19.03.2016, 20:33 Uhr

Ein Saal randvoll mit Hoffnung

Das Begegnungsfest in Matrei gab Platz zum Kennenlernen, gegenseitigem Verständnis und vielleicht auch neue Wege.

MATREI (lg). Ahmed aus Syrien steht mit dem Mikrofon in der Hand vor dem bis zum letzten Stehplatz gefüllten Rathaussaal in Matrei. Und erzählt von seiner Flucht. Von den Bombenangriffen auf sein Haus und seine Familie. Von dem letzten Ausweg: Der Flucht über die Türkei, Griechenland, Mazedonien und Serbien bis nach Österrreich. In seiner Heimat hat der Maschinenbau-Ingenieur gerade an seiner Masterarbeit geschrieben, jetzt wohnt er in Mühlbachl, seine Familie will er bei positivem Asybescheid sofort zu sich holen, er vermisst sie sehr.

Alles verloren, nichts zu verlieren

"Schüsse, Bomben, Schreie... das ist in unserer Heimat alltäglich", erzählt er seine berührende Geschichte. Er habe seine Freunde, sein Haus und seine Träume im Krieg verloren, aber als er in die Armee eingezogen werden sollte, wollte er nicht Teil dieses furchtbaren Völkermordes werden und flüchtete. Er möchte vor allem eines, nämlich Danke sagen. Österreich, so sagt er, ist ein freundliches Land.

Zum Warten verurteilt

Die Gäste des Begegnungsfestes waren sichtlich berührt. Auch Muthana aus dem Irak erzählte seine Geschichte. Im Anschluss gab es ein interkulturelles Buffet, bei es vor allem ums Zusammenkommen ging. Eine Brauchtumsgruppe aus Matrei beeindruckte die Asylwerber. Auch sie führten tradtionelle syrische Tänze vor. So wurde gemeinsam gelacht, getanzt und musiziert.
Vor eineinhalb Jahren kamen 25 Männer aus Syrien und dem Irak in Matrei und Mühlbachl unter. "Bis zum positiven Asylbescheid dürfen sie nicht arbeiten, sie sind zum Warten verurteilt", erklärt Rosmarie Obojes, Leiterin des Begegnungsforum Matrei. Deshalb haben die engagierte Mühlbachlerin und ihr Team das Forum gegründet.

Bereicherung auf beiden Seiten

Am Programm stehen Treffen, Deutsch-Lernen, Ausflüge und vieles mehr. Interessierte sind jederzeit willkommen. "Wir können viel voneinander lernen, Begegnung kann uns nur bereichern", ist sich Obojes sicher. Die Asylwerber seien sehr offen und würden sich auch über kleinere Aufträge und Arbeiten in Haus und Garten freuen. Auch drei Bürgermeister waren vor Ort: Matreis Paul Hauser, Mühlbachls Alfons Rastner und Schönbergs Hermann Steixner. Hauser fand treffende Worte: "In den Medien sieht man erschreckende Bilder, diese Menschen haben alles verloren, jetzt gilt es, ihnen Heimat zu vermitteln. Den etwas schöneres und wichtigeres als Heimat kann es wohl kaum geben!"
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Theresa Hohenauer-Todd aus Westliches Mittelgebirge | 23.03.2016 | 17:50   Melden
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