13.05.2016, 11:43 Uhr

"Es ist alles großes Kino"

Man kann sagen, dass der Begriff Jazz der Dachverband ist: es teilt sich in Dixi, Swing, modernen und Avandgard Jazz.
Mauerbach: Hauptstrasse |

INTERVIEW

Der Mauerbacher Heini Altbart ist nicht nur Bestatter, sondern auch Vollblutmusiker mit Vorliebe für Jazz und Schlagzeug.

MAUERBACH (rpr). Mit seiner Familie lebt Heini Altbart in Mauerbach. Er ist in Wien aufgewachsen, wo seine Eltern in der zweiten Generation eine Blumenhandlung beim Baumgartner Friedhof hatten.

Es gibt nun Zweigstellen und Sie sind auch Privatbestatter?
HEINI ALTBART: Ich habe die Firma meiner Eltern erweitert. Das letzte Geleit für einen Verstorbenen, mit allen notwendigen Vorbereitungen und Amtswegen sowie die richtige musikalische Begleitung bei einem Begräbnis, sind für mich eine Einheit. Bei uns arbeiten für einen Sterbefall 12 Leute zusammen. Vom Außendienstpersonal bis zu den Damen im Büro. Wir organisieren Redner, Blumenarrengements und den Pfarrer. Es klingt blöd, aber es ist alles großes Kino.

Wie kamen Sie zur Musik, die Ihre zweite Berufung ist?
Ich habe schon mit fünf Jahren die ersten Klavierstunden bekommen. Darauf haben meine Eltern sehr viel Wert gelegt. Bis zu meinem 16 Lebensjahr ist jeden Sonntag am Vormitag ein exorbierter Musikprofessor zu uns gekommen. Meine Schwester und ich haben je eine Stunde am Klavier gespielt. Dazu wurde ich angehalten, das musste ich machen und heute bin ich dankbar, dass ich es gemacht habe.

Wie entstand Ihre Vorliebe für Jazz und Schlagzeug?
Als Kind habe ich die Musiker immer von hinten beobachtet. Im Fernsehen gab es das „Fatty George Casino“. Es hat mir irrsinnig getaugt. Ich wusste nicht, was es ist – wie soll ein 6jähriger erkennen, dass es Jazz ist – ich habe aber die positive Energie und Vibration, die rüberkam, gespürt. Meine Eltern haben mir dann ein gebrauchtes Schlagzeug gekauft.

Wie ging es weiter?
Mit 13 Jahren hatte ich den ersten bezahlten Job. Die Gage war ein Fanta und ein Schmalzbrot. Mit 16 spielten wir mit der Gymnasium-Schulband jedes Wochenende. Andere sind fortgegangen und haben Halli-Galli gemacht, aber für mich war es das Wichtigste, so viel wie möglich zu spielen.

Wie haben Sie Schlagzeugspielen gelernt?
Für das Schlagzeug habe ich keine Ausbildung. Ich habe immer von älteren versierten Musikern gelernt. Am meisten von Oskar Klein, der ein Multiinstrumentalist, ein Kosmopolit war. Ihm bin ich sehr dankbar, er hat mich in der Schweiz und in Deutschland bekannt gemacht. Mit Oskar Klein, der Jude war und seinem besten Freund (lächelt) Romano Mussolini, dem Sohn des Duce, spielten wir in einem Jazzkeller in Rom. Als Gast kam Bud Spencer, ein Kindheitsidol von mir. Oder, mit Sonnenbrille und junger Freundin, der blauäugige Franco Nero, der den Django gespielt hat.

Haben Sie schon viele Musikern nach Mauerbach und Umgebung geholt?
Bill Ramsey, Hazy Osterwald, Gus Backus, Reinhold Bilgeri, Big Mama Kate Daniels und Mungo Jerry um nur einige zu nennen. Mit Max Gregor jun. spiele ich auch schon seit 15 Jahren zusammen. Er lässt mich auch nach Deutschland einfliegen, wo ich als einziger Österreicher in seiner sechs Mann Band mitwirke.
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