verpflichtet zu sein, während ihm - Hofer - die alleinige Seeligmachung der Österreicher am Herzen läge.
Die verbale Bandbreite lag zwischen "Kandidat der Schickeria" bis zu "Schweinerei".
Natürlich war aufgrund der Ausgangslage nicht mit einem Kuschelkurs zu rechnen. Jedoch haben Van der Bellen und Hofer weder sich selbst noch dem Amt des Bundespräsidenten einen Dienst erwiesen.

Die beiden Regierungsparteien SPÖ und ÖVP haben beim 1. Wahlgang mit ihren Kandidaten ein wahres Waterloo erlitten. Die bürgerliche ehemalige Höchstrichterin Dr. Griss kam da noch wesentlich besser weg.

Dazu gesellte sich innerhalb der Sozialdemokratie eine Palastrevolte, im Zuge derer Kanzler und Parteivorsitzender Werner Faymann das Handtuch warf.

In dieser Gemengelage nimmt nun der allseits von der Meinungsforschung prognostizierte Lagerwahlkampf zu, den die Grünen um jeden Preis vermeiden wollten. In Österreich haben sich ja schon seit der Flüchtlingskrise zwei große Gruppen gebildet: Urbane, weltoffene Anhänger einer sog. Willkommenskultur auf der einen und eher verunsicherte, unterprivilegierte Protestbürger auf der anderen Seite, die Massenabschiebungen und geschlossene Grenzen präferieren.

Die beiden Präsidentschaftskandidaten tragen nun einen Stellvertreterwahlkampf aus für ein zerrissenes Land.

Der kommende Sonntag wird darüber entscheiden, in welche Richtung Österreich geht.
Ein Szenario nach der nächsten NR-Wahl: Blauer Präsident in der Hofburg, blauer Kanzler im Bundeskanzleramt, blaue Minister in Schlüsselressorts, ein blauer Parlamentspräsident - also alle Macht in Händen einer Burschenschafter-Partei.

Dies ist jedoch auch eine sehr riskante Strategie.
Für viele - nicht nur im Inland - sogar ein Horrorszenario!
Aber, kann diese Prophezeiung bald Wirklichkeit werden?
Die alles entscheidende Frage: Will das die österreichische Bevölkerung?
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