19.07.2016, 15:00 Uhr

Der Plansee-Marathon

Dr.Michael Schwarzkopf im Gespräch mit Chefredakteur Sieghard Krabichler (Foto: Plansee)

Dr. Michael Schwarzkopf steht an der Spitze eines der renommiertesten Tiroler Unternehmen.

Die Plansee-Gruppe plant im Stammsitz in Breitenwang den Abbau von 150 Stellen. Dabei werden auch Prozesse geändert, um Personal zu sparen. Sie sprechen vom ‚Plansee-Marathon’. Warum?
Michael Schwarzkopf: „Gerade in Zeiten, die geprägt sind von schwächeren Wirtschaftsdaten oder niedrigeren Rohstoffpreisen, ist es wichtig, kontinuierlich an der Verbesserung der internen Strukturen zu arbeiten. Darum habe ich den plakativen Begriff ‚Marathon’ verwendet. Hier geht es nicht um den Sprint, um im nächsten Quartal bessere Zahlen zu erreichen, sondern um die langfristige Fitness des Unternehmens für die Zukunft.“

Laut Bilanz sind die Umsätze leicht rückläufig. Welche wirtschaftlichen Entwicklungen am Weltmarkt haben das Minus hauptsächlich verursacht?
„Interessant ist die Tatsache, dass sich unsere Verkaufsmenge und die Produktion auf Rekordniveau entwickeln. Die Probleme sind die um bis zu 40 Prozent eingebrochenen Rohstoffpreise und der daraus resultierende Druck auf die Verkaufspreise. Darum dieses leichte Umsatzminus von sechs Prozent.“

Wird auch die internationale Konkurrenz größer? Bei Molybdän und Wolfram wollen Sie eine führende Weltmarktstellung einnehmen. Gibt es Probleme mit der Rohstoffbeschaffung?
„In weiten Bereichen haben wir die Weltmarktführung schon erreicht. 90 Prozent unseres Umsatzes machen wir mit Aktivitäten, wo wir heute schon Top drei sind. Sorgen machen uns die Rohstoffe aus westlichen Wolfram-Minen. Bei diesen niedrigen Preisen ist eine kostendeckende Produktion schwer möglich und es könnten solche Produktionsstätten schließen. Damit wären wir von China abhängig. Das wäre für unser Unternehmen nicht von Vorteil.“

Wo sehen Sie mittelfristig noch Chancen für Plansee, neue Geschäftsfelder zu erschließen?
„Wir bringen ständig neue Produkte auf den Markt, 37 Prozent des Umsatzes konnten wir 2015 mit neuen, innovativen Produkten erwirtschaften. Speziell die Unterhaltungselektronik, der Flugzeugbau, die Automobilindustrie oder auch der Bereich erneuerbare Energie mit z.B. Hochtemperaturbrennstoffzellen sind Geschäftsfelder der Zukunft.“

Sie investieren hohe Summen in die Forschung. Planen Sie einen weiteren Ausbau der Forschungsintensität?
„Wir haben im Jahr 2015 220 Mio. Euro investiert. Zum Teil in neue Unternehmen, zum Teil in neue Produktionsstätten und auch in die Forschung. Natürlich sind wir getrieben durch Innovation, dadurch sind hohe Summen für die Forschung notwendig.“

Sie beschäftigen in Breitenwang 2.300 Mitarbeiter. Was hält Sie am Standort Tirol?
„Wenn man einmal von der Geschichte des Unternehmens absieht – es wurde hier vor 95 Jahren gegründet – ist der Standort das Herzstück der Plansee-Gruppe. Langjährige, gut ausgebildete Mitarbeiter, die sehr loyal und seit Generationen mit dem Unternehmen verbunden sind, sind Erfolgsfaktoren. Solange die Rahmenbedingungen hier stimmen, gibt es keinen Grund von Tirol abzuwandern. Ein Industriebetrieb kann auch nicht einfach nach China verlagert werden.“

Welche Wünsche hätten Sie an die Tiroler Politik?
„Wir sind Player am Weltmarkt, Politik ist für uns nicht wirklich ein Thema. Was unser Geschäft beeinflusst, sind die Weltmärkte oder die Rohstoffpreise. Natürlich wünschen wir uns möglichst rasch Reformen, auch in Hinblick auf den Industriestandort Tirol oder Österreich.“

Trifft der geplante Austritt Großbritanniens aus der EU Ihr Unternehmen?
„Der Ausstieg von Großbritannien aus der EU wird uns relativ wenig beschäftigen. Aber sollten weitere Länder der EU den Rücken kehren, so wären unsere Sorgenfalten schon größer.“

Plansee-Gruppe:

Plansee produziert an 34 Standorten auf drei Kontinenten und beschäftigt 11.900 Mitarbeiter weltweit. Umsatz 2015: knapp 1,2 Mrd. Euro.
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