23.08.2016, 15:46 Uhr

Kaiser-Mühlecker: im positiven Sinne anders

Aus der Zeit gefallen
Literaturkritiker nennen ihn eine der ungewöhnlichsten Erscheinungen der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur – Reinhard Kaiser-Mühlecker.
Beim heurigen Literaturfestival *4553* wird der „shooting star“ der Zuhörerschaft Kostproben aus seinem im August erscheinenden Roman „Fremde Seele, dunkler Wald“ kredenzen.

"Am liebsten allein"

Wobei ihm selber der Ausdruck „shooting- star“ vielleicht gar nicht gefallen würde – Kaiser-Mühlecker ist im positiven Sinne anders: Unsere Zeit ist geprägt von hysterischen Selfie-Selbstdarstellungen. Der junge Autor beschreibt sich selbst als ernst, als Stubenhocker, der am liebsten alleine ist – so viel Ehrlichkeit macht ihn sympathisch: „Die Fröhlichkeit, die haben die Leute in meiner Herkunftsgegend alle nicht so“.

1982 in Kirchdorf geboren, wuchs der junge Schriftsteller auf einem Bauernhof in Eberstalzell auf und studierte nach der Matura Landwirtschaft und Geschichte in Wien. Während seines Zivildienstes in Bolivien küsste ihn die Muse – was als Eintragungen in Tagebücher begann, führte mittlerweile zu sechs grandiosen Romanen.

Diese sieht er als Gegenentwurf zur schnelllebigen facebook-Welt. Sie spielen nicht in hippen Großstädten, sondern sehr oft auf Bauernhöfen der oberösterreichischen Provinz. Es ist ihm ein Anliegen, nur über Dinge, die ihn betreffen, von denen er etwas versteht, zu schreiben. Und das in einer poetischen, bildreichen Sprache: Durch zahlreiche Adjektive, wunderschöne Metaphern und detaillierte Beschreibungen lassen sich die Situationen gut ausmalen. Seine immer ein wenig gebeutelten Hauptfiguren reden nicht viel: Sie sind stille Beobachter, die in inneren Monologen genau beschreiben, was sie um sich herum sehen, hören, riechen und fühlen. Sie ähneln wohl dem Autor selbst.

Kritiker würdigen die stilistische Eigenart seiner Werke: Sein besonderes Interesse gilt einer bedächtig-präzisen Sprache, die jenseits der alltäglichen, oft leeren Gebrauchssprache liegt. Verlangsamung und Entschleunigung sind ihm wichtig: „Vielleicht möchte ich oft etwas hinauszögern und durch Langsamkeit oder dort, wo wenig Action ist, wird die Zeit länger“, sagte er einmal.

"Fremde Seelen, dunkle Wälder"

Reinhard Kaiser-Mühleckers Produktivität ist bewundernswert: Sein Erstlingswerk „Der lange Gang über die Stationen“ sorgte 2008 in der Literaturszene für viel Aufsehen und erhielt tolle Kritiken. In den folgenden Jahren erschienen die Romane „Magdalenaberg“, „Wiedersehen in Fiumicino“, „Roter Flieder“ und „Schwarzer Flieder. In seinen Geschichten mischt sich Historisches mit Lebenswirklichkeiten.

Am 25. August um 20:00 Uhr führt er im Schlierbacher Theatersaal das Publikum in fremde Seelen und dunkle Wälder.
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