16.03.2016, 06:00 Uhr

Ein zweites Leben für den Birnbaum

Durch einen Zufall ist Raimund Sandhoff an den Birnbaum-Restaurations-Auftrag gekommen. (Foto: Stammdesign/Lanxx.at/Knoblecher)

Stammdesign-Chef Raimund Sandhoff soll aus dem abgestorbenen Baum eine natürliche Skulptur erschaffen.

WALS-SIEZENHEIM (buk). Zur richtigen Zeit am richtigen Ort war Raimund Sandhoff, der nun die Ehre hat, dem Walser Birnbaum zu einem neuen Leben zu verhelfen. „Die Gemeinde wollte den Baum mit einem Dampfstrahler behandeln“, erzählt der Inhaber des Unternehmens Stammdesign, und ergänzt: „Ich habe ihnen gesagt, dass sie ihn damit kaputt machen und dann damit maximal noch einheizen können.“ Zuvor habe Wals den alten, abgestorbenen Baum gut versteckt und abgesichert.

Sandhoff selbst hat seit seinem sechsten Lebensjahr mit dem Thema Holz zu tun. „Da war es nur eine Frage der Zeit, bis ich das auch beruflich mache.“ Seine Firma hat sich darauf spezialisiert, Bäume in ihrer „natürlichen Art und Schönheit“ zu präsentieren. Hier fertigt Sandhoff – der nebenbei auch noch Lehrer an der HTL Hallein ist – Tische und Wanddekorationen an, bei denen das Rohmaterial so wenig wie möglich verändert wird. Sein Schwerpunkt liegt derzeit auf Privatkunden, die bei den Einzelstücken – vom Rohling bis hin zum fertigen Produkt – volles Mitspracherecht haben. „Manche kommen auch zu uns in die Werkstatt, helfen dabei ihren Tisch abzuschleifen und gehen dann entspannt hinaus“, grinst Sandhoff. Aber auch Anfragen aus der Hotellerie und der Gastronomie steigen.

Geschichte über den Baum

Platziert werden die Tische ausschließlich auf Glasgestelle. Zudem bekommt jedes Produkt eine Firmenplakette als Wiedererkennungsmerkmal und einen eigenen QR-Code. Mit diesem können unter anderem Bilder der Produktion, Informationen zum Holz und der ehemalige Standort des Baumes – der immer in Österreich liegt – via Google-Maps aufgerufen werden. „Es muss eine Geschichte über den Baum geben, damit er ein vollwertiges Familienmitglied werden kann“, ist Sandhoff überzeugt. Die Wartezeit auf einen Tisch beträgt – je nach Auftragslage – fünf bis sechs Monate. „Der Tisch ist fertig, wenn wir der Meinung sind, dass er perfekt ist“, sagt Sandhoff.

Neben dem Inhaber arbeiten zwei fixe Kräfte im Unternehmen, darunter ein Klient der Lebenshilfe. „Das war überhaupt mein erster Mitarbeiter“, so Sandhoff. Zudem wird er von Schülern und Studenten unterstützt. Hier setzt Sandhoff auf ein Zeitkonto-System, das eine flexible Arbeitszeit auf geringfügiger Basis ermöglicht, etwa in einem Monat 20 Stunden zu leisten und ein Monat komplett frei zu haben, bei durchgehender Zehn-Stunden-Bezahlung.

Originalgetreues Heiligtum

Dass ausgerechnet aus dem Walser Birnbaum kein Möbelstück wird, liegt an der Gemeinde. Sie will das Heiligtum des Ortes möglichst originalgetreu als eine Art Kunstwerk im Gemeindeamt aufstellen. „Vor allem die Feuchtigkeit und die Schädlinge müssen weg“, sagt Sandhoff, der gerne noch einen spannenden Aspekt in die Skulptur bringen möchte. „Aber das muss der Bürgermeister entscheiden.“
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