04.09.2016, 13:14 Uhr

Am Pilgerweg nach Rom - Bergisel

Am Dienstag, 30. August bin ich in Innsbruck zu meiner ersten Bergetappe, gut 1000 Höhenmeter, aufgebrochen. Als großer Fan unserer Skispringer musste ich natürlich einen Umweg über den Bergisel nehmen. Mein GPS, so denke ich, wird mich dann schon wieder einen guten Anschluss zu meinem richtigen Weg finden lassen. Schnell bin ich oben, mach ein paar Fotos von der überwältigenden Sprunganlage. Beeindruckend, was sich da die Springer zutrauen. Probesprünge sind leider keine möglich ;) - also gehe ich wieder, vorbei am Denkmal von Andreas Hofer, umgeben von Adlern, die in ihrem Ansatz wegzufliegen, geradeso nach Freiheit lechzen.
Ich suche Anschluss zu meinem Weg, kämpfe mich durch sehr unwegsamens Gebiet, irgendwie unter der Autobahn durch, bis ich merke, ich muss wieder ganz hinunter, hinunter zur Sill und dort einen Steg finden, nur so kann ich zur anderen Seite des Tals, wo sich mein eigentlicher Weg befindet. Eine Lehrstunde für mich: Man muss auf der Landkarte auch lernen, die Höhenlinien zu lesen und die vor allem auch mitzudenken. Aber es ist ein besonderer Anschlussweg, durch den ich mich schlage, vermutlich ist da jahrelang kaum jemand gegangen, man bräuchte eigentlich ein Buschmesser (und das mitten in Tirol), um besser voranzukommen. Ein echtes Abenteuer tut sich auf. Irgendwann bin ich auf meiner Wanderroute, der ich dann treu folge. Das sind wieder so Augenblicke, in denen ich sehr froh bin, nach GPS-Tracks zu gehen. Sie zeigen sehr genau, wo man ist, wo man geht. Und im Gehen denke ich mir, hin und wieder wär so ein GPS für mein Leben von Vorteil, so ein klares GPS-Signal, das mir sagt, hier stehst und und dorthin gehst du, und genau das ist dein Weg. Aber leider gibt dieser mein Gott, von dem ich eigentlich so diese Orientierungssignale hören möchte, keine so klaren Zeichen und Impulse. Und doch merke ich in diesen Tagen ganz besonders Gottes Nähe, vor allem auch in der wunderbaren Schöpfung, die mich umgibt. In dieser Nähe zu Gott ist aber sehr viel offen - vielleicht doch gescheiter als ein GPS-System. Es geht nicht um ein blindes Folgen eines eingebildeten Weges, um ein unbarmherziges Folgen, das immer nur vorgibt und nie nachgibt, ein Laufen um Zahlen. Den Koordinaten entsprechend, damit das Ergebnis eingefahren wird.
Der heutige Weg wird immer mehr zu einer richtig anstrengenden Bergetappe. Und doch ein schönes Gehen, das Wetter macht gut mit und am Nachmittag zeigt sich die Sonne so richtig. Es geht hinauf auf gut 1200m. In Patsch treffe ich eine etwas ältere Frau, die sich über ihre Elektrosense ärgert, da das Seil immer rausspringt. Sie bemerkt mich erst spät, und als ich sie grüße, möchte sie sich gleich wegen ihres Ärgers, den sie lautstark kundgetan hat, entschuldigen. Es entsteht ein sehr schönes Gespräch über Arbeit und Heimat. Sie sei sehr gerne hier, auch wenn alles ein wenig beschwerlich zum Erhalten sei. "Es ist eben meine Heimat und die verlangt von einem auch so manches", sagt sie mir. Im Bildungshaus St. Michael in Pfons finde ich Unterkunft, meine letze in Österreich.
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