04.04.2016, 13:23 Uhr

Eröffnung der ubuntu-Ausstellung von Alois Schild: "Überflüssige Nachwuchssorgen"

Künstler Alois Schild mit Kindern
Hall in Tirol: Burg Hasegg | "Fremd ist nur, was man nicht kennenlernt”,
so das Credo des Künstlers Alois Schild. Er engagiert sich seit vielen Jahren für die Integration in Tirol - das prädestiniert ihn zum ubuntu-Botschafter. Die Kulturinitiative von SOS-Kinderdorf propagiert die achtsame Begegnung aller Ethnien und Religionen mit Kulturveranstaltungen. Alois Schild lud Kinder und Jugendliche aus aller Herrn Länder zum Kunst-Workshop, die Ergebnisse daraus werden gemeinsam mit neuen skulpturalen Arbeiten bis Ende Mai ausgestellt. Im Rahmen der ubuntu-Eröffnung am Freitag, 1. April, erzählte Waltz Anyanwu (Bildungsexperte von SOS-Kinderdorf) von seiner Heimat Nigeria, Musiker Demba Diatta spielte Klänge aus dem Senegal. „Ein künstlerisches Multikulti-Fest“, freute sich der Leiter der Münze Hall, Andreas Ablinger. Mit dabei waren Martin und Barbara Wetscher, begeisterte Sammler von Schild-Objekten sowie die Künstler Hellmut Bruch, Charly Walter und Ype Limburg. „ubuntu ist für Hall ein Geschenk“, ist die neue Stadträtin Barbara Schramm-Skoficz überzeugt, „weil Kulturen positiv vermittelt werden.“ Noch mit dabei waren: Kultur-Stadtrat Johannes Tusch, Petra Pöschl vom Stadtmarketing Hall, Architekt Armin Hausberger mit seiner Frau Sonja, Kornelia Dupan und Julia Neuhäuser von der HALL AG, Christian Honold von der SOS-Kinderdorf Hermann-Gmeiner-Akademie, Künstlerin Rosemarie Sternagl und Christina Angerer vom Verein Insieme.

Alois Schild fühlt sich als Mensch und Künstler dem Denken der Kinder verpflichtet.

Der Künstler verleiht sämtlichen Formen einen tieferen Sinn. Er beherrscht Material, Statik und Normen und er kennt die Welt der Zahlen und Gewichte, doch das Unbekümmerte eines Kindes ist ihm erhalten geblieben. Er hat sein inneres Kind nicht weg geschickt, er hat sich ihm anvertraut. „Du bist zeitlebens für das verantwortlich, was du dir vertraut gemacht hast“, heißt es in Antoine de Saint-Exupérys „Der kleine Prinz“. Sich etwas vertraut machen heißt auch, ihm einen Namen zu geben. Alois Schild hat all seine Skulpturen benannt. Er hat aus ihnen eiserne Monster oder lustige Vögel gemacht. Er, der sich dem Denken der Kinder nahe fühlt, gibt damit seinen kunstvollen Objekten eine Seele.

Alle Arbeiten von Alois Schild tragen auch ein klein wenig Fluxus in sich, denn sein Leben ist ein Gesamtkunstwerk. Die engagierte Arbeit für den Verein Kunstfreunde Kramsach und das Flüchtlingsheim St. Gertraudi, das er vor mehr als 25 Jahren ins Leben gerufen hat, sind untrennbar mit seinem Kunstschaffen verbunden. Lange bevor Zäune, Traglufthallen und Obergrenzen die Schlagzeilen bestimmten, setzte sich Alois Schild für eine Integration im positiven Sinne ein. „Ich wollte immer etwas Konstruktives machen und das gleich vor meiner Haustür“. Denn Integration ist für ihn keine Theorie sondern seit jeher gelebte Praxis. Die Schild´sche Haustür steht allen offen, es wird nicht zwischen Herkunft, Religion oder Ethnie unterschieden. Sein Atelier und Ausstellungsraum „Troadkasten“ ist immer wieder Plattform für junge, kreative Talente aus aller Herren Länder. Dem Künstler geht es ums Brückenbauen zwischen den Kulturen und die afrikanische Lebensphilosophie ubuntu nimmt in Kunst und Künstler Gestalt an: „Aber nur wenn alle mithelfen. Ein Mensch wir nur durch andere Menschen zum Menschen.“ Alois Schild zitiert die zentrale ubuntu-Botschaft als allumfassenden Satz: „Egal woher ein Mensch kommt und wo er lebt. Jeder Mensch braucht einen anderen, um ein würdiges Leben führen zu können.“

GRENZENLOSE BEGLEITPERSONEN
Alois Schild hat zwei erwachsene Töchter. Er und seine Frau Brigitte versuchten sie als Eltern immer gut zu begleiten auf ihrem Weg in die Selbständigkeit. Er ist sich bewusst, dass dies nicht allen Kindern ermöglicht wird. Besonders Kinder, die als unbegleitete, minderjährige Flüchtlinge in unser Land kommen, brauchen liebevolle Begleitung. Er trommelte kurzerhand Kinder aus St. Gertraudi für einen Workshop zusammen. Sie kamen am Sonntag, 13. März 2016 in den „Troadkasten“, um seine neu entstandenen Objekte zu beschreiben und ihre eigenen, gezeichneten Collagen dazu entstehen zu lassen. Aus Karton, Holz und Klebestreifen wurden 12 GRENZENLOSE BEGLEITPERSONEN geschaffen. Diese Objekte sind für 12 Kinder aus Afghanistan, Syrien, Irak, Somalia und Tschetschenien entstanden, die an den Workshops in Kramsach teilnahmen. Analog zu den 12 Aposteln, die Jesus Christus als Gesandte begleitet haben oder den 12 Monaten, die uns durch das Jahr begleiten, sollen die GRENZENLOSEN BEGLEITPERSONEN wert(e)volle Talismane symbolisieren.

In ihrer schlichten Einfachheit sollen sie auch die Einzigartigkeit der jungen Menschen widerspiegeln: „Ihre nicht-akademische Machart und ihre inspirierenden Formen sollen die wahre und wertvolle Substanz im Umgang mit Kindern veranschaulichen. Der Nicht-Materialismus soll damit symbolisch dargestellt, aber auch eingefordert werden“, so der Künstler zu den neuen Objekten, die ein Novum in seinem Schaffen sind. Das „innere Kind“ des Alois Schild geht aber noch ein bisschen weiter: Er meint mit einem ironischen Augenzwinkern, dass die Objekte auch als „dreidimensionaler Rorschach-Test“* dienen könnten.

SETZ´ DICH EIN – AM SCHILD´SCHEN DIWAN
SOS-Kinderdorf startet eine Mitmach-Initiative, die sich mit dem Thema „Kinder auf der Flucht“ beschäftigt. Zahlreiche Events in ganz Österreich sind dazu geplant und Alois Schild hat dafür eine VÖLKERVERBINDENDE SITZGARNITUR erfunden. Ein 50 cm hohes und rund zwei Meter breites, ellipsenförmiges Objekt aus Nirosta-Stahl im speziellen Faltenkleid. „Ob im weißen Seidenanzug sitzend oder mit festem Schuhwerk stehend – diese Sitzgarnitur soll eine Art ´speakers corner´ für die wichtige Arbeit von SOS-Kinderdorf sein“, so der Künstler. Sich sitzend, stehen, liegend, spielend für SOS einsetzen! Das multifunktionale Kunstobjekt von Alois Schild wird künftig auch bei ubuntu-Veranstaltungen als Rednerempore zum Einsatz kommen, aber auch zum Sitzen, Lesen, Diskutieren, Spielen … einladen.
Im Innenhof der Münze Hall wird eine neue Installation aus Metallplatten gezeigt, die mit Kinder-Attributen „behängt“ wird. Weiters wird ein EXOTISCHES PRACHTEXEMPLAR aus dem Jahre 2015 präsentiert, in dem er die natürlichen Entwicklungs- und Veränderungsprozesse des Menschen thematisiert: Kindheit, Jugend, Erwachsensein, Alter. „Körper und Seele erhalten im Laufe der Jahre verschiedene Schichten – symbolisiert durch eine Zwiebel. Wir entwickeln uns und wir wachsen – hoffentlich der Sonne entgegen.“
Die Arbeiten des Künstlers Alois Schild sind „nicht belehrend, aber hinterfragend.“ Er sieht Kunstschaffen als einen Mehrwert, an dem man sich erfreuen, an dem man aber auch „etwas abarbeiten“ kann. Die Frage nach den Prioritäten einer Gesellschaft bewegt ihn sehr, denn „wenn Dingen mehr Wert zugemessen wird als Menschen, dann läuft etwas falsch.“ Er hält es mit dem französischen Maler Paul Cézanne, der den Menschen als Maß aller Dinge beschrieben hat: „Wer anders misst, misst falsch!“
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