11.04.2016, 15:44 Uhr

Grüne starten Lehrlingsoffensive

Mehr Geld für die Lehre fordern Tobias Reder, Grünen-Landesvorstand, LAbg. Ulrike Schwarz, Reinhard Hacker und Bundesrat David Stögmüller (v. l.).

Mindestlohn für alle Lehrlinge von 500 Euro im 1. Lehrjahr ist Kernforderung.

"Jeder Jugendliche ohne Zukunftsperspektive ist einer zu viel", begründet Grüne-Arbeitsmarktsprecherin Landtagsabgeordnete Ulrike Schwarz die Initiative. Obwohl die Jugendarbeitslosigkeit mit 6,3 Prozent im Bezirk geringer ist als im Rest des Landes, will man heute handeln, um für die Zukunft gute Lebensperspektiven zu sichern. Aktuell stehen in Rohrbach 127 Lehrstellensuchenden 228 offene Lehrstellen gegenüber. Ein großes Problem der Lehre sei ihr Image. "Bei den Jugendlichen und deren Eltern stehen oft nach der Pflichtschule eine allgemeine oder berufsbildende höhere Schule mit anschließendem Studium an erster Stelle." Gerade durch eine Lehre würden Klein- und Mittelbetriebe künftige Fachkräfte generieren und durch eine Lehre würden den Jugendlichen alle Türen offen stehen.

Sechs Wochen Urlaub

"Wir müssen am Image der Lehre arbeiten und Anreizsysteme schaffen", bekräftigt Bundesrat David Stögmüller. In vielen Sparten, besonders in klassischen Frauenberufen, sei die Bezahlung sehr gering. Daher fordern die Grünen 500 Euro netto Mindestlohn im ersten Lehrjahr für alle Berufe. Weiters wollen sie sechs Wochen Urlaub während der Lehrzeit, um Arbeit und Lernen besser vereinbaren zu können.

Kein Selbstbehalt im Internat

Wer ein Internat besucht, soll zukünftig keinen Selbstbehalt bezahlen. Lehrlinge, welche eine Mietwohnung beziehen, soll dafür Wohnbeihilfe bekommen. Bezahlen soll vor allem die öffentliche Hand. David Stögmüller sagt: "Für die berufliche Erstausbildung betragen die öffentlichen Ausgaben pro Lehrling 5745 Euro, für berufsbildende mittlere und höhere Schulen betragen diese mit 10.113 Euro fast das Doppelte. Mehr öffentliche Mittel für die Lehre sind also mehr als gerechtfertigt." Vorstellen könnte sich Stögmüller auch einen Ausgleichsfonds: Betriebe, welche viele Lehrlinge ausbilden oder das gerne machen möchten, würden Geld aus dem Topf bekommen, jene Unternehmen, welche sich davor drücken, müssten in den Fonds einzahlen.

Lehrpläne entrümpeln

Für Grünen-Gemeinderat Reinhard Hacker ist eine Lehrplanentrümpelung in den Berufsschulen unumgänglich. "Wir müssen die Berufsausbildung breit anlegen, denn dies erleichtert einen Berufswechsel, aber auch den Weg zu Matura und Studium", sagt er. Das Projekt "Lehre mit Matura" sieht David Stögmüller hingegen gescheitert. Nur ganz wenige wüden die Ausbildung beenden, die Meisten würden bereits im ersten Jahr wieder aussteigen, weil die Belastung Beruf und Matura nebenbei viel zu hoch sei.
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