09.03.2016, 13:00 Uhr

Wo ist die Wut der betroffenen Bauern und Bäuerinnen?

Eine Natur & Wissen Wanderung bedeutet für mich ein Treffen mit guten Freunden.
FRANKENREITH - 9. März 2016

Die Frage nach der Wut der Bauern kommt von Franz Rohrmoser, der sich viele Gedanken um die Landwirtschaft gemacht hat. Diese Persönlichkeit wird in Zukunft sicher noch entsprechend gewürdigt.

Dankbar bin ich einigen Menschen, die mir sehr viel Wissen nahe bringen und denen ich gerne meine Erfahrungen zur Verfügung stelle. Erwähnen möchte ich Franz Leopold Hinterndorfer, Martin Kurzmann, Dr. Josef Breinesel, Johann Paireder und Martin Hinterleitner.

Ich möchte vor allem alle Bauern ermuntern, ihre Anliegen zu formulieren und darüber öffentlich zu diskutieren - auch über ihre Wut. Rohrmoser zitierte in einem Artikel den Großgrundbesitzer Max Hardegg, der den kleinen Bauern jede Förderwürdigkeit abspricht. Das erzeugt natürlich Wut, ich spüre sie in mir. Wie könnte man den Widerstand dagegen zum Ausdruck bringen?

Ich fühle mich als Kleinbauer gekränkt, wenn jemand meine Existenz in Frage stellt. Ich versuche aber die Kränkung nicht hinunter zu schlucken, sondern sie in anderen Ebenen - in mir oder in Gemeinschaft - aufzugreifen und zu heilen.

Leider ist die Ansicht Hardegg's in Europäischen Regionen (z.B. Ostdeutschland) breiter Konsens und hat System. Er ist z.B. institutionell eng mit Deutschen Verbänden und Lobbyisten verbunden. Der Wachstumswahn dieser neoliberalen Eliten macht mir Angst und führt schließlich auch zur beschriebenen Wut.

Bauern wollen offenbar auch in Österreich, obwohl sie in Relation klein strukturiert sind, groß sein. Das ist ein Denkfehler, den ich hier bewusst aufzeigen will. Das führt zudem zu einem "Wachstumswahn", der zu Überschuldung und sinkender Produktqualität führt. Trotzdem bleibt man relativ klein, sodass Gefühl und Realität auseinander fallen. Die Überproduktion führt dann im Fall der Milchwirtschaft zur Krise dieses Größenwahns der Kleinen. Es folgt wiederum die Wut, die sich schon gewaltig aufstaut und in fehlender Klarheit gärt.

Großgrundbesitzer bündeln einstweilen ihre Macht und schöpfen die Fördertöpfe voll aus. Da können und sollen wir aus meiner Sicht nicht mitspielen. Unsere Domäne kann nur das kulturelle Hinführen zu einer besonderen Kultur der Ganzheitlichkeit und des Wohlempfindens sein. Eine funktionierende Gemeinschaft bringt uns in eine neue Mitte und löst die Wut auf. Ein neue Kultur der Landwirtschaft braucht sie nicht mehr.

Dieser Feudalismus neuer Art der Großgrundbesitzer und Lobbyisten, gefährdet auch unsere Demokratie. Ein Klassenkampf von oben führt zum Kampf zwischen Groß und Klein. Daher ist es Zeit, den Kampf in einen kulturellen Konflikt zu überführen. Dabei ist der offene Diskurs ein Mittel, den Konflikt zu bearbeiten, um auch die Kränkungen zu überwinden. Der Diskurs mit allen Begleiterscheinungen (Emotion, Wertekommunikation, etc.) ist der Weg in eine angemessene Kultur des Kleinen. Der Stammtisch "Natur & Wissen" zeigt, wie hoch die Qualität der Produkte dabei sein kann. Wieviel ging uns schon verloren?

Die möglichen Formen des Miteinander sind in Zukunft offen anzusprechen.
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