Blues in Kaisermühlen
Wenn der Mississippi in die Alte Donau mündet
- Alwin Schönberger im Werkl
- Foto: Bild: Schön Johann
- hochgeladen von Johann Schön
Wenn der Mississippi in die Alte Donau mündet: Der Blues der Easy Riders Vienna
Man sagt oft, der Blues sei traurig. Wer das behauptet, hat ihn nie wirklich gespürt – oder verwechselt Schwermut mit jener tiefen, unverfälschten Lebensfreude, die erst entsteht, wenn man die Schatten des Alltags einfach wegtanzt. Der Blues braucht keine staubigen Straßen in Tennessee und keine flirrende Hitze am Mississippi, um seine Magie zu entfalten. Manchmal reichen der herbstliche Wind über der Donauinsel, das Rattern der U1 nach Kaisermühlen und die ehrwürdigen Backsteinmauern des Goethehofs völlig aus.
Der Blues ist eine universelle Sprache. Entstanden aus der Sehnsucht nach Freiheit und der rohen Realität des Lebens, wanderte dieser Klang über Chicago und London um den gesamten Globus – und landete schließlich genau dort, wo das Leben bekanntlich ohnehin seine ganz eigenen Geschichten schreibt: in Wien.
Hier kommen die Easy Riders Vienna ins Spiel. Bei der sechsköpfigen Formation handelt es sich nicht um eine jener Bands, die alte Schellackplatten ehrfürchtig wie Museumsstücke nachspielen. Für die Musiker ist diese Musik kein verstaubtes Relikt, sondern ein pulsierender Herzschlag. Benannt nach dem ewigen Mythos der offenen Straße, dem Freiheitsdrang und dem Dröhnen klassischer Motoren, verbinden die Easy Riders die raue Urkraft des Rhythm & Blues mit dem rollenden, ansteckenden Fluss des Boogie-Woogie.
Getragen von einer Rhythmusgruppe, die seit Jahrzehnten wie ein gut geschmiertes Uhrwerk tickt, schneidenden Gitarrenriffs, treibenden Tastenklängen und ausdrucksstarkem Gesang, entsteht ein Sound, der direkt vom Gehörgang in den Bauch und schließlich in die Beine fährt. Hier trifft handwerkliche Erfahrung auf pure Spielfreude. Jeder Takt atmet jene unaufgeregte Gelassenheit, die man sich nicht künstlich aneignen kann – man muss sie gelebt haben. Dazu mischt sich immer wieder eine Prise echter Wiener Schmäh: ein Augenzwinkern im richtigen Moment, das zeigt, dass Melancholie und Humor im Grunde zwei Seiten derselben Medaille sind.
Dass die Band ihre musikalische Reise am 3. Oktober gerade im legendären Goethehof fortsetzt, passt wie die sprichwörtliche Faust aufs Auge. Mitten im traditionsreichen Meidlinger oder Kaisermühlner Grätzlleben ist das Kulturcafé Werkl seit Jahren ein unverzichtbarer Zufluchtsort für echte, unverfälschte Live-Kultur. Fernab von sterilen Hochglanzbühnen begegnen sich Künstler und Publikum hier auf Augenhöhe. Zwischen gemütlichen Tischen und warmem Holzlicht verschwimmt die Grenze zwischen Bühne und Saal: Man spürt das Schwingen des Basses im Boden, riecht förmlich den Staub der Verstärker und erlebt hautnah, wie aus einzelnen Tönen eine kollektive Energie wird.
Wenn die Instrumente gestimmt sind und der erste Akkord den Raum füllt, wird klar: Der Blues ist keine Geschichtsstunde. Er ist ein handfestes Lebenselixier. Für ein paar intensive Stunden schmeckt der Kaisermühlner Herbst dann nach Freiheit, warmem Röhrensound und unverfälschtem Rhythmus.
Live erleben:
• Event: Easy Riders Vienna – Live im Werkl
• Termin: Samstag, 03. Oktober 2026
• Beginn: 19:00 Uhr
• Ort: Kulturcafé Werkl im Goethehof, Schüttausstraße 1–39, 1220 Wien (U1 Kaisermühlen)
• Eintritt: Freie Spende / Kulturbeitrag
• Infos & Reservierung: Direkt vor Ort im Werkl oder über werkl.org (Rechtzeitiges Kommen sichert die besten Plätze!)
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