21.06.2016, 07:00 Uhr

Weg vom Beton, hin zum Holz

Johannes Thurn-Valsassina
EISENKAPPEL-VELLACH. Im Vorfeld des großen Holzstraßenkirchtages in St. Urban (Bezirk Feldkirchen) sprach die WOCHE mit dem Präsidenten des Kärntner Forstvereines und Kärnten-Obmann des Arbeitgeberverbandes für Land- und Forstwirtschaft, Johannes Thurn-Valsassina. Er verwaltet das 2.000 Hektar große Familienforstgut in Eisenkappel-Vellach mit zehn Mitarbeitern.

WOCHE: Wie hat sich die Forstwirtschaft als Arbeitgeber in den vergangenen Jahrzehnten entwickelt?

THURN-VALSASSINA: Im Vergleich zu den 1950er und 1960er Jahren kommt man mit weit weniger Mitarbeitern aus. Dennoch ist die Forstwirtschaft auch heute ein wichtiger Arbeitgeber im ländlichen Raum. Sie ist das Rückgrat der Region und bietet Arbeitsplätze vor Ort, die sich gut mit der Arbeit im bäuerlichen Nebenerwerb kombinieren lassen.

WOCHE: Wieviele Menschen arbeiten im Bereich der Forstwirtschaft in Kärnten?

THURN-VALSASSINA: Wenn man die ganze Wertschöpfungskette betrachtet, sind es vom Forstarbeiter bis hin zum Tischler rund 30.000 Menschen in Kärnten.

WOCHE: Warum sollte man Holz anderen Baumaterialien vorziehen?

THURN-VALSASSINA: Ein Festmeter Holz entnimmt der Umwelt eine Tonne CO2. Deshalb sollte man Holz dauerhaft einbauen, wie zum Beispiel in Holzhäusern. In Wien ist aktuell ein 24-geschossiger Wohnbau in Planung. In London gibt es bereits seit einem Jahrzehnt zehngeschossige Wohnbauten aus Holz. Wir brauchen bei uns Signale im öffentlichen Wohnbau und im kommunalen Bereich.

WOCHE: Apropos Festmeter: Wieviele Festmeter Holz werden pro Jahr in Kärnten geschlagen?

THURN-VALSASSINA: Rund drei Millionen Festmeter. Die Versorgung mit Rundholz ist enorm wichtig, da sich auch die Industrie in der Nähe des Rohstoffes befindet. Hier haben wir einige weltweite Player wie Offner, Hasslacher oder Stora Enso.

WOCHE: Wie sehen Sie die aktuelle Debatte um die "Natura 2000"-Schutzgebiete?

THURN-VALSASSINA: Das ist für betroffene Forstwirte eine sehr schwierige Situation. Das Land hat sich zu Natura 2000-Schutzgebieten verpflichtet. Die Karawanken sind jedoch kein Urwald. Es gibt hier eine 300 Jahre alte Geschichte der Forstwirtschaft. Die Biodiversität, die es heute hier gibt, entstand aufgrund der Bewirtschaftung. Fragen der Bewirtschaftungseinschränkung und Entschädigung müssen geklärt werden, da sonst die ländliche Infrastruktur, und der Holzwirtschaftsstandort Kärnten gefährdet werden.

WOCHE: Stichwort Wald und Tourismus. Auch eine schwierige Situation?

THURN-VALSASSINA: Hier wird die Forstwirtschaft von den Medien immer nur in Konfliktsituationen gezeigt. Zu 99 Prozent funktioniert die Zusammenarbeit mit der Bevölkerung am Land großartig. Tourismus funktioniert nur mit der Kulturlandschaft. Ein Problem stellt die Forderung nach einer kompletten Freigabe der Waldwege für Mountainbiker dar, da sonst eine Lenkung nicht möglich ist.

WOCHE: Was wünschen Sie sich als Forstwirt für die Zukunft?

THURN-VALSASSINA: Dass noch mehr Holz im eigenen Land genützt wird, um von Rohöl, Plastik und Beton wegzukommen. Holz ist ein anspruchsvoller Baustoff, der intelligent verbaut werden muss. Er lässt sich leicht transportieren, der Vorfertigungsgrad ist hoch. Planung und Durchführung bei Bauvorhaben ändern sich dadurch, das muss noch in den Köpfen verankert werden.

ZUR SACHE: Der Holzstraßenkirchtag


Der Holzstraßen-Kirchtag findet heuer zum 22. Mal statt. Das Motto lautet "Holz, Stein & Natur":

Wann: Sonntag, 10. Juli 2016
Wo: St. Urban/Urbansee

Programm:

10 Uhr: Eröffnung des Holzstraßenkirchtages
10:15 Uhr: Kärntner Waldarbeitsmeisterschaft
ab 13 Uhr: Timbersport-Show des Waldsportvereines Litzlhof
ab 14 Uhr: Rahmenprogramm
18 Uhr: Siegerehrung der Kärntner Waldarbeitsmeisterschaft mit Verlosung des Gewinnspieles
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