17.09.2016, 15:50 Uhr

Kulturgut und Identität: Uralte Vulgo-Namen der Bauernhöfe

1622 Ausschnitt aus dem Waldneukirchner Taufbuch, wo die Geburt des Wolfgang Prunhuber vom gleichnamigen Bauernhof eingetragen wurde
Die alten Hofnamen sind ein wertvolles Kulturgut, das die Spur in die Anfangszeit der Besiedlung und Urbarmachung unseres Landes legt. Sie sind bäuerliche Kontinuität und Identität über viele Generationen. So kann der „Vulgoname“ eines Bauernhofes (vulgo bedeutet „landläufig so genannt“) über viele Jahrhunderte zurückverfolgt werden. In den besten Fällen sind Archivalien vorhanden, die diese Namen bereits vor 800 Jahren belegen. Dabei handelt sich um die ältesten Urbare (Grundbücher) Oberösterreichs aus dem 12. und 13. Jahrhundert, die entweder von den Landesfürsten oder von Klöstern und Adelsherrschaften angelegt wurden. Die meisten Quellen existieren aber erst aus der Zeit nach dem Dreißigjährigen Krieg, also ab dem 17. Jahrhundert. Einsehen kann man diese Bücher im Landesarchiv Linz. Allerdings sollte man die alte Kurrentschrift lesen können.
Fasziniert von den historischen Namen und deren Herkunft ist auch die Historikerin Katharina Ulbrich, die sich in der Region Bad Hall bis Kremsmünster ausführlich mit den Chroniken von Bauernhöfen und deren Namen beschäftigt hat. „In den meisten Fällen kann man den Namen auf die einstige Hofgröße, auf die Lage oder auf alte Vornamen zurückführen“, so Ulbrich. Ein „Pointner“ oder ein „Ortner“ bezeichnen die Lage eines Hofes am äußeren Ende oder in einer einsamen Gegend. Der „Eder“ hatte einen Hof in einer „öden“ Gegend; hingegen deutet der „Moser“ auf eine sumpfige Region hin. „Gruber, Huber, Mayr, Pichler, Lehner, Bauer“ gehören zu den häufigsten Familiennamen in Österreich. Sie gehen auf die Art der Wohnstätte „in der Grub“ (Niederung, Senke) oder „am Bühel“ (Hügel) oder auf die Größe des Bauernhofes im Mittelalter zurück. So waren einst Höfe mit 90 Joch als „Mayrhof“, ein „Hof“ mit 60 Joch, eine „Hube“ und „Gut“ mit 30 Joch, ein „Lehen“ mit 15 Joch und eine „Sölde“ mit 8 Joch Grundbesitz bezeichnet worden. Diese vielen Namen stammen aus der Zeit, als die großen Einheiten in kleinere Viertel- und Achtelhöfe geteilt wurden. Die Suffix-Endung „-er“ bezeichnet als „Lehner“, „Söl(d)lner“ oder „Mayer“ die Bewohner auf diesem Bauernhof. Die kleineren Sölden mussten zum Überleben einem Nebenerwerb nachgehen und waren Schmiede, Wagner oder Schuster, wovon sich dann weitere Namen oder Doppelbezeichnungen wie „Schmiedbauer“ ableiteten. Tatsächlich entstanden in der Zeit zwischen 1600 und 1700 aber Familiennamen, die durch Heiraten oder Erbschaften von einem Hof zum anderen übertragen wurde. Es bildete sich ein System von Doppelnamen bei den bäuerlichen Anwesen aus. Familien- und Ahnenforscher plagen sich gerade um 1700 damit ab, dass in den alten Matriken - das sind die Tauf-, Heirats- und Sterbebücher der Pfarre – beide Namen abwechselnd oder gleichzeitig verwendet werden. In späteren Jahrhunderten werden in den Matriken fast immer beide Namen zur klaren Identifizierung angeführt. Problematisch ist für uns aber die Rechtschreibung. So viele Vorschriften wir heute haben, bis 1900 gab es fast gar keine Regeln. Deshalb werden die Namen nach dem Hörensagen niedergeschrieben. Kein Wunder also, dass der „Hof in der Ebene“ einmal der „Ebner“, dann der „Ömmer“ und schließlich wieder zum „Ebmer“ wurde.
Leider zeigt sich in den letzten Jahrzehnten der Trend, dass die alten Vulgonamen durch Familiennamen ersetzt werden. Es ist verständlich, dass sich Kinder und Jugendliche mit den offiziellen Namen kennen, gleichzeitig nimmt der urbane Einfluss zu und häufiger Wechsel durch Heiraten oder Besitzveränderungen tragen das ihre bei. Das gab es aber auch in den vergangenen Jahrhunderten und trotzdem blieb der Hausname in Gebrauch.

Tipps zur Erforschung des eigenen Hofnamens oder Familiennamens

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Häufigkeit meines Namens: http://www.telefonabc.at/haeufigste-nachnamen.aspx
Verteilung meines Namens in Österreich: http://namenskarten.lima-city.at/
Familiennamen Herkunft: http://hw.oeaw.ac.at/famos (derzeit nur Namen von A – M)
Matriken online lesen: http://www.data.matricula.info/
Urmappe oder Kataster von Kaiser Franz I. um 1826: www.doris.at (Karten - Urmappe)
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