29.07.2016, 11:35 Uhr

Verein KARIKA startete neue Ausbildung für Roma in Oberwart

Die Vertreter von KARIKA, Teilnehmer, Lehrtrainer und AMS-Leiter Dietmar Strobl

Acht Teilnehmer sind mit großem Eifer beim Kurs, der gemeinsam mit dem AMS durchgeführt wird, dabei.

OBERWART. Der Verein Karika rief im Juni gemeinsam mit dem AMS Burgenland eine neue Ausbildungsschiene für Roma ins Leben. Vier junge Männer und Frauen nehmen daran teil und sind mit großem Einsatz mit dabei. Unterstützt wird der Kurs auch vom Land Burgenland.
"Die Rombas Studie von 2014 zeigt, dass 45 Prozent der autochthonen Roma und Sinti der Altersklasse 26 bis 50 Jahre gerade einmal einen Pflichtschulabschluss besitzen, 15 Prozent haben gar keinen. Daher ist es ein Ziel der Europäischen Kommission, einen verbesserten Zugang für Roma zu qualitativ hochwertigen Ausbildungen zu schaffen und sie soweit wie möglich in bildungspolitische Entscheidungen einzubeziehen", berichtet Martin Horvath, vom Vereins "KARIKA".

Lern- und Kulturhaus

Der Ausbildungskurs mit hochqualitativen Lehrtrainern aus verschiedenen Bereichen - darunter Univ.Prof. Karl Garnitschnig - läuft ein halbes Jahr und wird im November 2016 abgeschlossen sein. Danach sollen die Räumlichkeiten zu einem Lern- und Kulturhaus umfunktioniert werden, das vom Engagement und der Begeisterung der jungen Leute getragen werden soll.
"Wir wünschen uns, dass die Samen, die wir jetzt streuen, aufgehen und das Haus KARIKA zum fruchtbaren Boden wird", so Lehrtrainerin Susanne Linde.
"Wir wollen zeigen, dass es geht und sich auszahlt, Hindernisse zu überwinden und sein Leben aktiv in die Hand zu nehmen. Die Trainer helfen uns dabei, uns auf diese wichtige Aufgabe vorzubereiten", so Michael Stubits und Silvana Halper, zwei der Teilnehmer.
Stubits ist gelernter EDV-Techniker und profitierte bislang vor allem im Bereich der Präsentation: "Man merkt hier durch ständige Feedbacks deutliche Entwicklungen. Es macht einfach Spaß." Halper macht derzeit im Kurs den ECDL-Führerschein und hat ebenso einiges vor: "Ein wichtiger Punkt ist das selbstorganisierte Lernen. Wir bekommen Aufgaben, die wir zu lösen haben und diese werden dann auch präsentiert."
Garnitschnig: "Was bedeutet und bringt Bildung? Diese ist eng verbunden mit einer klaren eigenen Identität. Reflexives Bewusstsein in allen Bereichen des eigenen Handelns ist ein zentrales Ziel dieser Ausbildung. Das bringt einen weiter."

Jobaussichten

"Mit Abschluss dieser Ausbildung ist es durchaus denkbar in einigen Bereichen auch als AMS-Trainer eingesetzt zu werden. Wesentlich ist der Wunsch, etwas machen zu wollen, dann findet man auch einen Job. Wir vermitteln 15 bis 63,5-jährige. Ein Mann mit 63,5 Jahren war bislang mein ältester Klient. Der kam bei der Tür herein wie ein 20-Jähriger und war voller Energie, einen Job zu finden. Manche 20-Jährige kommen hingegen wie ein 90-Jähriger daher", sagt AMS Oberwart-Leiter Dietmar Strobl.

Tag der offenen Tür

Im Herbst ist ein Tag der offenen Tür geplant. "Da wollen wir mit Workshops zeigen, was die Teilnehmer bis dahin erreicht haben und gleichzeitig das Haus öffnen. Das Lern- und Kulturhaus im Anschluss des Kurses soll den Menschen der Community offen stehen und Unterstützung für den Einstieg ins Berufsleben bieten", so Horvath.
"Als Romavertreter wünsche ich mir, dass das Projekt hier in Oberwart auch in anderen Bezirken Schule macht. Es hat absolute Vorbildwirkung", meint Emmerich Gärtner-Horvath.
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