26.09.2016, 11:42 Uhr

Schafausstellung mit größter Beteiligung

SÖLDEN. Die größte Schafausstellung, die Tirol auf Bezirksebene je erlebt hat, fand am Samstag, 24. September, in Sölden statt. Alle Tiroler Preisrichter haben sich im Ötztal versammelt, um die schönsten unter den wolligen Vierbeinern zu küren.

Tirols Schafzüchter setzen auf Qualität, nicht Quantität.


Dennoch sind sie – und im konkreten Fall vor allem die Ötztaler Repräsentanten – stolz darauf, dass sie bei der 3. Ötztaler Talausstellung Ende September eine Rekordmarke gesetzt haben. Es war nicht nur die größte Zuchtausstellung im Jahreskreis, sondern auch die größte jemals auf regionaler Tiroler Ebene veranstaltete. Die Ötztaler Talschau findet nur alle zehn Jahre statt, zuletzt 2006 in Umhausen. Werden bei erfolgreichen Schauen im Normalfall 200 bis maximal 300 Tiere aufgetrieben, so waren es in Sölden laut Anmeldeliste 764. Die Ötztaler Schafzucht-Vereine haben ihre Top-Tiere aufgetrieben und den kritischen Augen der Fachjury präsentiert.
Nur hochklassige Zuchttiere wurden zur Beurteilung vorgeführt. Voraussetzung für die Zulassung zur Prüfung ist die vorherige Errichtung einer Ausstellungsprämie. Der Stellenwert der Schau ist außerordentlich hoch. 119 Ötztaler Betriebe nahmen teil. Alle Tiroler Preisrichter waren an diesem Tag im hinteren Ötztal versammelt. Ihr Votum brachte folgende Gesamtsieger in den Einzelkategorien hervor. In der Kategorie Jungwidder siegte Elmar Kuprian aus Huben. Den Sieger bei den Altwiddern stellten Claus Scheiber und Ernst Falkner vom Schafzucht-Verein Obergurgl. In den Kategorien Schaf und Kilbern setzte sich Karlheinz Strigl aus Umhausen durch.

Attraktive Nische der Tiroler Landwirtschaft

Der Tiroler Schafzuchtverband zählte zuletzt 118 Zuchtvereine mit rund 1.800 Mitgliedern und zirka 14.800 Zuchttieren. Das Ötztal zählt zu den stärksten Regionalverbänden in der Landesorganisation. Die in Sölden präsentierten Schafe werden im Gegensatz zu herkömmlichen Nutzschafen nicht um ihres Ertrags an Wolle oder Fleisch willen gehalten, sondern um als möglichst attraktives Exemplar seiner Gattung Anerkennung zu finden. Verkaufspreise, die für solche Klassetiere aufgerufen werden, bewegen sich im niederen fünfstelligen Bereich. Quer durch die Zuchtbetriebe gilt es jedoch als ausgemachte Sache, dass nicht das Geld den wesentlichen Antrieb bedeutet, sondern der Stolz auf das gezüchtete Tier.
„Die Spitze in der Tiroler Zucht ist sehr breit. Und wir sind in der günstigen Situation, dass wir auf Zuchtebene eine Nische geschaffen haben, die mit keinen Absatzproblemen zu kämpfen hat. Die Preise, die für die besten Tiere gezahlt werden, sind attraktiv, die Talausstellung im Ötztal sehr repräsentativ“, erklärt Stefan Brugger. Der Obmann des Schafzuchtvereins Sölden-Zwieselstein und Obmann-Stellvertreter des Tiroler Schafzuchtverbandes sieht in der Schafzucht eine Alternative für die kriselnde Landwirtschaft: „Schafe sind genügsam, in der Haltung weniger aufwändig, treu und trittsicher. Sie bilden eine ideale Alternative, um einen Landwirtschaftsbetrieb in alpinen Lagen auch in schwierigen Zeiten fortzuführen.“

Leidenschaft vereint Züchter-Generationen

Brugger hat mit seinem Team schon seit Monaten an den Vorbereitungen zur Schau in Sölden gearbeitet. Der Zeitpunkt der Veranstaltung war nicht von ungefähr gewählt. Die Tiere sind frisch von der Alm zurückgekehrt, ihre natürlichen Zuchteigenschaften treten nach den Sommermonaten in den Bergen anschaulich hervor. In Sölden offenkundig sichtbar: Die Leidenschaft für die Schafzucht zieht sich durch unterschiedlichste Altersgruppen und Bevölkerungsschichten. Vom Kind bis zum Senior, vom Angestellten bis zum Unternehmer reicht das Spektrum der Aussteller. „Das alles verbindende Element ist die Leidenschaft für die Zuchtarbeit. In manchen Betrieben sind drei Generationen aktiv, da stellt der Großvater neben seinem Enkelkind aus“, weiß Stefan Brugger, der auch als Erklärung für diese besondere Faszination mehrere Ansätze liefert: „Wir wissen, dass nicht automatisch der größte Betrieb gewinnt. Hier haben alle die gleichen Chancen, es hängt sehr stark vom Gespür für die richtigen Gene ab. Letztlich gehört auch ein gewisser züchterischer Erfolgslauf dazu.“ Viele empfinden die Arbeit mit den Schafen und in der Natur zudem als willkommene Gelegenheit, sich aus dem Alltag herauszunehmen. Man knüpft an eine archaische und natürliche Lebensweise in den Bergen an, so Brugger.

Köstliches vom Berglamm

Die 3. Ötztaler Talausstellung bot neben der Gelegenheit, schöne Tiere zu erleben, auch ein attraktives Rahmenprogramm. So inszenierte die Gruppe der Sölder „1st Hotels“ vielfältige kulinarische Schmankerl rund um das Thema Berglamm. „Wir haben mit den 1st Hotels erfreulicherweise Partner, die uns bei der Talschau als Anwärter für die Genussregion kulinarisch perfekt repräsentiert haben mit Spezialitäten vom heimischen Berglamm“, betont Stefan Brugger. Am Ausstellungswochenende bekamen auch Freunde von Ziegen ein kleines Highlight geboten. Am 25. September, einen Tag nach der Talausstellung, bevölkerten rund 300 Kitze aus ganz Tirol das Ausstellungsareal auf den Hofer Böden in Sölden.
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