11.05.2016, 00:00 Uhr

Seine begabten Hände werden vom Kopf gesteuert

Die Pläne für seine Kunstschmiedearbeiten trägt Konrad Wilhelmer im Kopf.

LESACHTAL (jost). Schaut man dem 54-jährigen Lesachtaler Kunstschmied am lodernden Essen-Feuer seiner Werkstätte aufmerksam über die breiten, starken Schultern, neigt man fast zu der Annahme, dass sich rohe Eisenplatten spielerisch leicht zuschneiden und verformen lassen. Doch es ist natürlich ganz und gar nicht so.
Konrad erklärt: „Kunstschmied ist kein ganz üblicher Lehrberuf, man muß als Basis schon einiges an gestalterischem Talent mitbringen.“ Derzeit arbeitet der gerade an der dritten eisernen Wulfenia für Tröpolach, nachdem er zwei dieser Skulpturen schon im Vorjahr gebaut hat. „Sie muß bis zur Blütezeit fertig sein und wird dann im Juni an der Strasße auf das Nassfeld am Ortsende des Wulfeniadorfes aufgestellt.“

Einzelkämpfer

Bereits in Jugendjahren hat der Lesachtaler Bauernbub aus St.Lorenzen mitbekommen, wie sein Vater mit primitiven Werkzeugen, aber mit viel Geschick, dann und wann verschiedene Metallgebilde für den Eigengebrauch, aber zwischendurch auch kleinere Kunstgegenstände aus Metall, gefertigt hat. Konrad erinnert sich: „Klar, dass ich das auch manchmal versuchte. Und Schritt für Schritt wuchs mein Interesse, sodass die beruflichen Weichen eigentlich bald definitiv gestellt waren.“ So folgte nach Absolvierung der Pflichtschule als Basis-Ausbildung vorerst eine Schlosser-Lehre in Greifenburg.
Doch erst während seiner darauffolgenden beruflichen Praxisjahre in der Kunstschmiede Uggowitzer in Feistritz an der Drau konnte der kreative Einzelkämpfer Wilhelmer seine schlummernden künstlerischen Talente nachhaltig und mit viel Begeisterung zur Perfektion weiterentwickeln.
Hand in Hand mit den Vorbereitungen zur Meisterprüfung wuchs auch die klare Zielsetzung in Richtung Selbständigkeit. „Im Jahre 1990, ich war damals 28, setzte ich mit Stolz und Begeisterung meine ersten Schritte in die unternehmerlische Selbständigkeit und habe das bis zum heutigen Tage noch nie bereut!“

Schlag auf Schlag

Anfangs der Neunzigerjahre ging es dann für den jungen Kunstschmied wortwörtlich „Schlag auf Schlag“: Familiengründung mit Gattin Evelyn, Hochzeit, Haus- und Werkstättenbau in Liesing. Schlussendlich wurde auch Sohn Manuel 1995 geboren.
Doch damit hatte der junge Kunstschmied seinen Jugendtraum eigentlich schon erreicht.
Selbständigkeit, Familie, ein wunderbares Zuhause – und noch dazu den Arbeitsplatz im eigenen Haus. Wilhelmer’s Fähigkeiten hatten sich längst herumgesprochen, und so war der Start in die Selbständigkeit sehr gut gelungen. Insbesondere Grabkreuze werden im Lesachtal von jeher schon stark nachgefragt, aber auch klare Zweckprodukte wie Stiegen-, Balkon- und Terrassengeländer oder Fenstergitter bieten ein breites Feld für künstlerische Gestaltungen.
„Das Wichtigste für mich als kleinen Einzelunternehmer ist eine gute Mundpropaganda. Die kostet nichts, ist aber ehrlich und nachhaltig“ erklärt der inzwischen sehr erfahrene Kunstschmied, und hält für seine tägliche Arbeit nicht viel von großartigen Zeichnungen. „Ich verlasse mich immer auf mein Vorstellungsvermögen und auf meine Erfahrung im Umgang mit Stahl, Messing, Bronze und Kupfer. Meine Pläne trage ich am liebsten im Kopf, und die Umsetzung erfolgt mit meinen beiden Händen...“
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