12.09.2016, 20:00 Uhr

Festival-Fiasko für SPÖ

In Markgrafneusiedl gehen wegen des Festivals die Wogen hoch. (Foto: Seidl)

Ein Musikfestival löste in der SPÖ Markgrafneusiedl ein politisches Erdbeben aus.

MARKGRAFNEUSIEDL (up). SP-Vizebürgermeister Manfred Kerstner sowie Gemeinderat und Vorstandsmitglied Otto Fitzka traten überraschend zurück. Auslöser war eine Debatte zu einer Veranstaltung: dem Prime Festival, das vier Tage lang österreichische elektronische Underground Musik und Soundsystemkultur gefeiert hatte. Am Gelände der Ruine Markgrafneusiedl brachten 100 DJs vier Tage lang Tausende Besucher in Stimmung, bei den Politikern sorgte das Fest allerdings schon im Vorfeld für Bauchweh. "Ich habe mich unter der Bevölkerung umgehört, die Leute waren wegen der Lärmbelastung skeptisch. Vier Tage lang Musikbeschallung und Berge von Müll - mit dieser Aussicht hielt sich die Begeisterung in Markgrafneusiedl in Grenzen", sagt Kerstner.

Jurist wurde eingeschalten

Vier von fünf Vorstandsmitglieder hatten juristische Beratung eingeholt, um das Event zu untersagen und sich in einer Abstimmung gegen dieses ausgesprochen. Doch Bürgermeister Franz Mathä (SPÖ) hatte dem Veranstalter bereits eine mündliche Zusage erteilt. "Ich habe mich mit den Vorstandsmitgliedern der Gemeinde bei der Erstbesprechung im August darauf geeinigt, das Festival zu genehmigen, wenn alle Nachbesserungsvorschläge akzeptiert werden", erklärt Mathä. Diese und eine weitere Ergänzungsliste hatte der Veranstalter fristgerecht abgearbeitet. "Somit konnten wir die mündliche Zusage nicht zurücknehmen, ohne mit einer Klage rechnen zu müssen", sagt Mathä.

Weiteren Festivals Tür und Tore geöffnet

"Jetzt haben wir ein Problem, denn mit dieser Erstgenehmigung in der Tasche dürfen auf dem Gelände in Zukunft weitere Feste ohne Zustimmung der Gemeinde abgehalten werden", bedauert Christian Bauer von der MMB-ÖVP.
Festival-Veranstalter Friedrich Scheck sieht die Veranstaltung abseits der politischen Querelen als "absolut gelungen". Beschwerden wegen Ruhestörung waren bei der Polizei hauptsächlich wegen einer parallel gelaufenen illegalen Schottergruben-Rave-Party eingegangen. Die Zahl der Besucher möchte Scheck nicht bekanntgeben, ist aber zuversichtlich. "Das Prime Festival soll in Zukunft jährlich stattfinden."

Kadaver vor der Haustür

Am Donnerstag werden die zwei SPÖ-Mandate neu besetzt. Mathä bleibt trotz des Aufruhrs in Markgrafneusiedl standhaft: "Ich werde jenen, die mich mit Drohanrufen und Tierkadavern vor meiner Haustür einschüchtern wollen, nicht die Freude machen, zurückzutreten."
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