10.10.2016, 14:34 Uhr

RMagazin Schmuckstück: Pfarrkirche Brixlegg – Die Darstellungen des hl. Josef

Das Innere der Pfarrkirche Brixlegg (Foto: Anton Prock)

Brixlegg ist ein alter Bergbauort. Hier entstanden im 15. Jh. Verarbeitungsstätten für das im Bereich von Schwaz gewonnene Silber und Kupfer. Neben Schwaz und Jenbach war der Ort im 16. Jh. das wichtigste Industriezentrum Tirols. Heute erinnern noch die Montanwerke an die einstige Kupferhütte.

Der starke Bevölkerungszuwachs durch den Bergbau machte den Neubau einer Kirche nötig. Die Jahreszahl 1508 am Hauptportal weist auf diesen Bau hin. Ursprünglich war die Kirche dem hl. Josef, dem Nährvater Jesu, geweiht, heute trägt sie die Bezeichnung „Zu Unserer Lieben Frau Vermählung“. Finanziert wurde das Gotteshaus in erster Linie aus den Erträgen des Kupferverkaufs. Ausführende waren Mitglieder der Hagauer Bauhütte. Unter Hagauer Marmor, auch als Tiroler oder Kramsacher Marmor bezeichnet, versteht man einen Kalkstein, der im Grenzgebiet zwischen Münster und Kramsach gebrochen wurde. Noch heute ist hier auf der Nordseite des Tales ein rötlich-weißer Bergsturz zu sehen. Führender Steinmetz und Baumeister dieser Hütte war Jörg Steyrer. Der hohe Spitzturm, der Höhendrang und die spitzbogigen Fenster weisen auf den gotischen Stil hin.

Das Innere wurde jedoch im 17. Jh. barock verändert. So kam es 1653 zu einer Neueinwölbung des Langhauses. 1768 schuf der volkstümliche Schwazer Maler Christoph Anton Mayr die farbigen Deckenfresken im Stil des Rokoko, der Spätphase des Barock. Da die Kirche einst dem hl. Josef geweiht war, zeigen die Bilder Szenen aus seinem Leben. Im Fresko über der Orgel sind drei Begebenheiten dargestellt: der Traum des hl. Josef, die Flucht der Heiligen Familie nach Ägypten sowie eine weitere Szene der Familie. Das nächste Feld erzählt vom 12-jährigen Jesus im Tempel. Es folgt der Tod des hl. Josef, umgeben von Bildern aus dem Familienleben. Im Chor wird die Aufnahme Josefs in den Himmel im Beisein von verschiedenen Heiligen gefeiert. Links unten ist etwa der hl. Florian als römischer Soldat mit einem Wassereimer zu erkennen – er löscht ein brennendes Haus. Rechts daneben kümmert sich der hl. Antonius von Padua, erkennbar als Franziskanermönch mit einer Lilie, um das Jesuskind.

Der hl. Josef von Nazareth, Tiroler Landespatron, dessen Festtag am 19. März gefeiert wird, stammt aus der Familie Davids und lebte als Zimmermann in Nazareth. Als er unter mehreren Brautwerbern als Sieger hervorging, dürfte er schon sehr alt gewesen sein. Diese Brautwerber hatten Stäbe, doch nur jener Josefs blühte – er war der Auserwählte. Attribut des hl. Josef ist dieser blühende Stab. Er verlobte sich mit der jungen Maria und heiratete sie.

Als er erfuhr, dass Maria ein Kind erwartete, das jedoch nicht von ihm stammte, wollte er sie verlassen. Ein Engel erschien ihm im Traum und klärte ihn über die Mutterschaft auf. Der Engel drängte ihn zur Flucht nach Ägypten, um der Verfolgung durch König Herodes zu entgehen. Auf den Bildern ist zu sehen, wie Maria auf der Flucht auf einem Esel sitzt und das Kind hält. Josef führt das Tier. Als die Hl. Familie in eine ägyptische Stadt kommt, sollen alle Götzenstatuen zerbrochen sein, worauf die Darstellung einer kaputten Götzenstatue hinweist.

Jesus besuchte im Alter von zwölf Jahren mit seinen Eltern das Paschafest in Jerusalem und blieb dort unbemerkt zurück. Seine Eltern suchten ihn und fanden ihn nach drei Tagen im Tempel. Das Fresko zeigt, wie er unter den Schriftgelehrten sitzt und deren Fragen beantwortet. Als Maria ihm Vorwürfe machte, dass er zurückgeblieben war, antwortete er: „Wisst ihr nicht, dass ich in dem sein muss, was meines Vaters ist?“ Damit wollte er ausdrücken, dass er im Hause seines Vaters sei.

Zum Autor

Anton Prock ist nicht nur Direktor der NMS 1 Jenbach, sondern auch Kunsthistoriker und als solcher seit über 20 Jahren in der Ausbildung der Tiroler Fremdenführer tätig. In Kürze erscheint ein Führer durch Schwaz in Form einer Broschüre. Mehr Informationen auf www.antonprock.at
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