09.06.2016, 23:35 Uhr

Uraltes Wissen neu interpretiert: Schafwollpellets als Düngemittel

Bei der Arbeit: Michael Bacher, Stefan Brugger, Erwin Seidemann und Johannes Fitsch (v.l.n.r.)

Durch die Initiative des Tiroler Schafzuchtverbandes hat jede Tirolerin und jeder Tiroler die Möglichkeit, sich das Geheimnis fruchtbarer Bauerngärten zunutze zu machen.

Dass die Wolle der Tiroler Bergschafe für Produkte mit außergewöhnlicher Wirkung sorgt, ist hinlänglich bekannt. Gemeinsam mit den "Qualität Tirol-Gärtnereien entwickelt und getestet, leisten die Tiroler Schafwollpellets als Düngemittel beste Dienst – dies ist vielleicht noch weniger geläufig.

Nachhaltige Qualität aus Tirol

"Durch die natürliche Anpassung der heimischen Schafe an das alpine Klima erhält deren Wolle eine ganz besondere Güte, die wiederum optimal zu heimischen Gärten passt – eine runde Sache," sagt Stefan Brugger, Obmann-Stellvertreter des Tiroler Schafzuchtverbandes. Er stellte das Produkt gemeinsam mit Obmann Michael Bacher und GF Johannes Fitsch im Blumenpark Seidemann vor.
Im Frühjahr und im Herbst gewonnen, wird die Wolle vorsortiert, ungewaschen in kleine Stücke gehäckselt, pelletiert und in luftdichten Behältern zu 600 g bzw. drei Kilogramm verpackt. Die Herkunft des nachhaltigen ökologischen Düngemittels kann bis zum jeweiligen Schafzüchter bzw. Bergbauern nachvollzogen werden. Erhältlich sind die Tiroler Schafwollpellets ausschließlich in den Qualität Tirol-Gärtnereien.

Natürlich. Effektiv. Biologisch.

Auch Blumenpark-Chef und Okö-Gärtner Erwin Seidemann zeigt sich begeistert. "Anders als herkömmliche Mittel baut Schafwolle ihre natürliche Fettschicht langsam ab. Dadurch setzt das Produkt wertvolle Nährstoffe die gesamte Vegetationsperiode über frei!"

Erwin Seidemann mit Schafwollpellets
Bio-Gärtner Erwin Seidemann weiß alles über die Wirkungsweise der Schafwollpellets – lesen Sie hier weiter! (Foto: Hassl)

Alle Vorteile für Gärtner

Das ist die Kurzversion – er es vom Pflanzenexperten ausführlich erklärt haben will muss hier die Fachexpertise von Erwin Seidmann lesen:

Wirkungsweise:

Nachdem die SWP ein Naturprodukt sind und unverfälscht und ohne weitere Zusätze verabreicht werden, besitzen sie einen leichten, aber arttypischen Eigengeruch.
Die Schafwolle wird UNGEWASCHEN verarbeitet, das heisst, es ist eine dünne, natürliche Fettschicht (Lanolin) drauf, die sich erst nach knapp 4 Wochen abgebaut hat und dann erst ALLE Nährstoffe uneingeschränkt zur Verfügung stehen. Es empfiehlt sich daher eine Kombination mit einem rascher wirksamen, organischen Dünger wie z.B. Hornmehl oder auch Traubentrester bzw. Phyto-Malz, NATÜRLICH! Nach den ersten 4 - 6 Wochen der Kultur haben sich die „schnellen“ Dünger erschöpft, danach kommt die ganze Kraft der Schafwolle in die Pflanze.

Schafwolle besitzt einen relativ hohen pH-Wert, jedoch durch die starke Wurzelbildung der Pflanzen und der damit verbundenen Bildung der Wurzelsäuren wird dies jedoch gut kompensiert und alle freiwerdenden Nährstoffe, die das Bodenleben aufbereitet, werden DOSIERT von der Pflanze aufgenommen.
Was bedeutet dosiert? Der Hauptnährstoff und DER Wachstumsfaktor der Pflanze - der Stickstoff - liegt in der Schafwolle in der langsam fliessenden Ammonium-Form vor, das heisst, wenn die Wurzel auf die Schafwolle trifft, kann sie nie „verbrennen“, da die Nährstoffe in kleinen Dosen der Pflanze zur Verfügung gestellt werden, ist unbewusst sehr intelligentJ

Bei welchen Pflanzen werden SWP angewendet?
Alle Freilandpflanzen ausgenommen Moorbeetgewächse, die sauer reagierende Dünger bevorzugen!
Alle Gemüse-Arten wie Fruchtgemüse(Paprika, Tomaten, Zucchini, Gurken, Kürbisse etc.), aber auch Kohlgewächse und Kräuter. Nicht ratsam bei Gemüsen mit Standzeiten unter 6 Wochen wie Salate, weil dann die Wirkung nicht mehr voll zur Geltung kommt. Geschmack und Pflanzengesundheit werden wesentlich verbessert und stabilisiert.
Alle Balkon- und Kübelpflanzen, wo die Wirkung eine ganz besonders gute ist, sogar die Leuchtkraft wird erhöht, wie von vielen Balkon- und Terrassenbesitzern bestätigt werden kann!
Alle Freilandpflanzen wie Rosen, Blütensträucher und Heckenpflanzen, die Anwendung kann jährlich einmal wiederholt werden.

Wie werden SWP angewendet?
Bei Gemüsebeeten arbeitet man diese einfach vor dem Pflanzen in die Erde ein, am besten eine gute Hand voll je m² zu bepflanzende Fläche. Die Anwendung erfolgt hier ausschliesslich in der ersten Jahreshälfte, also bis inklusive Juli, bei starkzehrenden Gemüsen wie Tomaten oder Zucchini kann man die Anwendung insgesamt 2x jährlich machen!
Bei Gemüse in Trögen macht man es einfach so: Wenn der Trog zB 25cm tief ist, zuerst unten 10cm Substrat, dann die Schafwolle 1cm dick einstreuen, dann wieder etwas Erde, dann die Pflanzen einpflanzen und dann mit Substrat voll machen. Die Wurzeln finden rasch den Weg zu den Pellets!
Bei Balkonblumen funktioniert es ähnlich. Auch hier am besten die TSP einarbeiten nach dem Muster wie oben beschrieben.
Auch bei Rosen in Töpfen und Trögen geht man nach dem selben Muster vor.
Bei Sträuchern, die man im Garten einpflanzt, am besten in das Pflanzloch die TSP einbringen und dann erst pflanzen.
Nachträglich/jährlich kann ,man die SWP direkt zu den Pflanzen streuen, noch besser und effizienter wäre es aber, wenn man neben der Pflanze mit einem Stock ein Loch bohrt, die TSP da einfüllt(1 Hand voll) und wieder verschliesst, die Wurzeln arbeiten sich dann dort hin und werden jährlich kräftiger.

Auch auf Rasenflächen kann man im Frühjahr SWP anwenden, am besten gemeinsam mit einem rascher fliessenden organischen Rasendünger, der anfangs leichte Geruch wird schnell verflogen sein. Insgesamt spart man sich auch etliche Wassergaben, SWP erhöhen die Trockensubstanz der Rasenfläche, man muss sogar weniger oft mähen bei konsequenter Anwendung!

Welchen Vorteil haben SWP noch?
Man kann davon ausgehen, dass man sich einige Wassergaben pro Jahr sparen wird, kommt besonders bei Pflanzen in Trögen und Töpfen zum Tragen. SWP besitzen ein erhöhtes Wasserspeichervermögen, gleichzeitig fördert man durch die langsame, aber stetige Nährstoffversorgung den Trockensubstanzgehalt der Pflanze, sie wird härter und widerstandsfähiger, gesünder und wenig anfällig für parasitäre Schädlinge wie Läuse und dgl.

Zusammenfassend kann man feststellen, dass SWP vieles im Garten, auf der Terrasse erleichtern, gleichzeitig aber das ganze Öko-System im Garten stabiler machen, selbst auch ökologisch wertvoll sind, kaum Transportwege am Buckel haben und kein Tier durch die Verarbeitung sterben oder leiden muss. Das Scheren der Schafe ist ein wichtiger Prozess und nebst der Verarbeitung zu anderen Produkten wie Bekleidung etc, auch noch einen sehr wichtigen Anteil im gärtnerischen Bereich haben und nicht mehr wegzudenken sind!

Im „Schnellvergleich“ mit Kunstdünger(weil synthetisch hergestellt) kann man feststellen, dass dieser alle Nährstoffe rasch und in voll wasserlöslicher Form der Pflanze, fast noch am selben Tag der Ausbringung zur Verfügung stellt. Es muss ausreichend Blatt- und Wurzelmasse, sowie Wasser vorhanden sein, da die Pflanze sonst den hohen Turgordruck nicht aushält und die Zellen platzen(„verbrennen“)würden.
Kunstdünger bewirkt sehr rasches, leider manchmal auch unnatürliches Wachstum, die Pflanze muss sich nicht wirklich anstrengen, um an die Nährstoffe zu gelangen, es ist quasi „Fastfood“ für die Pflanzen. Nicht ratsam bei Gemüse und Essbarem, bezüglich Blumen kann man nicht wirklich gegenargumentieren, jedoch bewirken natürliche Dünger langsameres, gesünderes, stetiges Wachstum, daher geht mein Plädoyer Richtung Naturdünger, explizit Schafwolldünger.

Aber was soll man von einem Bio-Gärtner schon anderes erwarten ...??
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