22.05.2017, 17:11 Uhr

"Wiener Kuchl": Mit einem Akkubohrer und einer Sackrodel zur eigenen Küche

Die Do-it-yourself-Kuchl ist mit einem Akkubohrer in drei bis fünf Stunden zusammengebaut. (Foto: Nick Mangafas, Hunger auf Kunst und Kultur)

Mit besonderem Augenmerk auf Kosten, Transport und Platz erarbeiteten ehemalige Wohnungslose, Designerin Eldine Heep und Architekt Klemens Schillinger eine Do-It-Yourself Küche zum Preis von nur 200 Euro.

WIEN. Forderungen nach mehr Wohnraum, vor allem nach günstigem Wohnraum, werden schon seit Jahren wieder zunehmend lauter. Doch mit erschwinglichen Mieten allein ist die Sache mit dem günstig Wohnen noch lange nicht gegessen. Für teure Einrichtungsgegenstände fehlen oft die nötigen finanziellen Mittel. Ganz oben auf der Liste: Die Küche. Im Rahmen eines "Kultur-Transfair" – Projektes entwarfen Designer Klemens Schillinger und Architektin Eldine Heep vom Museum für Angewandte Kunst (MAK) mit ehemaligen Wohnungslosen von "Wieder Wohnen" eine Küche zum sozial verträglichen Preis. Alle Bestandteile sind dabei in einem herkömmlichen Baumarkt erhältlich, kein Teil ist länger als zwei Meter und alles zusammen kann mit einer einzigen Sackrodel ins Eigenheim transportiert werden.

Sowohl Schillinger als auch Heep betraten mit diesem Projekt völliges Neuland: "Für uns war es das erste Projekt in dieser Form und eine neue Herausforderung. Das Spannende und Bereichernde war vor allem der Austausch und die Zusammenarbeit mit der Peer-Gruppe: Von der ersten Idee bis zur gemeinsamen Umsetzung". In einem ersten Schritt erarbeitete man so gemeinsam mit der Peer-Gruppe von "Wieder Wohnen" die einzelnen Voraussetzungen und Anforderungen für die Küche. Dies umfasste auch den gemeinsamen Besuch im Baumarkt um die nötigen Informationen bezüglich Materialien und Werkzeug einzuholen. Neben einem verträglichen Preis legte man nämlich vor allem darauf Wert, dass die Bestandteile der Kuchl auch problemlos vom Baumarkt ins Eigenheim transportiert werden können. "Uns war wichtig, dass man alle Dinge in einem einzigen Baumarkt bekommen kann", so Schillinger.

Trend hin zum Sozialen

Gesagt, getan. Mit einer Sackrodel transportierte man die Materialien in die WUK-Werkstatt, nach etwas Tüftelei setzte man die einzelnen Bestandteile zur fertigen Kuchl zusammen. Zwei Gruppenmitglieder freuen sich jetzt bereits über die dabei entstandenen Kuchl-Prototypen. In einem weiteren Schritt wolle man nun ein Erklär-Video als Bauanleitung sowie eine Einkaufsliste mit sämtlichen Zuschnittsangaben für die Bretter bereitstellen. Diese sollen ab Juni online verfügbar sein. Als Do-It-Yourself Kuchl soll das Ganze dann für jedermann innerhalb von drei bis fünf Stunden montierbar sein. Einzige Voraussetzung: Ein Akkubohrer - und etwas handwerkliches Geschick.

Auch wenn Design häufig immer noch mit Luxus in Verbindung gebracht werde, lasse sich im Bereich Architektur und Design dennoch ein Trend hin zu "sozialen Themen, partizipativen Prozessen und Nachhaltigkeit feststellen", erklären Heep und Schillinger. Der Kompromiss aus geringen Kosten und Nachhaltigkeit sei hierbei natürlich eine Gratwanderung, so die beiden. Im Preisvergleich gegen gängige Großkonzerne wie etwa IKEA und Möbelix zu bestehen, sei dabei eine "große Herausforderung". "Bei der Wiener Kuchl ging es aber nicht darum, das billigste Massenprodukt zu unterbieten, sondern die Möglichkeiten des Selbermachens aufzuzeigen und mit Hilfe einer Bauanleitungs-Broschüre einem breiten Publikum zugänglich zu machen".
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