Donaustadt
„Wüstenblume“ Waris Dirie in Wien zum Weltfrauentag zu Gast

Der Besuch von Dirie stieß auf großes Interesse. | Foto: Kugler
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Waris Dirie hat ihr bewegtes Leben in einem autobiografischen Text festgehalten. Dieser wurde zum Bestseller und mittlerweile auch verfilmt. Die Aktivistin war nun in der Donaustadt zu Gast.

WIEN/DONAUSTADT. Ihr eigenes bewegtes Leben hat Waris Dirie niedergeschrieben und damit einen Erfolg erzielt. Das Leben der "Wüstenblume" hat die Menschen rund um den Globus bewegt, die Geschichte wurde schließlich auch verfilmt. Seit 19 Jahren hat die Aktivistin die österreichische Staatsbürgerschaft und fühlt sich hier sehr wohl. 

"In meinen Augen ist es der schönste Fleck in Europa. Ich fühle eine besondere Verbindung zu Österreich", so die Bestseller-Autorin. Dirie ist zudem Supermodel, vielfach ausgezeichnete Menschenrechtsaktivistin und ehemalige UN-Sonderbotschafterin gegen weibliche Genitalverstümmelung. Sie besuchte die Donaustadt auf Einladung der Nationalsrats-Abgeordneten Gudrun Kugler und des Floridsdorfer Bezirksvorsteherstellvertreters Christian Klar (beide ÖVP) anlässlich des Weltfrauentags.

Standing Ovations

Zuerst wurde der Film „Wüstenblume“ gezeigt, anschließend gab es ein Podiumsgespräch mit Waris Dirie, Christian Klar, Gudrun Kugler und Walter Lutschinger von der Desert Flower Foundation. Das Publikum begrüßte Waris Dirie mit Standing Ovations.

Der Film "Wüstenblume" wurde im Cineplexx gezeigt. | Foto: Kugler
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Leider ist das Phänomen der weiblichen Genitalverstümmelung (FGM) auch hier ein Problem. Beschneidungen werden – obwohl illegal – teils sogar in Österreich durchgeführt: „Weibliche Genitalverstümmelung passiert auf der ganzen Welt. Diese grausame Tradition hat auch Österreich schon seit einiger Zeit erreicht. Eine Studie aus dem Jahr 2006 hat ergeben, dass 8.000 verstümmelte Mädchen in Österreich leben. Momentan steigen die Zahlen wieder, unter anderem aufgrund der Einwanderungswelle, die Österreich erlebt hat,“ so Dirie.

Walter Lutschinger beschrieb die Arbeit der Desert Flower Foundation: „Den betroffenen Frauen kann geholfen werden - die Stiftung „Desert Flower“ hat Ärzte in vier Zentren: Berlin, Amsterdam, Stockholm und Paris. Diese Spitäler bemühen sich um Wiederherstellung von dem, was den Mädchen genommen wurde. Frauen leiden aber auch unter vielen verschiedenen Leiden, sowohl physisch als auch psychisch. Wir wollen daher auf eine ganzheitliche Behandlung setzen, das beinhaltet auch Selbsthilfegruppen, mit denen wir sehr positive Erfahrungen gemacht haben.“

Beispiele aus dem Alltag

Auch in Österreich gibt es spezialisierte Ambulanzen. Kugler sprach sich zudem für mehr Präventionsarbeit aus: „Wir müssen mehr Aufmerksamkeit auf das Thema lenken, um zu verhindern, dass Mädchen in den Ferien in ihren Ursprungsländern beschnitten werden. Dazu müssen wir die Communities und die Berufsgruppen, die mit Betroffenen zu tun haben, sensibilisieren. Beratungsstellen wurden bereits eingerichtet. Um gegen Kinder- und Zwangsehen vorzugehen, müssen wir das Ehealter auf ausnahmslos 18 Jahre anheben.“

Diskussionsrunde mit Waris Dirie (2.v.l). | Foto: Kugler
  • Diskussionsrunde mit Waris Dirie (2.v.l).
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Auch die Entwicklungszusammenarbeit spielt eine wesentliche Rolle: Walter Lutschinger erklärte, dass „die Länder mit der höchsten Analphabetenrate ident sind mit den ärmsten Ländern, und mit denen, die auch Genitalverstümmelung praktizieren. Das Engagement zeigt Wirkung: In Afrika sind die Zahlen der Genitalverstümmelung stark rückläufig, während sie in Europa leider steigen.“

Christian Klar, der auch Direktor einer Mittelschule ist, erzählte aus dem Schulalltag: „Die Schwester einer unserer Schülerinnen sollte nach Ägypten fliegen, um verstümmelt zu werden, weil sie ansonsten keinen richtigen Ehemann finden würde. Das war der erste Fall, der uns bekannt wurde, und das ist kein Einzelfall in Österreich.“ Und weiter: „Auch Zwangsehen gibt es bei uns: Ich hatte einen Fall vorliegen, wo ein Mädchen vergewaltigt, geschlagen und zwangsverheiratet wurde."

Frauen Respekt zollen

Waris Dirie bestätigte das und meinte: „Es braucht mehr und bessere Aufklärung im Sexualbereich. Die Kinder müssen lernen, sich gegenseitig zu respektieren. Im speziellen müssen die Buben lernen, Mädchen zu respektieren. Heutzutage gibt es zu viele Machos und Bullies. Wahrheit, Respekt und Regeln sind unerlässlich. Ich glaube nicht, dass sie wissen, was es braucht, um einer Frau den richtigen Respekt zu zollen. Eltern sollten sich auch verantwortlich fühlen – Erziehung beginnt nicht erst in der Schule.“

Dirie zeigte sich begeistert von ihrem Besuch in der Donaustadt. | Foto: Kugler
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Dirie selbst wurde in Somalia geboren und dort genitalverstümmelt. Ihre Flucht vor einer Zwangsverheiratung als Elfjährige brachte sie nach London, wo sie als Opfer von Kinderhandel zur Arbeit in der somalischen Botschaft ausgebeutet wurde. Der Film „Wüstenblume“ zeigt ihren bewegenden Lebensweg hin zum engagierten Superstar.

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Diskussionsrunde mit Waris Dirie (2.v.l). | Foto: Kugler
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Dirie zeigte sich begeistert von ihrem Besuch in der Donaustadt. | Foto: Kugler
Der Film "Wüstenblume" wurde im Cineplexx gezeigt. | Foto: Kugler

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