Inklusion im Sport
Neurodiversität als Thema im Bogentraining
- hochgeladen von Wolfgang Hoyer
Neurodiversität im Bogensport: Fortbildung in der Donaustadt setzt auf individuelle Trainingsarbeit
Wie können Trainerinnen und Trainer Menschen erreichen, die Informationen anders verarbeiten, Reize anders wahrnehmen oder andere Formen der Kommunikation benötigen? Mit dieser Frage beschäftigte sich am 5. September eine Fortbildung auf der Bogensportanlage des UBSC Artemis Wien in der Donaustadt.
Im Bogensport entscheiden Technik, Konzentration und wiederholbare Bewegungsabläufe über einen gelungenen Schuss. Für Trainerinnen und Trainer gehört jedoch noch etwas anderes dazu: Anweisungen müssen so vermittelt werden, dass sie bei den jeweiligen Sportlerinnen und Sportlern auch ankommen.
Genau dort setzte die Fortbildung „Neurodiversität im Bogensport“ an, die am Samstag, dem 5. September 2026, auf der Anlage des UBSC Artemis Wien am Claudia-Heill-Weg 4 stattfand.
Der ganztägige Kurs bildete zugleich den Abschluss des Übungsleiter-Fortbildungszyklus 2025/2026 des Wiener Bogensportverbandes mit Schwerpunkt Para- und inklusiver Bogensport.
Wenn dieselbe Anweisung unterschiedlich ankommt
Unter Neurodiversität versteht man unterschiedliche Formen, in denen Menschen Informationen wahrnehmen, verarbeiten, lernen oder kommunizieren. Dazu werden unter anderem Autismus, ADHS oder Dyslexie gezählt.
Für den Sport ist das keineswegs nur ein theoretisches Thema. Eine Trainingsanweisung, die für einen Schützen sofort verständlich ist, kann für einen anderen zu ungenau sein. Auch Geräusche, körperliche Nähe, eine unübersichtliche Trainingssituation oder kurzfristige Änderungen eines gewohnten Ablaufs können sehr unterschiedlich wahrgenommen werden.
Im Bogensport kommt hinzu, dass viele Bewegungsabläufe aus mehreren aufeinanderfolgenden Schritten bestehen. Stand, Griff, Auszug, Ankerpunkt, Zielen und Lösen müssen koordiniert werden. Wie diese Abläufe erklärt und vermittelt werden, kann daher einen wesentlichen Einfluss auf den Lernerfolg haben.
Werkzeuge für den Trainingsalltag
Durch den Fortbildungstag führte die Bogensporttrainerin Enikö Bodor. Neben Grundlagen und Begriffsdefinitionen standen Kommunikation, psychosoziale Aspekte und die Gestaltung eines möglichst neuroinklusiven Trainingsumfeldes auf dem Programm.
Besprochen wurde beispielsweise, wie klare und kurze Anweisungen, wiederkehrende Abläufe, visuelle Unterstützung oder eine bewusste Reduktion von Reizen das Training erleichtern können.
Dabei ging es nicht um ein starres Schema für den Umgang mit neurodivergenten Sportlerinnen und Sportlern. Im Mittelpunkt stand vielmehr die Frage, wie Trainer individuelle Bedürfnisse erkennen und ihre Kommunikation sowie Trainingsmethoden entsprechend anpassen können.
Fallbeispiele und Diskussionen ergänzten den theoretischen Teil und stellten den Bezug zum Trainingsalltag in den Vereinen her.
Erfahrung aus dem Para- und inklusiven Bogensport
Enikö Bodor beschäftigt sich bereits seit längerer Zeit mit inklusivem Bogensport. Die Pädagogin und staatlich geprüfte Bogensporttrainerin unterrichtet an der Integrativen Schule Hernals, wo Bogenschießen ebenfalls zum sportlichen Angebot gehört.
Auch im Para-Bogensport sammelte sie Erfahrung. Unter anderem war sie an Spezialausbildungen für das Bogenschießen mit blinden und sehbehinderten Menschen beteiligt und absolvierte eine internationale Ausbildung von World Archery Europe zum Para Archery Coach.
Zwischen der Integrativen Schule Hernals und dem UBSC Artemis Wien entstanden in den vergangenen Jahren zudem mehrere gemeinsame Bogensportprojekte für Kinder und Jugendliche mit unterschiedlichen Voraussetzungen.
Abschluss eines mehrteiligen Fortbildungszyklus
Die Veranstaltung in der Donaustadt war nicht als isoliertes Seminar konzipiert. Sie bildete den Abschluss einer mehrteiligen Fortbildungsreihe, mit der Übungsleiterinnen, Übungsleiter und Coaches zusätzliche Kenntnisse in den Bereichen Para-Bogensport und Inklusion erhalten sollten.
Beim abschließenden Seminar zum Thema Neurodiversität kamen die Teilnehmenden diesmal ausschließlich aus den Reihen des UBSC Artemis Wien.
Gerade im Bogensport können vergleichsweise viele Aspekte des Trainings individuell angepasst werden – von der Ausrüstung über die Schießtechnik und Distanz bis hin zur Art, wie Bewegungsabläufe erklärt und erarbeitet werden. Voraussetzung dafür sind Trainerinnen und Trainer, die neben der sportlichen Technik auch unterschiedliche Lern- und Wahrnehmungsformen berücksichtigen können.
Mit dem Fortbildungstag in der Donaustadt ging der Übungsleiter-Fortbildungszyklus 2025/2026 schließlich zu Ende. Das Thema selbst dürfte die Trainingsarbeit jedoch weiter begleiten: Neurodivergente Kinder, Jugendliche und Erwachsene können in Nachwuchsgruppen, Anfängerkursen und im regulären Vereinstraining gleichermaßen Teil einer Trainingsgruppe sein.
Link einfügen
Video einbetten
Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.
Karte einbetten
Social-Media Link einfügen
Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.
Code einbetten
Beitrag oder Bildergalerie einbetten
Foto des Tages einbetten
Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten
Du möchtest selbst beitragen?
Melde dich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.
Hier gehts zu den aktuellen
Du möchtest kommentieren?
Du möchtest zur Diskussion beitragen? Melde Dich an, um Kommentare zu verfassen.