05.10.2016, 10:27 Uhr

Leserpost: Zirkus-Boykot

Offener Brief an die Bürgermeister des Bezirks

Jetzt im Herbst ist wieder die Zeit der Wanderzirkusse. Der Markt ist voll mit bunten Plakaten, die zahlreiche Besucher anlocken sollen.
Diese farbenfrohe Pracht verschleiert die Tatsache, dass die Tiere im Zirkus Gefangene sind, die dazu gezwungen werden unnatürliche und oft schmerzvolle Darbietungen zu erbringen, die einige Menschen „Unterhaltung“ nennen. Der breiten Öffentlichkeit ist zunehmend bekannt, dass die Tiere rücksichtslos behandelt, in absoluter Beengtheit bis zum letzten Atemzug ausgenutzt werden.
Viele deutsche und österreichische Städte haben das Elend der Tiere hinter den Glitzerkulissen der Zirkuswelt erkannt und Verbote für Zirkusse mit Wildtieren erlassen, sie vergeben keine öffentlichen Flächen mehr an Zirkusbetriebe. 18 europäische Länder haben bereits alle oder bestimmte Tierarten in Zirkusbetrieben verboten (u.a. Belgien, Dänemark, Niederlande, Schweden, Portugal)
Auch in Österreich herrscht seit 2005 ein generelles Verbot von Wildtieren im Zirkus!
Warum ist das so?

Die meisten der Wanderzirkusse leiden an ständigem Geldmangel, der dazu führt dass die gehaltenen Tiere unter einer nicht angemessenen Pflege und Behandlung leiden. Trinkwasser und Nahrung werden häufig rationiert und das Reinigen der Tiere und Käfige unterbleibt teilweise gänzlich.
Tiere, die zumeist von Natur aus sehr aktiv sind, müssen den überwiegenden Teil ihres Lebens in winzigen Transportkäfigen verbringen, die sie oft nur für die wenigen Minuten Darbietung in der Manege verlassen.

Elefanten, Dromedare und Kamele werden Tag und Nacht angekettet anstatt wie ihre Artgenossen in der Natur kilometerlange Wanderungen im Kreise ihrer Familien zu unternehmen. In den Käfigen, Transportwagen und Zelten müssen die Tiere auf engstem Raum leben, kilometerweit entfernt von einem annähernd artgerechten Leben.
Schon dadurch, dass die Tiere einen Großteil ihres Lebens in Transportwagen verbringen, sind ihre Möglichkeiten, sich artgemäß zu bewegen, stark eingeschränkt. Angeborene Verhaltensweisen wie graben, klettern, schwimmen und sprinten werden permanent unterbunden.
Während des Winters, also außerhalb der Saison, verbringen Tiere im Zirkus die meiste Zeit in Transportverschlägen oder in Scheunen; manche Tiere leben dann sogar in LKWs. Diese ununterbrochene Gefangenschaft auf engstem Raum hat schwerwiegende Auswirkungen auf den physischen und psychischen Zustand der Tiere. Elefanten beispielsweise erreichen im Zirkus durchschnittlich nur etwa die Hälfte ihrer natürlichen Lebensdauer. Bei den Überlebenden sind schwere Verhaltensstörungen, wie das symptomatische „Weben“ mit dem Kopf und dem Rüssel, weit verbreitet.

Zwang zu unnatürlichen Darbietungen

Die Dressur von Wildtieren im Zirkus basiert stets auf der Ausübung von Gewalt und Zwang. Körperliche Bestrafung und psychischer Druck sind nach wie vor die gängigen „Trainingsmethoden“ für Tiere im Zirkus. Die Tiere leiden daher ganz erheblich unter Stress während der Trainingseinheiten. Andere Tiere bekommen regelmäßig Medikamente verabreicht, damit sie überhaupt zu handhaben sind. Raubkatzen und anderen Tierarten werden häufig sogar die spitzen Eckzähne entfernt. Die Darbietungen, die die Tiere zwangsweise erbringen müssen – z.B. Elefanten, die auf nur zwei Beinen stehen müssen – sind für die Tiere völlig unnatürlich. Die Peitschen, Stöcke, Elefantenhaken, engen Halsbänder, Maulkörbe oder sogar Elektroschocker sind die widerlichen Folter-Werkzeuge, die immer wieder beweisen, dass die Tiere nur unfreiwillig und unter Zwang agieren.

Kinder im Zirkus mit Tieren

Die oberflächlichen „Darbietungen“ entwürdigen die Tiere und vermitteln den Zuschauern nichts über das natürliche Verhalten von Tieren oder deren Bedürfnisse. Erfahrene Kinderpsychologen sagen, dass Zirkusse Kindern gefährliche Werte vermitteln. Kinder lernen bei einem Besuch im Zirkus fälschlicherweise, dass es richtig sei, die Gefühle, Bedürfnisse und Rechte anderer Lebewesen zu ignorieren und dass es völlig normal sei Tiere in Gefangenschaft zu halten. Wir Eltern müssen uns fragen welche Werte wir unseren Kindern vermitteln möchten!

Ein Leben in Einsamkeit

Tiere im Zirkus werden oft bis zum letzten Atemzug durch die Manege getrieben. Falls sie aber für Vorführungszwecke nicht mehr geeignet sind, werden sie entweder permanent in die Winterquartiere der Zirkusse (also oft in enge Käfige) verbannt oder an andere Zirkusse oder private Haltungen verkauft. In manchen Ländern werden sie sogar an Jagdfarmen (um dort zur „Freizeitentspannung“ erschossen oder als exotische Mahlzeit gegessen zu werden) oder an Versuchslabore veräußert. Oft gestaltet sich ihr Lebensabend genauso wenig friedlich oder komfortabel wie ihr übriges Leben: eingepfercht, unter Zwang, in Elend.

Deshalb appelliere ich eindringlichst in erster Linie an die Bürgermeister im ganzen Bezirk Zirkussen mit Tieren KEINE PLATZGENEHMIGUNG zu erteilen. Das Geld, das damit eingenommen werden würde, kann unter keinen Umständen wichtiger sein als das Wohl der Tiere!
Natürlich ist auch die Bevölkerung aufgerufen Zirkusse mit Tierdarbietungen zu boykottieren – gerade bei uns auf dem Land, wo sich ja jeder naturnah und als großer Tierfreund gibt, ist es für mich völlig unverständlich wie man beim Anblick solcher Tierquälerei fröhlich applaudieren kann.
Jeder einzelne trägt dazu bei das Leid dieser Tiere zu beenden.
Auf Zirkus muss man deshalb aber nicht verzichten – es gibt genügend Zirkusse die sich entschieden haben auf Tierdarbietungen zu verzichten und dafür mit umso besseren Akrobaten, Magiern und Clowns die Besucher zu begeistern!

Carina-Maria Rief, Höfen

Quellen: WWF, Vier Pfoten, Peta
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