02.05.2016, 09:11 Uhr

Nach dem Tod von Rudolf Sarközi seine Arbeit weiterführen

Christian Klippl (l.) und Andreas Sarközi in den Ausstellungsräumen des Zentrums.

Nach dem Tod von Roma-Aktivist Rudolf Sarközi führen sein Sohn und sein Neffe seine Arbeit weiter.

DÖBLING. In einem Erdgeschoßlokal im Ditteshof befindet sich – man sieht es ihm von außen nicht an – einer der wichtigsten Orte für Roma in Wien. Hier hat der Kulturverein Österreichischer Roma seinen Sitz, und hier befindet sich eine Ausstellung, die die Geschichte der Roma vom Beginn ihrer Wanderzüge nach Europa über die Verfolgung in der NS-Zeit bis in die Gegenwart dokumentiert.

Die Räume atmen den Geist von Rudolf Sarközi, der den Verein ins Leben gerufen hat und zeit seines Lebens für die Belange der Roma eingetreten ist. An den Wänden hängen Bilder, die ihn im Parlament, mit Präsidenten und wichtigen Persönlichkeiten zeigen. Man merkt: Ohne ihn wäre die Geschichte der Roma in Öster-reich wahrscheinlich anders verlaufen.

Anerkennung als Sieg

Auch deshalb war die Trauer nach dem Tod von Rudolf Sarközi am 12. März so groß. Sarközi stammt aus dem Burgenland, die schlechte wirtschaftliche Lage bewegte ihn dazu, nach Wien zu ziehen. Von hier aus widmete er sich seinem größten Kampf: Der Anerkennung der Roma als eigene Volksgruppe. Sein Sohn Andreas, Geschäftsführer im Verein, sowie dessen Cousin Christian Klippl, der Rudolf Sarközi als Obmann nachfolgt, sind sich einig: Die Anerkennung, die im Jahr 1993 erfolgt ist, war ein großer Erfolg. Damit waren die Roma als sechste Minderheit in Österreich mit bestimmten Rechten ausgestattet.

Heute sind die Aufgaben des Vereins etwas anders gelagert: Vorurteile oder Rassismus schlägt österreichischen Roma nur noch selten entgegen, sagt Klippl. Dadurch, dass viele Roma in Osteuropa unter miserablen Bedingungen leben und ihr Glück in Österreich suchen, sind sie aber mit vielen falschen Annahmen konfrontiert: "Es heißt immer sofort Roma-Bande oder bettelnde Zigeuner, egal, ob es Roma sind oder nicht", sagt Andreas Sarközi, "alles wird über einen Kamm geschoren." Hier versucht der Verein aufzuklären und spricht sich auch gegen Diskriminierung von Roma in anderen EU-Ländern aus.

Weitere Schwerpunkte liegen in der Gedenkarbeit – auch hier hat der im Konzentrationslager Lackenbach geborene Rudolf Sarközi Pionierarbeit geleistet – sowie in der Berufsorientierung und Weiterbildung für Roma. Nicht einfach sei es, den Verein mit etwa 200 Mitgliedern der jungen Generation schmackhaft zu machen: "Wir wollen uns stärker darum bemühen, die Jungen für ihre Geschichte zu interessieren", sagt Klippl.

Zur Person Rudolf Sarközi:

Rudolf Sarközi wurde 1944 im Konzentrationslager Lackenbach geboren. Nach dem Ende der NS-Zeit lebte er im Burgenland. Aufgrund der schlechten wirtschaftlichen Lage zog er 1964 nach Wien. Dort war er in der SPÖ aktiv und gründete 1991 den Kulturverein österreichischer Roma. Er kämpfte für die Anerkennung der Roma- und Sintigruppen als österreichische Volksgruppe, die 1993 erfolgte. 1998 setzte er das erste Mahnmal für Roma und Sinti in Mauthausen durch. Rudolf Sarközi starb am 12. März 2016.
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