05.10.2016, 10:00 Uhr

"Ausbildung gut, Bezahlung zu gering"

(Foto: Meißl)

Drei Lehrlinge diskutierten am runden Tisch mit Experten aus Wirtschaft und Politik.

Die Lehrlinge Alina Schlüsselberger (20) vom Autohaus Sonnleitner, Thurid Ferstl (21) von Rubble Master und Almir Kovacevic (17) vom Magistrat der Stadt Linz diskutierten gemeinsam mit Gemeinderätin Tanja Weiss und Armin Stumptner von der Wirtschaftskammer über alles was die Lehrlinge beschäftigt. Ein Thema, das für Lehrlinge besonders brisant ist, ist das Geld. "Ich bin jetzt 21 und mache eine zweite Lehrausbildung. Das ist ein Alter, wo man auch alleine wohnen will. Das ist mit meinem Gehalt sehr schwierig", sagt Alina Schlüsselberger. "Ich würde mir bessere Förderungen für Wohnungen wünschen, das würde viel helfen", sagt auch Thurid Ferstl. Armin Stumptner bestätigt, dass es vor allem für etwas ältere Lehrlinge oft sehr schwierig ist, mit dem Geld das Auslangen zu finden. "Es gibt auch die Möglichkeit für die Betriebe, die Lehrlingsentschädigung anzupassen. Gleichzeitig gäbe es auch die Möglichkeit, gleich als Fachkraft einzusteigen, das hat aber die Konsequenz, dass der Lehrabschluss fehlt", sagt Stumptner. Das ist für alle drei Lehrlinge überhaupt kein Thema, sie halten die Lehrausbildung für eine sehr gute, und den Lehrabschluss als wichtige Perspektive für die Zukunft. Eine wichtige Frage ist, was nach der Lehre passiert. In Betrieben, wo sie übernommen werden, haben Lehrlinge oft sehr gute Perspektiven. So können sich Alina Schlüsselberger und Thurid Ferstl sehr gut vorstellen, auch eine Meisterprüfung sowie eine Zulassung für die Lehrlingsausbildung zu erwerben. Für Almir Kovacevic gestaltet sich die Situation schwieriger. Der Magistrat Linz übernimmt keine Lehrlinge. "Ich bin jetzt im letzten Lehrjahr und mache mir Gedanken, was ich in Zukunft mache. Für mich ist die Zukunft ein Fragezeichen", sagt Almir Kovacevic. Er ist derzeit beim Pass- und Melderegister der Stadt Linz tätig. "Das Ziel der Stadt ist es, möglichst vielen jungen Menschen die Chance zu ermöglichen, einen Beruf zu erlernen. Das ist nur möglich mit der Regelung, dass keiner übernommen wird. Es gibt aber sehr wohl die Möglichkeit, später wieder zum Magistrat zurückzukommen", sagt Tanja Weiss.

Imageprobleme beim Poly
Etwas, was die Linzer Lehrlinge auch sehr beschäftigt, ist das schlechtere Image der Schulen im Vergleich zu jenen im Mühlviertel. "Ich finde es schade, dass man sagt, dass die Schulausbildung am Land viel besser ist als in der Stadt. Sie wollen keine Polyschüler aus der Stadt nehmen, weil es in den Polys so zugeht", sagt Alina Schlüsselberger. Almir Kovacevic hat eine Polytechnische Schule in Linz besucht, sein Eindruck von der Schule selbst war durchaus positiv. "Das Jahr im Poly war eines meiner besten Jahre. Ich habe dort viel kennengelernt und geschnuppert. Ich wollte dann Bankkaufmann werden, aber als ich mich beworben habe, wollten sie niemanden vom Poly übernehmen." "Vorurteile spielen da eine große Rolle, es gibt allerdings auch in den Linzer Polys sehr engagierte Lehrer", sagt Weiss. Dass der Stellenwert der Lehre grundsätzlich durchaus hoch ist, darüber waren sich alle einig. "Die Lehre hat einen konstant hohen Stellenwert, wird ständig weiterentwickelt und ist sehr wichtig für den gesamten Wirtschaftsstandort", bringt es Stumptner auf den Punkt.
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