Biber entern die Donaustadt

Die menschenscheuen Nagetiere halten sich entlang der Lobau oder auf der Donauinsel auf und können auch Bäume fällen.
  • Die menschenscheuen Nagetiere halten sich entlang der Lobau oder auf der Donauinsel auf und können auch Bäume fällen.
  • Foto: Jerike
  • hochgeladen von Agnes Preusser

Bei der Lobau erstreckt sich ein Paradies für Biber. Das Ufer ist dort so gestaltet, dass sich die Nager beim „Holzbau“ so richtig austoben können. Auch bei der Alten Donau wurden zuletzt immer mehr Biber gesichtet.

An Wildschweine, Raben und andere tierische Gesellen hat man sich ja schon gewöhnt in der Großstadt. Jetzt im Herbst zeigen sich auf der Donauinsel sogar die eher scheuen Nachbarn. Entlang der Ufer sind junge Männchen unterwegs, um eine geeignete Adresse für ihre architektonisch herausragenden Holzbauten zu finden. In den Auwäldern haben nämlich die Biber-Clans ihre Reviere weitflächig abgesteckt und zeigen unerwünschten Eindringlingen die Zähne.

Ufergestaltung
Also bleibt den Halbstarken nichts anderes übrig, als sich ein eigenes Heim zu schaffen. Was allerdings nicht so einfach ist. Denn die Ufer des Entlastungsgerinnes und der Donau sind „hart verbaut“ – sprich mächtige Steinblöcke machen eine Festung aus Holz nicht möglich. In Höhe der Lobau werden die Nager zum Glück fündig. Dort hat das Forstamt die Ufer teils so gestaltet, dass am Holzbau unbeeinträchtigt herumgezimmert werden kann. Allerdings tummeln sich die Nager eher in der Dämmerung und Dunkelheit am Wasserrand.

Menschenscheu
„Biber sind nämlich keine sogenannten Kulturfolger“, erklärt Forstdirektor Andreas Januskovecz. „Sie sind nicht unbedingt heiß auf unsere Gesellschaft.“ Dafür mehr auf die Rinden von Pappeln und Weiden.

Beißkräftig
Als größtes Nagetier der nördlichen Hemisphäre wird der Biber seinem Ruf gerecht und verlegt schon so manchen Baum kurzerhand, aber umso beißkräftiger in die Horizontale. Auch in der Alten Donau, wo die Tiere sogar im Gänsehäufel gesichtet worden sind, ist das Stadtbild um einige Biberhaufen reicher. Das stille Gewässer bietet aufgrund seiner dichten Uferflora genügend Platz für Biber und Mensch.
Wiens oberster Wald- und Naturhüter: „Wenn ein Baum so angenagt ist, dass er umstürzen und eine Gefahr darstellen könnte, dann fällen wir ihn natürlich“.

Fast ausgerottet
Bei Januskovecz und seinen Mitarbeiter von der MA49 überwiegt dennoch die Freude über die bereicherte Fauna in Wien. Denn die Biber waren im 19. ­Jahrhundert bereits
ausgerottet.
In den Donau-Auen ist die Population mittlerweile auf fast tausend Tiere angewachsen. „Donauinsel, Alte Donau und Donaukanal zusammengerechnet leben schätzungsweise 200 Biber im Stadtgebiet. Ein toller Erfolg für den Wiener Naturschutz“, so Januskovecz.

Entwarnung für Angler
Übrigens: Angler brauchen keine zusätzliche Konkurrenz zu fürchten. Biber, die bis zu 15 Minuten tauchen können, machen sich nichts aus Fisch.

Autor:

Agnes Preusser aus Wien

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