05.10.2016, 20:24 Uhr

Mit Leidenschaft und eisernem Willen erfolgreich in 30 Jahren Triathlon

Sieg beim Linztriathlon 2016 über die Sprintdistanz
Gerald Will ist Triathlet aus Leidenschaft. Er lebt und liebt diesen Sport und das schon seit unvorstellbaren 30 (!) Jahren. Seit seiner Jugend schwimmt, radelt und läuft Geri durch sein Leben. Auch nach 30 Jahren zählt er immer noch zu den stärksten Triathleten des Landes.

Voriges Jahr führten wir mit Gerald Will unser erstes Interview über seine außergewöhnliche Lebensgeschichte und die große Verbundenheit zum Triathlon. In seinem 30. Triathlon-Jubiläumsjahr eilte er von einem Sieg zum anderen. Grund genug, um ihn nochmals zum Gespräch zu bitten.


Du hattest heuer in deinem 30-jährigen Jubiläumsjahr ein sehr erfolgreiche Triathlonsaison. Was waren deine persönlichen Highlights?

Heuer ist es perfekt gelaufen. Von sechs Rennen bin ich vier Mal ganz oben am Stockerl gestanden. Jeder der vier Siege war etwas Besonderes, wobei der EM-Titel in Zittau schon deshalb, weil meine zwei Töchter zum ersten Mal bei einer internationalen Meisterschaft dabei waren, etwas ganz besonderes war.

Wir waren heuer live dabei, wie du beim Linztriathlon über die Sprintdistanz als Gesamtsieger eingelaufen bist. Ein besonders emotionaler Moment, wie hast du das selbst erlebt?

An diesem Tag hat einfach alles gepasst. Ich hab schon gleich nach dem Start gemerkt, dass das mein Tag wird. Der Zieleinlauf war genial, da ich am letzten Kilometer schon abstellen konnte und die Atmosphäre genießen konnte. Normalerweise sitzt mir ja aufgrund meiner Laufschwäche immer die Angst im Nacken und ich muss bis zum Schluss "hinhalten". Da bleibt keine Zeit für Emotionen.

Du lässt immer noch viele Jüngere hinter dir, wie erklärst du dir deine Stärke?

Prinzipiell orientiere ich mich an meiner eigenen Leistung und da ist es mir eher egal, wie alt meine Gegner sind. Mein Vorteil ist sicherlich die Routine. Fehler vor oder während des Rennens passieren kaum mehr. Vor allem bei extremen Wetterbedingungen, egal ob heiß, kalt oder wenn es bei den Crosstriathlons zu meinen geliebten Schlammschlachten kommt, ist es immer gut, wenn man weiß, was zu tun ist.

Neben der körperlichen Leistung spielt auch die mentale Stärke eine große Rolle. Wie schätzt du dich hier selber ein?

Da hilft natürlich auch die Erfahrung. Wichtig ist es immer vor einem Rennen den richtigen Aktivierungslevel abrufen zu können - nicht zu viel und nicht zu wenig Anspannung. Das funktioniert nach mittlerweile mehr als 200 Triathlons auch schon ganz gut.

Bist du nach 30 Jahren Triathlon Erfahrung immer noch nervös vor einem Bewerb?

Um ehrlich zu sein: Da hat sich nichts geändert, und das soll auch so bleiben. Ohne "Muffensausen" vor einem Rennen würde etwas Entscheidendes fehlen. Nach dem Rennen hat sich allerdings im Vergleich zu meiner Profizeit vor zwanzig Jahren das Zeremoniell etwas geändert: Das Auslaufen wurde durch gemütliches Beisammensitzen bei einem oder auch zwei "Bierchen" ersetzt.

Wie hat sich dein Training mit steigendem Alter verändert?

Es ist natürlich deutlich weniger geworden. Familie und Beruf verlangen den "Mut zur Lücke". Dafür versuche ich jeder Trainingseinheit einen Inhalt und eine Zielsetzung zu geben. Die, wie ich sie nenne "Verlegenheitstrainings", bei denen man vor dem Training nicht weiß, was man eigentlich die nächsten 60 Minuten macht, habe ich völlig gestrichen.

Du bist sowohl im Crosstriathlon als auch im Straßentriathlon immer vorne dabei, aber wofür schlägt dein Herz mehr?

Das weiß ich selbst nicht so genau. Beides hat seinen Reiz. Es hat sich in den letzten Jahren so ergeben, dass ich in der ersten Saisonhälfte eher Triathlons auf der Straße mache und dann ins Gelände wechsle.

Deine Frau Kerstin und deine beiden Töchter sind bei jedem Triathlon dabei, feuern dich an und sind deine größten Fans. Eine sehr wichtige Stütze oder?

Ja meinen beiden Töchtern taugt das Mitfahren zu den Triathlons sehr. Die haben immer einen Riesenspaß und Kerstin, die ja Leichtathletik auf internationalem Niveau betrieben hat, hat auch Verständnis für meine "Spinnerei", aber auch die nötige Distanz, um mir gelegentlich zu signalisieren, dass es Wichtigeres gibt.

Jetzt steht erst mal die Off-Season an, wie sieht das bei dir aus?

Vier bis sechs Wochen ohne Trainingsplan - Sport nach Lust und Laune, Kinderurlaub am Meer, Wandern in Saalbach, unserer zweiten Heimat.

Welchen Tipp hast du für uns Triathleten, um die Off-Season optimal zu gestalten?

Ich empfehle vier Wochen Trainingspause. Die ersten zwei Wochen Alternativsportarten nach Lust und Laune. In den zweiten zwei Wochen maximal der halbe Trainingsumfang wie gewohnt ohne Plan und Zwang. Nach vier Wochen heißt es dann wieder Durchstarten, am besten mit einem Eingangslaktattest, um die Trainingsintensitäten für die allgemeine Vorbereitungsphase zu bestimmen, damit von Anfang an effizient gearbeitet werden kann.

Hast du schon Pläne für die nächste Saison geschmiedet?

So ungefähr weiß ich schon, was ich vorhabe, aber ich möchte noch nicht zu viel verraten.

Welche Neuerungen wird es bei dir nächstes Jahr geben?

Ich denke ich werde Bewährtes weiter machen. Eventuell werde ich trainingsbegleitende Maßnahmen forcieren und den wöchentlichen Massagetermin diesmal wirklich konsequent wahrnehmen. Die eine oder andere neue Trainingsmethode werde ich ausprobieren, quasi als Selbstversuch, um sie dann übernächstes Jahr, falls sie bei mir funktioniert haben, meinen Sportlern zu vermitteln.

Im Sponsorbereich gibt es auch Neuigkeiten: Ich werde nächstes Jahr mit der Riederbrauerei zusammenarbeiten, die ein hervorragendes preisgekröntes alkoholfreies Weißbier anbieten. Die anderen Sorten schmecken übrigens auch ausgezeichnet. Nach dem Eigentümerwechsel der Fa. Westberg – die Sportnahrung aus Tirol - und einem Jahr Unterbrechung unserer Zusammenarbeit wird es hier eine noch engere Kooperation geben. Am Ausrüstungssektor bleiben die Partnerschaften mit dem Sportbekleidungsspezialisten Jolsport, dem Laufschuhexperten OnYourMarks, Sumapro (Neoprenanzüge) und der Fahrradprofis der Fa. 4Sports bestehen.

Gibt es noch bestimmte Ziele, die du im Triathlon erreichen willst?

Mein Hauptziel ist es, diese geniale Sportart so lange wie möglich auf hohem Niveau betreiben zu können. Ich sehe mein Sporttreiben nicht als auf ein bestimmtes Ziel ausgerichtetes kurzfristiges Projekt, sondern eher als ganzheitliche Sache. Man könnte auch das etwas in die Jahre gekommene Zitat strapazieren: "Der Weg ist mein Ziel!"

Interview und Fotomaterial: www.triyourlife.at (Katharina Feuchtner und Christian Lehner)
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