02.08.2016, 09:50 Uhr

Almenland Oberösterreich

Blick über das Zamseggerreith Richtung westlicher Talabschluss von Hinterstoder. Hier sind viele bekannte Freizeitziele versteckt: Bärenalm, Türkenkarscharte, Dolomitensteig, Steyr Ursprung oder der Salzsteig. (Foto: LK OÖ/Limberger)
BEZIRK. Rund 400 Almen werden in Oberösterreich bewirtschaftet. Das für die Viehhaltung genutzte Weideland gewährleistet eine umfangreiche Biodiversität. Die in den Alm- Regionen erzeugten Lebensmittel sind von hoher Natürlichkeit. Nicht messbar sind der Erholungswert für die Menschen und das Rückzugsgebiet für viele Pflanzen und Tiere. Der wirtschaftliche Erfolg und der künftige Weiterbestand von Alm- und Heimbetrieb sind aneinander gebunden. Beim Almwandertag am 15. August 2016 wird diese Form der landwirtschaftlichen Nutzung wieder in den Vordergrund gerückt.

Die oberösterreichischen Almen im Überblick
Die oberösterreichische Almregion erstreckt sich über die politischen Bezirke Vöcklabruck, Gmunden, Kirchdorf und Steyr-Land. Der Schwerpunkt liegt in OÖ einerseits auf den Niederalmen (bis 1.300 m Seehöhe), aber auch auf extremen Hochalmen, die fast ausschließlich im Salzkammergut liegen. Die Almen in Oberösterreich sind stark von Waldflächen geprägt. Die gesamte Almkatasterfläche beträgt 23.800 Hektar, davon werden 3.903 Hektar als reine Almfutterfläche eingestuft.

Die Landwirte treiben in Oberösterreich 4.920 Rinder auf die Almen, fast ausschließlich Jungvieh. Rund 800 Schafe werden traditionell im Salzkammergut auf die Almen aufgetrieben. „Nur mit entsprechender öffentlicher Unterstützung beispielsweise durch Prämien wird es auch in Zukunft möglich sein, auf den Almen Erträge zu erwirtschaften, diese zu erhalten und eine Verwaldung zu verhindern.“, betont Karl Grabmayr, Vizepräsident der Landwirtschaftskammer OÖ. Die Offenhaltung der Almen ist auch für die Tourismuswirtschaft von immenser Bedeutung.

Jährliche Pflege
Die Tiere verbringen die Zeit von Mitte Mai bis Ende September auf den Almen. In jedem Frühjahr müssen Weidezäune erneuert und ausgebessert werden, die Weideflächen von Steinen und auch Lawinengängen befreit sowie Tränkestellen eingerichtet und gereinigt werden. Im Laufe des Almsommers und speziell im Herbst nach dem Abtrieb sind die Weideflächen zu pflegen. So bleiben die Almen wie sie der Wanderer kennt. Ohne diese Pflegearbeiten würde auf den Niederalmen alles verwalden. „Die Almen dienen nicht nur der Landschaftspflege und der Gesunderhaltung der Tiere, sondern sie leisten auch einen wichtigen Beitrag zur Erhaltung der bergbäuerlichen Betriebe. Nur wenn die tierhaltenden Bergbauernbetriebe erhalten bleiben, können die Almen bestoßen werden und das landschaftsprägende Element der heimischen alpinen Kulturlandschaft bleibt bestehen“, betont Karl Grabmayr.

Gleiche Arbeit, weniger Auftreiber
Die Auftriebszahlen sind in den letzten zehn Jahren annähernd gleich geblieben, allerdings könnten viele Almen gerade im Frühsommer wesentlich mehr Tiere mit Almfutter versorgen. 2014 haben 609 Viehauftreiber ihre Tiere auf Almen aufgetrieben. Sie sind seit 2000 um ein Viertel zurückgegangen. Die anfallende Almarbeit muss daher von immer weniger Auftreibern erbracht werden.

Vorzüge der Almwirtschaft: Landschaftsprägend – Artenvielfalt – gesundes Vieh
Je nach Nährstoffgehalt, Temperaturverhältnissen, Hangneigung und Wasserversorgung entwickeln sich sehr unterschiedliche Almweidetypen. Es wachsen viele an die Höhenlage angepasste Pflanzen-Arten, die als Weide für die Tiere wertvoll sind. Die Pflanzen haben vielfach eine gedrungenere Wuchsform, aber auch der Gehalt an Inhaltsstoffen steigt.
Gealpte Tiere haben nachweislich ein vitaleres Herz-Kreislauf-System, mehr rote Blutkörperchen und eine verbesserte Immunstoffbildung. Die Almwirtschaft bietet also wichtige Grundlagen für die Tiergesundheit. Natürlich ist auch der Nutzen für die Tourismuswirtschaft beträchtlich. „Die Almwirtschaft und die Erhaltung der Almen haben eine sehr hohe Bedeutung für den Tourismus in Oberösterreich. Darum kommt der Pflege und Erhaltung unserer Almen ein hoher gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Stellenwert zu“, so der LK-Vizepräsident.

Richtiges Verhalten im Kontakt mit Weidevieh
Leider sind in der letzten Zeit wieder Unfälle zwischen Wanderern und Weidevieh passiert. Da nur mehr sehr wenige Menschen mit Nutztieren zu tun haben, sind sie im Umgang mit diesen nicht vertraut. Ein Rind ist grundsätzlich gutmütig, kann sich aber gegenüber einem Menschen mit seiner Kraft behaupten. Wesentlich ist, wie man einem Tier begegnet. Das Tier darf nicht irritiert werden, damit es nicht den Bedarf sieht, sich zu verteidigen. Besonders im Beisein von Hunden ist Vorsicht geboten. Die Weidetiere können mit einer Verteidigungsreaktion antworten. Grundsätzlich gilt: Hunde an die Leine, damit diese nicht unkontrolliert durch die Weide laufen. Sollte es aber zu einem Konflikt kommen, ist der Hund abzuleinen damit dieser weglaufen kann und nicht Personen weiter bedroht werden. Auffällige Tiere sind dem Weideverantwortlichen zu melden.

Umgang mit Natur und Weidevieh
Wanderer und Besucher sind gerne auf den Almen gesehen. Besucher werden ersucht sich angepasst zu verhalten. Immer wieder ist zu beklagen, dass Müll bedenkenlos hinterlassen wird. Dieser kann das Weidevieh gefährden und verschandelt die Landschaft auf lange Zeit. Zäune sind notwendig, um die Beweidung steuern zu können und sollten daher nicht beschädigt werden. In unwegsamem Gelände ist deren Erhaltung mit enormem Aufwand verbunden.

Almwandertag 2016
Der OÖ Almverein lädt heuer zum Almwandertag ins Zamseggerreith in der Gemeinde Hinterstoder ein. Die familienfreundliche Wanderroute führt vom „Bärenalmparkplatz“ mit einem Zeitbedarf von ca. einer halben Stunde durch Wald und Weiden ins Zamseggerreith. Das Programm startet um 10 Uhr mit der Eröffnung durch den Obmann des OÖ Almvereines, Bürgermeister Johann Feßl aus Edlbach. Als Vertreter der Bauernschaft werden LK- Vizepräsident Karl Grabmayr und LAbg. Michaela Langer-Weninger erwartet. Der Festgottesdienst wird anlässlich des Feiertags Maria Himmelfahrt mit der Kräuterweihe verbunden. Anschließend wird zu einem gemütlichen Zusammensitzen mit Schmankerln aus heimischen bäuerlichen Produkten geladen. Regionale Musikgruppen und ein interessantes Kinderprogramm der Seminarbäuerinnen ergänzen das Programm.

Nähere Details auf: www.almwirtschaft.com

Die Zamseggerreith
Die Almen Herzogreith, Maurerreith und Zamseggerreith liegen am westlichen Talende in der Gemeinde Hinterstoder umringt von den Gipfeln des Toten Gebirges. Bei einer früheren Hofübergabe wurde dieser Teil des Familienbesitzes auf die Hofnachfolger aufgeteilt. Heute werden sie in Form der Agrargemeinschaft Zamsegger-Herzog-Maurerreith von den Familien Silke und Hubert Antensteiner aus Vorderstoder und Kurt Antensteiner aus Edlbach bewirtschaftet.
Die drei aneinandergrenzenden Almen umfassen eine Gesamtfläche von 176 Hektar. Das gesamte Gebiet liegt auf einem Nordhang in einer Seehöhe von 700 bis 1100 Meter. Das Muttergestein ist ein stark verwittertes Dolomitgestein. Dieses wirkt sich nachteilig auf die Wasserversorgung aus. Ein Großteil der Flächen ist mit Maschinen gut erreichbar und auch gut durch Wege erschlossen. Aber auch steile Felsabbrüche kennzeichnen die Alm, welche eine Reinweidefläche von 28 Hektar hat und mit bis 30 Stück Rindern bestoßen wird.
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