01.06.2016, 14:50 Uhr

Bauern klagen: Ziesel vernichten Kulturpflanzen

(Foto: Naturschutzbund NÖ)
BEZIRK. Alljährlich lädt der Naturschutzbund Niederösterreich die Bevölkerung zum Ziesel zählen ein. Fürchtete man noch vor wenigen Jahren, dass das possierliche Erdhörnchen ganz aus der Region verschwinden könnte, sieht die Situation heute anders aus. Es sind einige Landwirte aus dem Bezirk, die über enorme Verluste bei der Ernte klagen.
"Ich erzeuge ein hochwertiges Produkt, das dem Ziesel schmeckt. Wenn beim Weizen die Reifephase beginnt, beißen sie den Halm unten durch, um so die Weizenkörner zu erreichen", klagt einer der leidtragende Bauer.

Auf der Website 'Naturschutz in Niederösterreich (noe.gv.at/umwelt) wird man rasch fündig und man erfährt , dass der Europäische Ziesel auf der Roten Liste der gefährdeten Tierarten steht, wo es als „stark gefährdet" eingestuft wird. Aus diesem Grund wurde die Art auch in die EU Fauna-Flora-Habitatrichtlinie aufgenommen. Die Mitgliedsstaaten mit Vorkommen des Ziesels müssen Schutzgebiete ausweisen und für einen günstigen Erhaltungszustand der Art Sorge tragen.

Problematisch war das Verhältnis zwischen diesem Nagetier und den Bauern schon immer. Früher wurden sogar Prämien für den Abschuss gezahlt. Laut der Karte des Naturschutzbundes NÖ lässt sich erkennen, dass die Population rund um Krems, Wachau, Gneixendorf, Kremstal mit Lengenfeld und Langenlois größer als in anderen Bezirken ist.

"Fährt man von Krems nach Langenlois sieht man rechts zum Beispiel ein Sonnenblumenfeld. Zwei Drittel der Ernte wurden davon bereits von den Erdhörnchen vernichtet", sagt der Bauer, der als Sprecher für mehrere Landwirte fungiert.

Konfliktmanagement

"Auch wenn die Konflikte zwischen Mensch und Ziesel nicht mehr in dem Ausmaß vorhanden sind wie noch vor 100 Jahren, lassen sich die Interessen des Menschen und des Ziesels an bestimmten Flächen nicht immer leicht "unter einen Hut bringen". Bei zahlreichen Gesprächen vor Ort wurden und werden Konflikte besprochen und Lösungen diskutiert", liest man ebenfalls auf der Naturschut-Website.

So entspannt sehen die Betroffenen jedoch die Situation nicht. Denn ein erheblicher Teil ihrer Ernte ist gefährdet. Und das lautet so: "Die Ziesel fressen alles ab. Naturschutznah ja - aber nicht auf Kosten unserer Ernte!"
Ein Problem seien auch die zahlreichen Erdgänge, die bei Starkregen laut unserem Informanten zum Einbruch von Feldwegen und Feldern führen kann.
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