03.08.2016, 00:00 Uhr

Unverträglichkeit: Was tun bei Beschwerden

Manche laktoseintoleranten Menschen reagieren bereits bei kleinen Mengen Milch, andere nur bei große Mengen. (Foto: pearl/Fotolia)

Warum immer mehr Menschen bestimmte Lebensmittel nicht vertragen und welche Therapien wirken.

BAD KREUZEN. Die Zahl an Menschen mit Nahrungsmittelunverträglichkeiten steigt. So ist in unseren Breiten bis zu jeder Fünfte von Laktoseintoleranz betroffen, hat also Probleme mit Milchzucker. Etwa jeder Dritte leidet an einer Unverträglichkeit von Fruchtzucker, der Fruktosemalabsorption. Von der Histamintoleranz dürften zwischen 80.000 und 240.000 Österreicher betroffen sein. Warum immer mehr Menschen bestimmtes Essen nicht vertragen? Für Diätologin Sigrid Kastner aus Bad Kreuzen spielen mehrere Faktoren eine Rolle: Verbesserte Diagnostik, Menschen reagieren sensibler auf Beschwerden, mehr Informationen, veränderte Essgewohnheiten und Verzehrshäufigkeiten.

Enzym-Mangel möglich

Einen Beitrag leistet auch die Lebensmittelindustrie, beispielsweise durch vermehrten Einsatz von Fruchtzucker. Kastner berät Menschen im AUVA-Unfallkrankenhaus Linz sowie freiberuflich. Sie erklärt: Bei Nahrungsmittelunverträglichkeiten ist das Immunsystem im Gegenteil zu Allergien nicht beteiligt. Ursachen können ein Mangel an Enzymen oder Stoffwechselstörungen sein. Mögliche Symptome sind Übelkeit, Bauchkrämpfe, Durchfall, rote Flecken. Bei einer Laktoseintoleranz kommt es beim Verzehr von laktosehältiger Milch und Milchprodukten zu Beschwerden wie Blähungen, Bauchkrämpfen oder Durchfall. Grund dafür ist, dass der Körper zu wenig Laktase – das Enzym, das den Milchzucker in seine beiden Bestandteile spaltet – bildet. Kleine Mengen Milch werden aber oft vertragen. Im Gegensatz dazu verträgt jemand mit Kuhmilchallergie gar keine Milch.

Was tun bei Beschwerden

Bei der Zöliakie wiederum handelt es sich um eine Unverträglichkeit von Gluten aufgrund einer immunologischen Erkrankung des Dünndarms, die keine Allergie ist. Wichtig ist laut Kastner eine exakte Diagnose. "Nur aufgrund von Vermutungen bestimmte Nahrungsmittel vom Teller zu verbannen, ist keine gute Strategie: "Erstens bringt man sich vielleicht unnötigerweise um Genuss und Lebensqualität und zweitens kann es rasch zu einem Mangel an wichtigen Nährstoffen kommen." Erste Ansprechpartner bei Beschwerden sind Hausärzte. Der Patient wird oft aufgefordert, ein Ernährungstagebuch zu führen. Laktoseintoleranz und Fruktosemalabsorption können durch den "H2-Atemtest" diagnostiziert werden, die Histaminintoleranz durch einen Bluttest. Die Ausschlussdiät sei eine einfache, aber unsichere Diagnosemöglichkeit.

Ernährungsumstellung

Wie erfolgt die Therapie? Wenn Unverträglichkeiten durch eine andere Erkrankung auftreten, können sie durch Behandlung der Grunderkrankung eventuell verschwinden. Ansonsten wird zu Beginn meist eine Karenzzeit von unverträglichen Lebensmitteln empfohlen, danach werden diese schrittweise eingebaut und die Toleranzschwelle ausgetestet. Bei Unverträglichkeiten hilft eine Ernährungsumstellung, bei der mit einer Diätologin individuelle Empfehlungen erarbeitet werden, um eine ausgewogene Nährstoffbilanz sicherzustellen sowie welche Enzympräparate es für Ausnahmefälle gibt. Mitunter spielen auch andere Einflussfaktoren wie die Psyche eine Rolle.
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