19.08.2016, 15:55 Uhr

Auftakt für die Forschung bei MedAustron

Auftakt für die Forschung bei MedAustron: Geschäftsführer DI Alfred Zens, Aufsichtsratsvorsitzender Bgm. Mag. Klaus Schneeberger, Wissenschaftsminister Dr. Reinhold Mitterlehner, Landeshauptmann Dr. Erwin Pröll und der Leiter des Therapiebeschleunigers Dr. Peter Urschütz (v. l. n. r.). (Foto: ÖVP NÖ)

Wiener Neustadt (Red.). - Übergabe des Bestrahlungsraumes an die Wissenschaft – ab November erste Patientenbehandlungen.

„Das Ziel ist zum Greifen nahe“, sagte Landeshauptmann Dr. Erwin Pröll heute, Freitag, im Zuge einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Wissenschaftsminister Vizekanzler Dr. Reinhold Mitterlehner und dem Aufsichtsratsvorsitzenden von MedAustron, Bürgermeister Mag. Klaus Schneeberger in Wiener Neustadt. Mit der Übergabe des Bestrahlungsraumes für wissenschaftliche Zwecke könne man heute „den ersten Schlussstein setzen“, noch im heurigen Jahr erfolge dann der zweite, so Pröll: „Im November wird der erste Patient behandelt werden.“ Der Bestrahlungsraum, der uneingeschränkt der Wissenschaft zur Verfügung steht, ist eine Besonderheit, die MedAustron von anderen Ionentherapiezentren klar abhebt.
„MedAustron“ sei für Niederösterreich ein „Leuchtturmprojekt im Bereich Wissenschaft, Forschung und Medizin“, betonte Landeshauptmann Pröll in seiner Stellungnahme. Man verbinde damit vor allem zwei Ziele: die Hoffnung im Kampf gegen den Krebs zu stärken und die Nutzung für Wissenschaft und Forschung. „MedAustron“ sei in einem mehrfachen Sinne ein Leitprojekt, so Pröll: „MedAustron ist ein Leitprojekt durch das Ausmaß der Investitionen, denn hier wurden rund 200 Millionen Euro investiert. Gleichzeitig geht von hier auch ein wesentlicher Impuls für den Arbeitsmarkt aus, weil im Vollausbau hier 180 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigt sind. Und es gibt hier auch einen wesentlichen Wertschöpfungseffekt: So wird MedAustron rund 450 bis 460 Millionen Euro an regionalwirtschaftlichen Effekten auslösen.“
Der Landeshauptmann betonte auch, dass in der Umsetzung des Projektes mit einer „unglaublichen Präzision“ gearbeitet worden sei, es sei sowohl finanziell als auch vom Zeitablauf her „eine Punktlandung“ erfolgt.
„MedAustron“ sei in der wissenschaftspolitischen Landschaft Niederösterreichs „ein Juwel“, betonte Pröll. „In den zurückliegenden Jahren und Jahrzehnten haben wir intensiv auf die wissenschaftliche Infrastruktur gesetzt und rund 600 Millionen Euro investiert, um eine Wissenschaftsachse quer durch das Land zu entwickeln“, verwies er etwa auf Einrichtungen in Krems, Klosterneuburg, Tulln und Wiener Neustadt.
„Jährlich erkranken 39.000 Menschen in Österreich an Krebs. Heute setzen wir im Kampf gegen diese Krankheit einen neuen medizinischen Meilenstein“, sagte Vizekanzler Mitterlehner bei der Übergabe des Bestrahlungsraums an die Wissenschaft. Dieser Schritt sei „ein perfektes Beispiel für den funktionierenden Kreislauf von der wissenschaftlichen Arbeit zur Umsetzung neuer Technologien in der Praxis“. Mitterlehner weiters: „MedAustron ist ein Erfolgsprojekt, das durch gute Kooperation zwischen Bund, Land und dem Institut selbst wachsen konnte. Das nützt den Patienten und stärkt die internationale Positionierung Österreichs als Wissenschafts- und Forschungsstandort.“
Der Aufsichtsratsvorsitzende Klaus Schneeberger meinte: „Was viele vor einem Jahrzehnt noch als mutige Vision abgetan haben, ist heute sichtbare, greifbare und spürbare Realität.“ Schneeberger weiters: „Der erste Patient ist in Griffweite. Die Anlage bzw. der Therapiestrahl ist schon bereit, wir müssen lediglich noch Nachweise zur Erfüllung gesetzlicher Auflagen erbringen und die Patientensicherheit in einer Reihe von Tests bestätigen. Damit liegen wir gut im Plan, sodass wir ab November mit den ersten Patientenbehandlungen beginnen können.“
Die Nachweise ergeben sich aus dem Verfahren zur Zertifizierung nach der Europäischen Norm für Medizinprodukte ISO 13485, das MedAustron zurzeit durchläuft. Mit diesen Nachweisen wird die letzte Auflage erfüllt, um den Betrieb als Ambulatorium aufnehmen zu dürfen. Die grundsätzliche Betriebsbewilligung der UVP-Behörde wurde MedAustron diese Woche erteilt. Ab November werden Patientinnen und Patienten schließlich mit Protonen behandelt, in weiterer Folge werden die Behandlungsmodalitäten um weitere Strahlführungen und die zusätzliche Teilchenart Kohlenstoffionen erweitert. Im Vollbetrieb werden schließlich rund 1.000 Patientinnen und Patienten jährlich von der Ionentherapie bei MedAustron profitieren.
Die einzigartige Beschleunigeranlage wird von drei Forschungsgruppen für die nichtklinische und translationale Forschung genutzt werden, bereits in den Jahren 2014 und 2015 wurden entsprechende Professuren eingerichtet: „Medizinische Strahlenphysik und Onkotechnologie“ sowie „Angewandte und translationale Strahlenbiologie“ an der Medizinischen Universität Wien und „Medizinische Strahlenphysik mit Schwerpunkt Ionentherapie“ am Atominstitut der Technischen Universität Wien.
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