15.06.2016, 07:30 Uhr

Der Rad-Tunnel wäre steil und kurvig

Skeptisch gegenüber Radtunnel: Alfred Denk mit den Plänen zur Erweiterung der Mönchsberggarage. (Foto: Schenker)

Alfred Denk bremst Hoffnungen auf Radtunnel durch die Mönchsberggarage.

SALZBURG (lg). Im Zuge der Erweiterung der Mönchsberggarage wird ein provisorischer Baustollen, der nach den Plänen der Parkgaragengesellschaft beim Krauthügel im Nonntal aus dem Berg führen wird, errichtet. Baustadträtin Barbara Unterkofler (Neos) äußerte dazu bereits im August 2015 die Idee, den Baustollen nach Abschluss der Bauarbeiten nicht wieder zuzuschütten, sondern als Tunnel für Radfahrer und Fußgänger offen zu lassen. "Der Tunnel würde vom Nonntal zur Radgarage und der Info-Stelle beim Toscaninihof, also mitten in den Festspielbezirk führen. Es wäre eine vergebene Möglichkeit, diesen Stollen nicht weiter zu nutzen", betont Unterkofler. Unterstützung für die Idee des Radtunnels kommt von der ÖVP.

Radwegachse Almkanal

"Der Radtunnel durch den Mönchsberg wäre ein erheblicher Schub für den Radverkehr. Als punktuelle Maßnahme allein wäre er allerdings weitgehend effektlos. Es bedarf daher einer Einbettung in ein neues Radwegeprogramm und der Radinfrastruktur hin zum Krauthügel, Stichwort Radwegachse Almkanal. Das würde eine stadtteilübergreifende Verbindung vom Süden direkt in die Altstadt bringen", erklärt ÖVP-Klubobmann Christoph Fuchs. Im letzten Planungsausschuss hat die ÖVP einen entsprechenden Antrag eingebracht: Der Radbeauftragte soll mit einer Zählung der Radfahrer im Donnenbergpark im Nonntal das Nutzerpotenzial erheben.

300 Meter langer Stollen

Für den Geschäftsführer der Parkgaragengesellschaft, Alfred Denk, ist die Idee einer weiteren Nutzung des Baustollens als Radtunnel neu und – zumindest aus derzeitiger Sicht – nicht realisierbar. "Bisher ist noch niemand von Seiten der Stadt an mich herangetreten. Das müsste alles im Detail besprochen und geplant werden. Die aktuellen Pläne sehen klar vor, dass der Stollen nach Ende der Bauarbeiten wieder zugeschüttet wird, das wurde auch mit den Anrainern so verhandelt und steht in den Verträgen. Der Stollen ist rund 300 Meter lang, sehr kurvig und hat eine Steigung von zehn Prozent – da müsste sehr viel adaptiert werden", so Denk.

"Wollen keine Angsträume fördern"

Dass es einiger Adaptierungen bedarf, liegt für Unterkofler auf der Hand. "Es ist ein Projekt, das entwickelt wird. Natürlich müssen hier gewisse Dinge angepasst werden. Aber wir sind da, um Lösungen zu finden. Es ist eine Grundsatzfrage: Will man es oder will man es nicht? Ich sage klar: Ja, wir wollen es, da es für die Salzburger Radfahrer eine enorme Verbesserung darstellen würde." Kritik an dem Radtunnel kommt von der Bürgerliste, die den Tunnel als "lange dunkle Röhre ohne Fluchtmöglichkeit" bezeichnet. "Natürlich müsste man hier eine entsprechende Beleuchtung anbringen. Dass wir hier keine potenziellen Angsträume fördern wollen, ist klar", so Unterkofler.

Geteilte Meinungen zu Radtunnel:

Christoph Starzer, Klubobmann-Neos: Es wäre nahezu ein Schildbürgerstreich, den Stollen wieder zuzuschütten. Der Krauthügel ist ein Juwel, das sollte man den Radfahrern nicht vorenthalten. Klar ist aber auch: Eine Umfunktionierung des Radwegs in eine PKW-Zufahrt in die Garage wäre ein absoluter Skandal und absolut unvorstellbar.

Peter Weiss, Radverkehrskoordinator der Stadt: Die Nutzung des Stollens als Radtunnel wäre auf jeden Fall eine Bereicherung für unsere Radfahrer. Der Stollen ist relativ breit, da kann man eine attraktive Gestaltung machen. Die Frequenz wäre definitiv da, viele Radfahrer kommen aus dem Süden der Stadt.

Bernhard Carl, Bürgerliste-GR: Grundsätzlich begrüße ich jede Verbesserung für die Radfahrer, bei dem Radtunnel bin ich aber kein glühender Befürworter. Ich befürchte, es handelt sich um ein "Trojanisches Pferd", um später eine PKW-Südzufahrt in die Garage zu bauen. Zudem entstehen in dem dunklen Tunnel potentielle Angst- räume, speziell für Frauen.

Lukas Uitz, GF Verein "Fairkehr": Eine Durchfahrt für Radfahrer und Fußgänger begrüße ich. Das würde eine kleine Milderung einer katastrophalen Umsetzung der Erweiterung der Mönchsberggarage bedeuten. Es muss aber wasserdicht festgehalten werden, dass der Tunnel niemals zu einer PKW-Zufahrt in die Garage werden darf.

Johanna Schnellinger, SPÖ-GR: Unserer Ansicht nach muss ein etwaiger Radtunnel durch den Mönchsberg von Experten auf Sinnhaftigkeit geprüft werden. Diese Prüfung muss allerdings außerhalb des jetzigen Flächenwidmungsverfahrens gemacht werden. Anhand der Ergebnisse werden wir prüfen, ob der Tunnel sinnvoll ist.
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