N2E nach Bot-Sperre auf letztem Platz
Die Hörercharts hatten eine turbulente Woche

In Deutschland gab es nach der Kontroverse um N2E inklusive Betrugsverdacht (es gilt die Unschuldsvermutung) jetzt einen nie dagewesenen Protest der Künstler | Foto: Pexels/pixabay
  • In Deutschland gab es nach der Kontroverse um N2E inklusive Betrugsverdacht (es gilt die Unschuldsvermutung) jetzt einen nie dagewesenen Protest der Künstler
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N2E ist mit "In meinem Kopf" (endlich) raus aus den Deutschen Hörercharts. Die Orgnisatoren hatten nach den jüngsten Vorwürfen eine zusätzliche Botsperre beim Voting eingebaut. Ob diese Maßnahme tatsächlich dafür verantwortlich ist, dass N2E nun vom ersten auf den allerletzten Platz der Wertung zurückgefallen ist, kann jeder für sich selbst bewerten. Das Ergebnis ist jedenfalls bemerkenswert. Die Reaktion der Hörercharts kam allerdings etwas zu spät, der Schaden war zu diesem Zeitpunkt bereits angerichtet.

Nachdem die bislang kaum bekannte deutsche Band in der Vorwoche trotz gerade einmal etwas mehr als 80 Followern unglaubliche 27.005 Stimmen beim Voting erreicht hatte, flogen im wahrsten Sinne des Wortes die Fetzen.

Mitten im Sturm stand Chris Kelle, der Kopf hinter den Hörercharts, obwohl er vermutlich einer derjenigen war, die am wenigsten für die entstandene Kontroverse konnten. Direkt nach dem Voting machten die ersten Künstler ihrem Ärger auf Facebook Luft. Gefordert wurden eine Sperre und Disqualifikation von N2E. Ab Dienstag begannen erste Musiker, das Voting zu boykottieren und ihre Fans dazu aufzurufen, nicht mehr für sie abzustimmen. Andere wandten sich direkt an die Veranstalter und wollten aus Protest sofort aus der Wertung genommen werden.

Als Chris Kelle nicht unmittelbar reagierte, die Gründe dafür waren zu diesem Zeitpunkt nicht bekannt, schaukelte sich die Stimmung im Internet weiter hoch (Kelle ist hauptberuflich IT-Fachmann und war bei der Gamescom im Dauereinsatz). Gleichzeitig wurden auch andere Chartveranstalter auf die Diskussion aufmerksam und begannen, sich die auffälligen Abstimmungsergebnisse genauer anzusehen. Die Stimmung war am Siedepunkt.

Die Austria Top 30 preschten vor und sperrten N2E auf unbestimmte Zeit für die Teilnahme an ihren Charts. Die Schweizer Alpencharts zogen nach, annullierten das August-Ergebnis von N2E in ihrer Wertung und verhängten ebenfalls eine unbefristete Sperre, jeweils wegen Verdacht des Voting-Betrugs. Gegen diese Entscheidung kann die Band allerdings noch Einspruch einlegen.

Während Chris Kelle auf der Gamescom mit ganz anderen Problemen beschäftigt war, explodierte die Stimmung im Internet endgültig. Zunächst kündigte DJ Malte, alias Malte Stoffers, an, über eine Abspaltung von den Deutschen Hörercharts nachzudenken. Was zu diesem Zeitpunkt allerdings noch kaum jemand wusste: Im Hintergrund war eine solche Abspaltung bereits in Vorbereitung. Allerdings ohne DJ Malte.

Der bekannte Ibiza-Deejay Luis Brehm, der unter anderem bereits mit Bonnie Tyler aufgetreten ist, hatte nach eigenen Angaben aus Empörung über die aus seiner Sicht offensichtlichen Unregelmäßigkeiten rund um N2E und die ausbleibende Reaktion der Hörercharts bereits seit Dienstag an einem eigenen Chartformat gearbeitet.

Am Sonntag wurde diese neue Wertung schließlich öffentlich präsentiert. Kurz darauf bekannten sich zahlreiche Künstler offiziell zu den neuen „German Listener Charts“. Nur wenige Musiker nahmen eine eher vermittelnde Position ein. Dazu gehörten unter anderem DJ Feuerapfel, DJ Dominik Wachta & friends und Klimmstengel.

Klimmstengel und J.B.O. waren anschließend auch die einzigen etablierten Acts aus den bisherigen Top 20, die in der neuen Wertungswoche noch in den Hörercharts auftauchten. Zwar konnten sich auch die Sängerinnen Tiziana und Gabriella Massa in der neuen Wertung platzieren, beide sind aber wenig bekannte Acts und waren zuvor im unteren Bereich der Charts zu finden.

Von den Top 20 der Vorwoche blieben am Ende gerade einmal drei Acts übrig

Die Konsequenz war eine Chartshow, die plötzlich kaum noch wiederzuerkennen war. Statt der bekannten Mischung aus den vergangenen Wochen entwickelte sich die Sendung zu einer regelrechten Schlagerparade. Selbst langjährige Hörer fragten sich angesichts der neuen Zusammenstellung, was hier eigentlich passiert war. Chris Kelle sparte das Thema allerdings so gut es ging aus.

Und dann ging auch noch Platz 1 an Gaby Anthonie, eine Hobby-Sängerin, für die der Einzug in die Top 20 normalerweise bereits ein großer Erfolg gewesen wäre. Diesmal nutzte sie die Gunst der Stunde und stand plötzlich ganz oben. Zur falschen Zeit am falschen Ort war sie jedenfalls nicht, da werden Erinnerungen an den Formel 1 GP in den USA wach, bei dem nur 6 Teilnehmer starteten.

Die Chartshow legt nun wie geplant eine Woche Urlaubs-Pause ein und kehrt in zwei Wochen zurück. Bis dahin dürfte sich zeigen, wie sich die Situation weiterentwickelt. Ob sich die Gemüter beruhigen, ob die bisherigen Top-Acts zurückkehren oder ob die „German Listener Charts“ tatsächlich zu einer dauerhaften Konkurrenz werden, ist derzeit völlig offen.

Chris Kelle wird jedenfalls über den Urlaub so froh wie nie zuvor sein. Und N2E hat wohl soviel verbrannte Erde hinterlassen, dass man sie wahrscheinlich so rasch nicht mehr in den Hörercharts sehen wird. Dass sie Zuflucht bei den neu gegründeten German Listener Charts finden werden, gilt auch als "eher unwahrscheinlich".

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