14.06.2016, 12:19 Uhr

UPDATE: Schlosspark Krastowitz wird Natura-2000-Gebiet

Fachlich begründete Einwendungen der Grundeigentümer werden laut Rolf Holub so weit als möglich berücksichtigt (Foto: Büro LR Rolf Holub)

Zukünftiges Schutzgebiet beheimatet seltenen Juchtenkäfer - Bauernbund demonstriert unter dem Motto "nicht mit uns"

Ein neues Natura-2000-Gebiet entsteht in der Stadtgemeinde Klagenfurt. „Das zukünftige Schutzgebiet im Schlosspark Krastowitz umfasst 0,5 Hektar und beheimatet vor allem den seltenen Juchtenkäfer, der auch ‚Eremit‘ genannt wird“, informiert Umweltreferent Rolf Holub. Von der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie wird der Juchtenkäfer als prioritäre Art eingestuft, welche es zu schützen gelte. „Insgesamt werden rund 40 neue Schutzgebiete nominiert, um 18 Tier- und Pflanzenarten sowie zehn Lebensräume unter den Schutz von Natura 2000 zu stellen. Fachlich begründete Einwendungen der Grundeigentümer werden so weit als möglich berücksichtigt. In der jetzt akkordierten Novelle des Naturschutzgesetzes, die demnächst in Begutachtung gehen wird, ist die Entschädigung der Grundeigentümer für Bewirtschaftungserschwernisse in Natura 2000 Gebieten vorgesehen“, so Holub.

Bauernbund protestiert

Die Enquete zum Thema Natura-2000 nimmt der Bauernbund zum Anlass einer Demonstration. Laut Bauernbund wurden ihre Anliegen seitens Naturschutzreferent Rolf Holub nicht ernst genommen und unter dem Deckmantel Naturschutz wahllos mit den Rechten der Grundeigentümer umgegangen. „Wir berufen uns auch auf einen Beschluss des Kärntner Landtages aus dem Jahr 2001 wo man einstimmig beschlossen hat das es keine Ausweisung von Naturschutzflächen ohne die Einbeziehung der Grundeigentümer und ohne finanzielle Abgeltung geben darf“, so Bezirksobmann Josef Fradler.

Enquete dient der Information des Landtags

Landtagsabgeordneter Michael Johann von den Grünen hält es für befremdlich, dass der Bauernbund bei der heutigen Enquete demonstriert. „Eine Enquete dient der Information des Landtags. Die Organisatoren der Demo verweigern sich mit ihrem Slogan "Nicht mit uns" dem inhaltlichen Dialog und setzen auf Falschinformationen. Die Behauptung, der Katalog der Schutzgüter sei von den Behörden aus Wikipedia zusammenkopiert worden, ist frei erfunden, denn die Fachbeamten haben aufgrund von extra beauftragten Studien, bei denen über tausend Vegetationsaufnahmen berücksichtigt wurden und weiteren wissenschaftlichen Untersuchungen Gebietsabgrenzungen vorgenommen, die nun im Begutachtungsverfahren noch einmal nachjustiert werden. Es gibt einen aktuellen Beschluss des Kärntner Landtags in dem die Landesregierung aufgefordert wird, bei der Ausweisung weiterer Natura-2000-Schutzgüter die Grundeigentümer von Beginn an einzubinden, deren Interessen zu berücksichtigen und für Bewirtschaftungsbeschränkungen entsprechende Abgeltungen vorzusehen“, so Johann.

Ausweisung vorantreiben und rasch abschließen

Der Umweltdachverband stellt dem Land Kärnten im Österreichvergleich - das fachliche Ausweisungsprozedere betreffend – ein grundsätzlich gutes Zeugnis aus. „Fachliche Grundlagen sind zentral, um eine Ausweisung als Natura 2000-Gebiet zu rechtfertigen“, so Geschäftsführer des Umweltdachverbandes Michael Proschek-Hauptmann. Angesichts der vorgebrachten Punkte des Bauernbundes sagt Proschek-Hauptmann: „Einbindung und Respektierung des Eigentums in Naturschutzfragen zu fordern ist legitim. Fehlinformationen, Unwissenheit über die europäischen Rahmenbedingungen und Polemisierungen helfen aber weder den betroffenen GrundbesitzerInnen noch den SteuerzahlerInnen, welche die Kosten einer möglichen Verurteilung Österreichs vor dem Europäischen Gerichtshof schultern müssten. In diesem Sinne fordere ich alle Beteiligten auf, an den Verhandlungstisch zurückzukehren und sich mit sachlichen und fachlichen Argumenten auseinanderzusetzen, um den Nominierungs- und Ausweisungsprozess auch in Kärnten bald zu einem Ende zu bringen,“
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