14.09.2016, 14:32 Uhr

Was passiert, wenn Machland-Damm überläuft oder bricht

Die Einsatzkräfte Josef Lindner, Klemens Landgraf und Heinrich Hochstöger mit Bezirkshauptmann Kreisl und Damm-GF Huber.

Einsatzorganisationen und Behörde beschäftigten sich mit Machland-Damm-Überschwemmung.

MACHLAND (mikö). 2012 wurde mit dem Machland-Damm das nach Angaben des Landes größte Hochwasserschutzprojekt Europas eröffnet. Die Zahlen sind beeindruckend: Der Damm schützt auf einer Länge von 36,4 Kilometern mehr als 22.000 Menschen in sieben Perger Gemeinden vor Hochwasser. Die Baukosten beliefen sich auf 182,6 Millionen Euro. Bereits beim Hochwasser 2013 überstand der Damm seine erste Belastungsprobe haarscharf: In Grein fehlten nur neun Zentimeter zum Überlaufen. Der Machland-Damm ist für ein 100-jährliches Hochwasserereignis (HQ100) konzipiert. Er bewahrte die Region vor drei Jahren vor einer Katastrophe ähnlich 2002. Aber was passiert, wenn der Damm überläuft? Vor dem Sommer wurden die betroffenen Haushalte in Grein, Mitterkirchen, Mauthausen, Naarn, Baumgartenberg, Saxen und St. Nikola über ein solches Worst-Case-Szenario informiert.

Thomas Huber: "Ich will niemandem Angst machen, aber den Blick schärfen, es kann etwas sein."

Mehr Extremwettereignisse sowie die fortschreitende Versiegelung machen ein Überlaufen nicht unwahrscheinlich. Die Firma Riacom erarbeitete Pläne: Was passiert bei einem 300-jährlichen Hochwasserereignis (HQ300)? Vier Szenarien wurden ausgearbeitet: Überströmen, Dammbruch, Versagen der Mobilwände und Ausfall der Pumpanlagen. Evakuierungspläne und 19 Hochwasser-Notfallpläne wurden aufbauend auf den Erfahrungen des Hochwassers 2013 erarbeitet. "Der Damm ist wertvoll. Bis zum technischen Gebrechen oder bis zur Überflutung. Vor dem Damm hatten wir zwei Tage Zeit zum Ausräumen, es war besser planbar. Diese Zeit reduziert sich nun auf einige Stunden", sagt Bezirksfeuerwehrchef Josef Lindner. Rund 2500 Haushalte wären von einem HQ300 betroffen. Alleine in Mitterkirchen träfe es rund 1000 Häuser. Bei der Bevölkerung sollten durch die Infoveranstaltungen Bewusstsein geschaffen und die Eigenverantwortung gestärkt werden. "Die Leute haben bisher keinen Gedanken daran verschwendet, dass der Damm brechen oder übergehen könnte. Wir haben einen guten Schutz, aber nicht zu 100 Prozent, ein Überlaufen ist nicht ausgeschlossen. Wir wollen vor Augen führen, dass es eine andere Situation als vorher ist, die Anlage ist sehr sensibel", sagt Thomas Huber, technischer Geschäftsführer der Machland-Damm-Gesellschaft.

Wann evakuiert wird

Laut Bezirkshauptmann Werner Kreisl sei es Aufgabe des Katastrophenschutzes, die Informationen vorher für den "Fall der Fälle" zu geben. Wann evakuiert wird? "Es gibt gewisse Kriterien, die wir uns anhand von 2013 zurechtgelegt haben. Anhand derer wird entschieden", sagt Kreisl, der die Dammwache durch die Feuerwehren betont: "Sie haben uns 2013 in Saxen und bei der Aist den Damm gerettet."

Zur Sache

Übersichtskarten, welche Gebiete bei einem 300-jährlichen Hochwasserereignis (HQ300) überschwemmt werden, sind in den Gemeindeämtern erhältlich. Dort findet man auch Informationen, welche Feuerwehr für das jeweilige Gebiet zuständig ist.
• Die örtlichen Feuerwehren erheben bis Jahresende bei gefährdeten Haushalten Daten. Ermittelt wird u. a.: Wie viele Personen leben im Haus? Wie viele können bei Hochwasser mithelfen? Gibt es bettlägrige Personen? Wie viele Tiere wären wegzubringen?
• Durch die Zivilschutz-SMS erhält man im Katastrophenfall, bei Notsituationen und besonderen Ereignissen vom Bürgermeister rasch und zielgerichtet Informationen. Registrieren kann man sich auf www.zivilschutz-ooe.at
• Zu empfehlen ist die gut aufbereitete mobile Seite des hydrographischen Dienstes unter http://m.hydro.ooe.gv.at
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