05.07.2016, 00:00 Uhr

Ohne Kaufladen im Ort geht‘s auch

Viele erledigen ihre Einkäufe in größeren Lebensmittelgeschäften außerhalb. Geschäfte im Ort haben da keine Chance. (Foto: Benis Arapovic/panthermedia.net)

Gibt es keinen "Greißler", versorgen sich viele mit Produkten vom Bauern oder aus dem eigenen Garten.

BEZIRK (ebba). Die Zahl der Gemeinden ohne Nahversorger ist laut Strukturanalyse des oö. Lebensmitteleinzelhandels zurückgegangen. Im Bezirk Braunau ist es aktuell in vier Gemeinden besonders schlecht um die Nahversorgung bestellt. In Haigermoos, Jeging, St. Georgen am Fillmannsbach und Treubach gibt es weder ein Kaufgeschäft, noch eine Bäckerei oder einen Metzger.

Als großes Problem wird das allerdings nicht überall gesehen. So hat man sich beispielsweise in St. Georgen mit der Situation längst arrangiert: "Wir haben seit über 30 Jahren keinen Nahversorger mehr. Aber heutzutage ist ohnehin jeder mobil und tätigt seine Einkäufe in größeren Supermärkten. Ältere Menschen, die sowieso Hilfe brauchen, werden beim Einkauf von ihren Kindern unterstützt. Da unsere Gemeinde ländlich strukturiert ist, holen sich viele Eier oder Milch bei den Landwirten im Ort", erzählt Bürgermeister Franz Wengler.

Die Gemeinde sei zu klein, als dass sich hier ein kleines Kaufgeschäft halten könne. Auf einen Laden könne man außerdem eher verzichten, als auf ein Gasthaus im Ort, meint Wengler. "Unsere beiden Gasthäuser haben im Moment beide zu. Da spürt man schon, wie wichtig es ist, im Ort eine Stätte für Feiern und Veranstaltungen zu haben."

Einkäufe sind zu klein

„Das Problem ist, dass die meisten auswärts, am Weg von der Arbeit nach Hause, einkaufen. Im Ort werden hingegen nur kleinere Einkäufe getätigt. Aus diesem Grund und weil unsere Gemeinde mit 600 Einwohnern einfach zu klein ist, kann sich hier kein Kaufgeschäft halten“, meint Bürgermeister Johann Schwankner aus Haigermoos. Hier gibt es zumindest noch zwei Gasthäuser. Zum Einkaufen müssen die Bewohner jedoch ins fünf Kilometer entfernte Ostermiething ausweichen.

Zuzugsprobleme aufgrund der mangelnden Nahversorgung habe man aber nicht. „Es wird sogar sehr viel gebaut bei uns. Das liegt sicher auch an der guten Anbindung zur Lokalbahn." In Haigermoos haben mittlerweile viele Familien einen eigenen Hausgarten, in dem sie selbst Obst, Gemüse und Salat anbauen, um zumindest diese Produkte immer parat zu haben. „Meine Idee wäre es einmal gewesen, eine Art Selbstvermarktungsladen in Verbindung mit einem kleinen Nahversorger zu etablieren. Daraus ist aber leider nichts geworden“, erklärt der Bürgermeister.

Pendler kaufen außerhalb

Auch in Treubach gibt es kein Kaufhaus mehr. „Wir sind eine Pendlergemeinde, daher ist es insbesondere an Nachfrage und Produktsortiment gescheitert. Natürlich ist es schwierig, wenn man nichts im Ort hat. Vor allem für Ältere oder wenn man kurzfristig etwas benötigt“, weiß Bürgermeister Martin Erlinger.

„Wir sind bemüht, wieder einen Händler ins Boot zu holen, aber es stellt sich auch die Standortfrage. Ich hoffe, es tut sich etwas auf, wir halten immer Augen und Ohren offen.“ Da auch die Betreiber eines einst gut laufenden Pubs schließen mussten, kann sich der Bürgermeister vorstellen „eine Kombination aus Nahversorger mit einem Bistro oder Café herzustellen.“ Ansonsten profitieren die Treubacher von einer Reihe an Ab-Hof-Vermarktern, wo das Nötigste eingekauft werden kann.

Auflagen als Erschwernis

In Jeging gab es einst einen kleinen Greißler. Da sich kein Nachfolger fand, gibt es auch hier längst keinen Laden mehr im Ort. „Größere Supermärkte haben mehr Angebot, sind günstiger und haben vielfach großzügigere Parkmöglichkeiten. Da können „die Kleinen“ nicht mithalten“, so Bürgermeister Christoph Weitgasser.

Supermärkte seien schwer in eine kleine Gemeinde zu holen, da die Auflagen immer erheblicher würden. „Für Spar und Co. lohnt es sich nicht, wenn das Einzugsgebiet oder die Verkaufsfläche zu klein sind“, sagt Weitgasser.

Mit mobilen Bäckern schafft man sich Abhilfe. Außerdem haben in Jeging viele Hausgärten oder halten sich Hühner, um ihre eigenen Eier beziehen zu können. Viele Landwirte in der 700-Seelen-Gemeinde verkaufen Milch und Fleisch. „Für alles weitere fährt man halt in den nächst gelegenen Supermarkt. Ein Auto braucht man heutzutage sowieso. Ein Lebensmittelgeschäft werden wir nach Jeging jedenfalls keines locken können“, weiß der Bürgermeister.
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