03.10.2016, 14:13 Uhr

Hitzige Debatte um Nahwärme

Hier soll das neue Heizwerk enstehen (Foto: zVg. Liste MIT)

Von nachhaltiger Zukunft spricht der Bürgermeister, von wirtschaftlichen Nachteilen die Bürgerliste MIT.

TRAISMAUER. Die Stadtgemeinde Traismauer bekommt ein Nahwärmewerk, das wurde im Gemeinderat beschlossen. Das Heizwerk dient vorrangig zur Versorgung der öffentlichen Gebäude, weitere Anschlüsse etwa von Wohnbauten sind möglich. Die Bürgerliste MIT stimmte dagegen und äußert Kritik an der Vorgehensweise der Stadtverantwortlichen, allen voran an Bürgermeister Herbert Pfeffer und Energieberater Alexander Simader.


Heizwerk in Zahlen

Das Heizwerk wird nördlich des Friedhofs (am "Kargl-Berg") entstehen. Das Grundstück (ca. 1.400 Quadratmeter) wird um 25 Euro pro Quadratmeter verkauft. Die Anschlusskosten für die öffentlichen Gebäude betragen fast 200.000 Euro. Außerdem wurde eine Bindung an den Betreiber von 20 Jahren ausverhandelt.


Kritik der Bürgerliste

Die Bürgerliste MIT kritisiert, dass für das Grundstück in der Stadtmitte nur 25 Euro pro Quadratmeter berechnet werden, wohingegen für Baugründe in ähnlicher Lage bis zu 65 Euro pro Quadratmeter üblich sind. Zu dieser angeblichen "Verschleuderung eines wertvollen Gemeindegrundstücks" sagt Bürgermeister Pfeffer: "Da das Grundstück für den Wohnbau nicht verwendet werden darf, sind 25 Euro/m2 ein marktüblicher Preis." Die Anschlusskosten seien so hoch, da im gesamten Gemeindebereich Leitungen verlegt werden müssten. Auch die Bindung über 20 Jahre an den Betreiber bringt Kritik vonseiten Elisabeth Wegls, Klubsprecherin der Liste MIT: "Würde sich eine Privatperson oder ein privates Unternehmen - ohne Möglichkeit einer Nachverhandlung - für 20 Jahre an einen Lieferanten binden, und das noch dazu bei nicht marktfähigen Anschlusskosten und laut aktuellen Wirtschaftsprognosen in den nächsten Jahren weiter stark steigenden Holzpreisen?" Der Bürgermeister kontert, dass eine längere Bindung für ihn logisch sei, da ja gesichert werden müsse, dass eine Versorgung der kommunalen Gebäude wie Schulen und Kindergärten gegeben ist. Für Elisabeth Wegl steht trotzdem fest: "Diese Beschlüsse des Gemeinderates zum Heizwerk sind jedenfalls zum Nachteil des Gemeindevermögens."


Die Vorgeschichte

Bereits seit einigen Jahren beschäftigte sich die Stadtgemeinde Traismauer mit dem Thema Biomasse. Vor zwei Jahren wurde der Standort des Nahwärmewerks festgelegt. In einer EU-weiten Ausschreibung wurde dann ein Betreiber für das Heizwerk mit alternativen Brennstoffen gesucht. Aus insgesamt 19 Interessenten ging das oberösterreichische Unternehmen WRS als Bestbieter hervor und bekam den Zuschlag für das Projekt.

Zur Sache
Das Traismaurer Heizwerk soll 2017 in Betrieb genommen werden. Vorrangig werden die kommunalen Gebäude in der Innenstadt, darunter Kindergärten, Schulen, Feuerwehren, Samariterbund und die Gemeindewohnhäuser mit der Biomasse-Anlage versorgt werden.
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