17.03.2016, 12:52 Uhr

Das richtige Holz macht die Musik

"Stadtgeigenbauer" Franz Übelhör baut, repariert und restauriert in seiner Werkstatt Violinen, Bratschen und Celli. Foto: Übelhör

Als Kind bekam Franz Übelhör Geigenunterricht. Heute spielt er die Instrumente nicht nur, sondern baut sie.

LINZ (jog). Der Linzer Geigenbauer Franz Übelhör ist Meister eines traditionsreichen Handwerks. Er verwandelt Holz in ein Stück Geschichte. In seiner Werkstatt in der Bischofstraße riecht es nach Holz, Leim und Lack. So könnten gut und gerne auch Geigenbauer vor hundert Jahren gearbeitet haben: Über den Werkbänken hängen, fein säuberlich sortiert, Messer, Schnitzeisen, Sägen, Stemmeisen und Hobel, der kleinste davon nur wenige Zentimeter groß. "Außer einer Bandsäge verzichte ich auf moderne Technik. Maschinen können nicht auf das Material eingehen und auf Gegebenheiten reagieren. Jedes Stück Holz ist anders", sagt Übelhör.

Ein Quartett pro Jahr

Etwa einen Monat braucht er, um ein Stück Holz in eine Geige zu verwandeln, ein Cello nimmt doppelt so viel Zeit in Anspruch. Viele kleine, präzise Arbeitsschritte liegen dazwischen. Für die Decke verwendet er Fichtenholz, der Rest besteht zum Großteil aus Ahorn. "Ich mache alles am Instrument selbst und suche auch die passenden Bäume aus. Holz hat faszinierende Eigenschaften, es macht einen großen Unterschied, ob ich längs oder quer geschnittenes Fichtenholz verwende. Meine Arbeit hat viel mit Erfahrung zu tun. Ich denke, mit zunehmendem Alter stellt man bessere Instrumente her." Bei Übelhör sind es im Schnitt vier Instrumente pro Jahr.

"Bin Stadtgeigenbauer"
"Ich war immer schon von Musik fasziniert. Hinzu kam, dass ich schon von klein auf wissen wollte, wie Dinge funktionieren." Zum Geigenbau gelangte er über Umwege: Nach einer HTL-Matura und vier Semester Architektur erlernte er das seltene Handwerk bei den Geigenbauern der Wiener Philharmoniker. Vor 17 Jahren hat er die Werkstatt in Linz eröffnet. "Ich verstehe mich heute als Stadtgeigenbauer. Viele Musiker kommen zu mir, ein großer Teil meiner Arbeit besteht aus Reperaturen und Restaurierungen." Beschädigten Instrumenten neues Leben einzuhauchen sei für ihn ebenso spannend, wie ein neues zu bauen. Manchmal muss der "Geigendoktor" auch Hausbesuche machen: "Es kommt vor, dass ich an Wochenenden im Theater im Einsatz bin. Manchmal sind nur geleimte Stellen locker, das ist schnell behoben." Ein Profimusiker müsse sich schließlich zu 100 Prozent auf sein "Werkzeug" verlassen können. Spezialanfertigungen sind keine Seltenheit: "Ich hab eine großartige asiatische Geigenspielerin als Kundin, die nur 1,50m groß ist und deshalb auch eine kleiner dimensionierte Violine brauchte." Nicht selten sitzt Franz Übelhör im Publikum, während eines seiner Instrumente im Einsatz ist. "Die eigene Geige spielen zu hören, ist ein besonders erhebendes Gefühl."
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