04.10.2016, 13:30 Uhr

Der Ab-Hof-Verkauf wird ins Internet wandern

Als Obfrau der Salzburger Landjugend ist Karin Asen aus Straßwalchen Chefin für rund 7.200 Mitglieder.

Karin Asen (25), Obfrau der Salzburger Landjugend über Internet-Trends als Chance für die Landwirtschaft

Sie sind mit 15 Jahren selbst zur Landjugend gekommen – seit September sind Sie Obfrau der Landesorganisation mit 7.200 Mitgliedern. Haben Sie lange überlegt, ob Sie diese Aufgabe übernehmen wollen?
KARIN ASEN:
Ich habe eigentlich nicht lange überlegt. Man ist sehr viel unterwegs, man lernt viele Leute kennen und auch wenn ich als Landesobfrau sicher noch mehr zu tun haben werde: Die Landjugend ist mein größtes Hobby. Für mich war von klein auf klar, dass ich zur Landjugend gehe. Meine Mama war auch schon bei der Landjugend und Chefin im Ort. Ich war bald Schriftführerin, dann fünf Jahre lang Obfrau der örtlichen Landjugend, danach im Bezirksvorstand, im Landesvorstand und jetzt ganz an der Spitze. Ich hatte aber keine Angst vor der Verantwortung, denn wir sind sehr gut organisiert.

Haben Sie Ambitionen, selbst einmal den elterlichen Hof in Baumbach bei Straßwalchen zu übernehmen?

KARIN ASEN: Ich habe zwei jüngere Brüder – und es ist offen, wer den Hof übernehmen wird. Ich bin aber selber auch sehr interessiert an Landwirtschaft – vielleicht findet sich ja auch ein Bauer mit Bauernhof (lacht) für mich.

Sie sind ein kreativer Typ, haben neben ihrem Teilzeit-Job als Bürokauffrau bei Metzger Franz Maier in Pöndorf die Fachakademie Mediendesign & Medieninformatik am Wifi absolviert und sich mit einer Werbeagentur selbstständig gemacht. Mit dem konkreten Ziel, Design und Landwirtschaft zu kombinieren?
KARIN ASEN: Ich bringe mich mit meinem Können bei der Landjugend ein – für Flyer und Ähnliches, aber natürlich denke ich auch weiter. Ich habe einen Schwerpunkt auf Webdesign gelegt. Auch wenn der persönliche Bezug zum Bauern für Konsumenten weiterhin wichtiger werden wird, glaube ich, dass sich künftig ein Teil des Ab-Hof-Verkaufs auch ins Internet verlagern wird. Selbstvermarktung wird das große Thema der Zukunft für Landwirte werden. Ich kann das und ich werde das auch machen.

Kennen Sie Bäuerinnen und Bauern, die das jetzt schon machen?

KARIN ASEN: Sie kennen sicherlich "Backen mit Christina" – eine Bäuerin aus dem Lungau, die als Foodbloggerin sehr erfolgreich ist und Backmischungen online verkauft. Ich glaube, diese Art von Vermarktung und Kommunikation ist auch für andere Landwirte eine Chance, ihre eigenen Produkte auf eine neue Art zu präsentieren. Das kommt auch dem aktuellen Trend des Selbermachens entgegen.

Werden Sie die Landjugend ein Stück weit umkrempeln?
KARIN ASEN: Bei unserem umfangreichen Weiterbildungsprogramm werden wir das Augenmerk wieder auf den agrarischen Bereich legen – mit Angeboten für junge Hofübernehmer, mit interessanten Referenten, die neue Felder des Bauern-Seins aufzeigen oder auch mit Hilfestellungen im Umgang mit manchmal überbordender Bürokratie. Daneben haben wir natürlich weiterhin unsere Kreativworkshops wie Dirndl-Nähen für die Damen oder Schnaps-Brennen für die Burschen.

Das läuft so getrennt?
KARIN ASEN: Wenn Sie mich so fragen, dann muss ich antworten, dass im letzten Schnapsbrenner-Seminar sehr viele Frauen mitgemacht haben (lacht). Nein, das läuft nicht so streng getrennt. Aber wir haben "Girls only"-Agrarkreise auch, da lassen wir uns immer wieder etwas einfallen.

Weil Sie das Thema Hofübernehmer angesprochen haben: Mit welchen Erwartungen schauen junge Landwirte heute in die Zukunft?
KARIN ASEN: Man kann natürlich nicht alle in einen Topf werfen, aber insgesamt ist die Wertschätzung für den Beruf des Landwirts gestiegen. Es wird wieder mehr geschätzt, eigenen Grund und Boden zu haben, sich seine Zeit selbst einteilen und auch die schönen Seiten der Landwirtschaft genießen zu können. Schauen Sie sich um, wir sind hier in der schönsten Natur.

Und wie schwierig ist es, einen Partner oder eine Partnerin zu finden?
KARIN ASEN: Manche behaupten ja, die Landjugend wäre die größte Partnervermittlung des Landes – das kann man nicht ganz abstreiten.

Sie haben die Mediendesign-Akademie abgeschlossen, weil Ihnen der Job alleine zu langweilig war, Sie wollten etwas Kreatives. Was machen Sie, wenn Ihnen das nächste Mal langweilig wird?
KARIN ASEN: Ich starte demnächst die Meisterfotografie-Klasse, die Aufnahmeprüfung habe ich schon bestanden. Dann kann ich auch die gesamte Produktfotografie selber machen.
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