22.06.2016, 08:42 Uhr

'Dauerhafte Lösung ist das nicht'

Milchkühe produzieren bis zu 30 Liter Milch pro Tag, dafür bekommt ein Bauer momentan 26-28 Cent/Liter. (Foto: Symbolfoto: Kaller/Archiv)

Ein "10-Punkte-Plan" soll den Milchbauern, auch jenen aus dem Pielachtal, kurzfristig helfen.

REGION (red). Der Milchpreis liegt momentan bei 26-28 Cent pro Liter Milch - zu wenig, um kostendeckend zu produzieren. Beim Milchgipfel in Wien wurden Maßnahmen beschlossen, die den Bauern sofort helfen sollen. Was halten die Pielachtaler davon? Wir haben uns umgehört.

Kurzfristige Erleichterung
Kirchbergs Bürgermeister Anton Gonaus, dessen Familie selbst eine Bio-Landwirtschaft betreibt, sieht in den Rabatten bei der Sozialversicherung für Milchbauern eine gute Unterstützung für die Betriebe. "Wenn jemand nicht liquid ist, dann hilft ihm das momentan schon, wenn die Sozialversicherung ausgesetzt wird", so Gonaus. Dauerhaft werde man das Problem damit natürlich nicht lösen. "Betriebe, die Schwierigkeiten haben, müssen die Lohnkosten trotzdem decken, wenn die Einnahmen um 40 Prozent weniger sind. Ein Familienbetrieb kann durch persönliche Einschränkungen noch länger damit umgehen", so Gonaus weiter. "Die Betriebskosten sind ja da, nur die Einnahmen werden weniger", stimmt der Bezirksobmann des Bauernbundes, Josef Kendler, Gonaus zu. "Die Bauern können ja die Produktion jetzt nicht einfach einstellen, nur weil der Preis nicht stimmt", so Kendler weiter.
Laut Josef Kendler müsste der Milchpreis bei mindestens 35 Cent pro Liter, also fast 10 Cent mehr als momentan, liegen, damit die Produktion kostendeckend wäre.

Markt verändert sich
"Es ist eine Linderung, aber das Problem ist dadurch nicht gelöst", erklärt auch Bezirksbauernkammerobmann Anton Hieger. Die großen Milcheinkäufer wie beispielsweise China würden momentan fehlen, so sei gerade zu viel Milch am Markt, erläutert Hieger. "Seit die Milchkontingent-Regelung aufgehoben wurde, wird auch in Ländern wie Irland viel mehr produziert als vorher", so Hieger.
Da dort die Bedingungen besser sind als im Pielachtal, sind die Produktionskosten niedriger, was sich auch auf den Preis auswirkt. Im Pielachtal gibt es für Landwirte wiederum fast nur die Möglichkeit, Rinderzucht oder Milchwirtschaft zu betreiben. Auch Österreich setzt indes auf Export, so werden 130 Prozent des Inlandsverbrauchs an Milch produziert, d.h. 30 Prozent werden exportiert.

Zur Sache
Ein Unterstützungsrabatt bei den Sozialversicherungsbeiträgen (durchschnittliche Ersparnis pro Milchbetriebe 1500 bis 2000 Euro) und gestundete Kredite sollen den heimischen Milchbauern in der Krise helfen.
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