Döbling während der NS-Zeit
Der First Vienna FC 1894 und sein dunkles Erbe
- Seit mittlerweile 130 Jahren besteht der First Vienna FC 1894. Hier eine Partie auf der Hohen Warte aus dem Jahr 1921.
- Foto: Rübelt, Lothar / ÖNB-Bildarchiv / picturedesk.com
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Der Döblinger Historiker Alexander Juraske befasste sich im kürzlich erschienenen Buch "Blau-Gelb unter dem Hakenkreuz" mit der Geschichte des First Vienna FC 1894. Er zeigt, wie sich der Döblinger Fußball nach dem Anschluss 1938 veränderte und wie Erfolge trotzdem möglich waren.
WIEN/DÖBLING. Dunkle Kapitel in der Vergangenheit spricht man meist nur ungern an. Fast 70 Jahre dauerte es, bis es 2011 der SK Rapid tat, 2018 zog die Wiener Austria nach. Nun arbeitete Österreichs ältester Fußballklub, der First Vienna FC 1894, seine Geschichte während des Nationalsozialismus auf.
Verantwortlich dafür ist unter anderem der Döblinger Historiker und Fußballfan Alexander Juraske, der sich im neuen Buch "Blau-Gelb unter dem Hakenkreuz" fünf Jahre lang intensiv mit der Vergangenheit auf der Hohen Warte auseinandersetzte. Bis zum Anschluss Österreichs an das Deutsch Reich 1938 pflegte die Vienna nämlich eine enge Verbundenheit mit der jüdischen Gemeinschaft – rund ein Drittel der Funktionäre waren Juden. Wie hoch die Zahl bei den Spielern war, ist aufgrund nicht vorhandener Mitgliederverzeichnisse ungewiss. Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten änderte sich das jedoch innerhalb kürzester Zeit: Jüdische Funktionäre und Spieler wurden aus dem Verein ausgeschlossen und verfolgt, der Profifußball wurde abgeschafft. "Der Sport sollte frei vom Geld bleiben, was eine Lüge war, weil auch in Deutschland schon versteckt bezahlt wurde. Das war ein nationalsozialistisch-antisemitischer Angriff auf den Wiener Profifußball", erklärt Juraske.
Sport als Ablenkung
Gespielt wurde aber trotz schwieriger Bedingungen bis März 1945. So diente der Fußball als Ablenkung: "Den Nationalsozialisten war es auf Biegen und Brechen wichtig, dass der Fußballsport weitergeht und die Zuschauer sind auch zu den Spielen gekommen." Zudem war der Döblinger Fußballklub zwischen 1942 und 1944 äußerst erfolgreich: Dreimal gewann man die neu gegründete Gauliga, 1942 erreichte man das Finale der deutschen Fußballmeisterschaft, ein Jahr später holte man sich den Tschammer-Pokal. Wie passt das zusammen? "Weil die Vienna sehr anpassungsfähig war und sich den neuen Regeln der Nationalsozialisten unterworfen hat", erklärt der Historiker.
- Historiker Alexander Juraske befasste sich mit der Geschichte der Vienna während der NS-Zeit.
- Foto: Laura Rieger/MeinBezirk
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Mitverantwortlich für den Erfolg waren sogenannte Gastspieler – also Soldaten, die am Ort ihrer Stationierung für einen Fußballverein tätig waren. "Auch andere Vereine holten sich Gastspieler, aber die Vienna hat das sehr gut ausgenutzt", sagt Juraske. Eine Schüsselrolle spielte der Vienna-Funktionär Kurt Reinisch, als Personalreferent in den Lazaretten hielt er mit "Schmähbefunden" Soldaten von der Front fern.
So war es möglich, dass der damals wichtigste Vienna-Kicker, Karl Decker, fast die meiste Zeit in Wien anstatt an der Front war. Die Erfolge waren aber nicht vergleichbar mit denen der Jahre zuvor. "Der sportliche Wettbewerb war total entwertet. Die Vereine hatten nicht die gleichen Bedingungen, kleine Vereine taten sich unheimlich schwer, diese personellen Lücken zu schließen", sagt der Döblinger. Das Kriegsende brachte den Fußball nur kurz ins Stocken: Die Rote Armee veranstaltete ab Juni 1945 einen Befreiungspokal, den die Vienna gewann.
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