29.09.2016, 00:00 Uhr

Volksbank OÖ: "Wir sind über Plan"

Die Volksbank OÖ-Chefs Richard Ecker (li.) und Andreas Pirkelbauer. (Foto: Leitner)

Die beiden Volksbank-Vorstände Richard Ecker und Andreas Pirkelbauer über Fusionen im Volksbanken-Sektor, EZB-Politik und die Bankenabgabe.

BezirksRundschau: Die Vorjahresbilanz der Volksbank war aufgrund von des Sektorumbaus negativ. Wie sieht’s heuer aus – auch vor dem Hintergrund des Kaufs der Volksbank Almtal?

Ecker: Wir haben eine positive Entwicklung beim Geschäftsvolumen – bis Jahresmitte haben wir etwa 80 Millionen Euro zusätzliches Kunden-Geschäftsvolumen dazu erwirtschaftet. Es geht im Vertrieb deutlich vorwärts und wir haben mit Jahresmitte ein Betriebsergebnis von 1,5 Millionen Euro. Geplant war ein ausgeglichenes Ergebnis, somit sind wir über Plan.

Pirkelbauer: Wir wachsen momentan über Markt. Als wir die gesamte ÖVAG-Krise und den Stresstest zu bewältigen hatten, hat unser Geschäftsauftritt gelitten. Seitdem im Vorjahr die Trennung von der ÖVAG erfolgte, haben wir den Rücken frei. Wir setzen die geplanten Fusionen um. Auf der anderen Seite gibt uns das Kraft für einen guten Auftritt am Markt. Egal ob im Primärmittelbereich oder im Kreditwachstum – wir "performen" derzeit über Markt.

Das Thema „Volksbank Almtal“ ist schon komplett abgeschlossen?
EckerJa, das ist komplett abgeschlossen. Die Integration der Bank wird Mitte nächsten Jahres erfolgen. Die technische Integration werden wir gemeinsam mit der letzten Volksbank, die wir fusionieren – die Volksbank Bad Hall – dann im August durchführen. Dann ist die Volksbank OÖ komplett. Die Volksbank Almtal bringt uns positive Beiträge für das Eigenkapital. Die Almtaler haben auch ihre Ziele erreicht. Sie können einen gewissen Betrag – 8,6 Millionen Euro – für die Förderung von regionalen Projekten zur Verfügung stellen. Aber natürlich kostet der Unternehmenskauf Almtal Geld.

Pirkelbauer: Das ist auch in der Planung nirgendwo drinnen, weil wir nicht davon ausgegangen sind, dass das so zeitnah erfolgen wird. Und auch die Fusionen mit Vöcklabruck-Gmunden und Eferding-Grieskirchen waren entsprechend kostentreibend. Aber wir glauben, trotzdem ein ausgeglichenes Ergebnis zu erreichen.

Die Almtaler haben hoch gepokert!
Pirkelbauer: Unterm Strich ist es sicher eine Win-Win-Situation für beide. Man darf nur nicht vergessen: Die Fusionen sind eine Mega-Aufgabe, die wir zu bewältigen haben. Wir haben innerhalb von neun Monaten fünf Banken zusammengeführt und jetzt kommen im Jahresabstand noch zwei Banken dazu.

Wenn die Fusionen abgeschlossen sind, wird die Volksbank über 500 Mitarbeiter haben!?
Wir haben jetzt schon über 500 Mitarbeiter an Köpfen. Kapazitäten haben wir derzeit auf 420 Vollzeitäquivalente gerechnet.

Wird es aufgrund der Fusionen einen Mitarbeiterabbau geben?
Pirkelbauer: Wir haben ganz klar den Fokus Synergien zu heben. Wir haben schon mehr als einem Jahr gesagt, dass es in OÖ einen Abbau von etwa 100 Mitarbeitern bis 2020 geben wird. Sehr viel davon werden wir aus dem natürlichen Abgang heben.
Genauso ist es im Filialbereich, wir suchen auch hier neue Strukturen. Es ist wichtig, dass in einer Filiale das gesamte Geschäft betreut werden kann. Das bedingt eine Filialgröße von fünf bis sieben Mitarbeitern – um dort Private Banking, das Wohnbau- und Commerzgeschäft sowie das Servicegeschäft anzubieten.

Wieviele Filialen hat die Volksbank derzeit – und wieviele bleiben?
Ecker: Wir haben per Ende September 36 Filialen in ganz Oberösterreich, mit den Filialen von Bad Hall. Bis Ende Juni wurden sieben Standorte geschlossen und die Mitarbeiter in den Nachbarstandorten integriert, damit die genannten Filialgrößen erreicht werden. Im September gibt es drei weitere Standortschließungen und mit Jahresende wahrscheinlich noch eine Schließung. Nächstes Jahr wird uns das Thema noch weiter verfolgen. Mit Ende 2017 haben wir es umgesetzt. Dann werden wir bei etwa 32 Standorten landen – wenn man Almtal mit dazurechnet.

Thema EZB: Bleibt das derzeitige Niedrigzinsniveau?
Ecker: Es gibt keine Anzeichen, dass sich das Zinsniveau in Europa verändern sollte. Aber trotz des niedrigen Zinsniveaus springen die Investitionen nicht an. Zur Günstigkeit einer Finanzierung gehört eben auch, dass der Unternehmer eine Perspektive hat. Die sehen viele derzeit auch nicht so klar.

Hat die EZB ihr Pulver schon verschossen?
Ecker: Die angepeilte Zielsetzung wurde nicht erreicht. Es ist eher so, dass das Geld wieder zurückfließt zur EZB. Das Geld findet nicht den Weg in die Wirtschaft.

Pirkelbauer: Darüber hinaus darf man nicht vergessen, welchen regulatorischen Auflagen wir unterworfen sind. Das hat natürlich Auswirkungen auf den Markt und die Kreditvergabe in ganz Europa. Irgendwann kriegt der Unternehmer die niedrigen Zinsen gar nicht weitergegeben, weil in der Regulatorik so viele Kosten stecken, und die Banken schauen müssen, wo sie selbst noch Geld verdienen. Auf der anderen Seite müssen die Banken schauen, dass sie die regularischen Auflagen erfüllen. Das heißt, dass wir restriktiver bei Kreditvergaben sein müssen.

Wenn man mit Bankern spricht, hatte man im Frühjahr den Eindruck, es gehe zumindest bisschen bergauf.
Pirkelbauer: Wir sehen, dass wir Zuwächse haben. Aber ich glaube nicht, dass das aus einer reinen Investitionstätigkeit unserer Kunden kommt. Die Kunden sind vielmehr sehr zurückhaltend. Jeder ist sehr vorsichtig, sich zu bewegen, weil man nicht weiß: was steht da noch im Raum – was kommt noch daher?

Das heißt der Aufschwung wird auch 2017 nicht kommen?
Ecker: Einen leichten Aufwärtstrend gibt es zwar, aber es ist doch einiges unter den Erwartungen. Es dürfte sich fürs nächste Jahr eine leichte Aufwärtstendenz ergeben – aber es ist eher ein zartes Pflänzchen. Aber das ist zu wenig um eine bessere Beschäftigungslage zu erreichen, das sieht man auch an den Arbeitslosenstatistiken.

Pirkelbauer: Zu pessimistisch sollten wir auch nicht sein. Jeder der ein gutes Unternehmen bisher geführt hat, wird auch in der Zukunft in der Lage führen, das Unternehmen positiv zu führen. Die gesamte Großwetterlage verleitet allerdings nicht zu Jubel.

Stichwort Bayern: Dort hatte zuletzt eine Lokalbank Negativzinsen an Kunden weitergegeben. Wäre das in Österreich auch vorstellbar?
Ecker: Momentan nicht. Es gibt keine Signale, dass das passieren könnte. Aber in Bayern gibt es in der Tat schon sehr intensive Diskussionen, dass Negativzinsen auf das ganze Bankenfeld ausgerollt werden. Das ist natürlich ein zweischneidiges Schwert: Wenn man das im Einlagenbereich macht, dann natürlich auch im Kreditbereich.

Und in Österreich?
Pirkelbauer: In Österreich haben wir ein Bankwesengesetz, das eine negative Verzinsung auf Spareinlagen sowieso nicht zulässt. Das ist eine Diskussion, die nicht in Österreich gestartet wurde, sondern hereingeschwappt ist.

Wenn Sie einen Wunsch an die Politik frei hätten: welche Reformen sollten angegangen werden?
Ecker: Die Politik sollte sich gegen die überbordende aufsichtsrechtliche Einflussnahme auf den Bankenapparat stemmen. Darüber sollten die Hausaufgaben in den Staatshaushalten gemacht werden. Das ist aber nicht der Wunsch eines Bankers, sondern der eines Bürgers.

Pirkelbauer: Wir wünschen uns, dass die überbordende Regulatorik eingedämmt wird. Es ist niemandem gedient, wenn uns hier Kosten auferlegt werden. Denn am Ende des Tages sind wir ein Wirtschaftsunternehmen und gezwungen, den Aufwand, den wir haben, auch wieder zu verdienen.

Wie bewerten Sie die Einigung zur Bankenabgabe?
Ecker: Die Einigung ist in ein Kompromiss. Durch die Bankenabgabe haben wir in Zukunft die Möglichkeit, gewisse Fonds zu dotieren, die dann für Sanierungsfälle in Europa eingesetzt werden. So kann man zukünftigen Krisen besser begegnen.

Wie stehen Sie zu einer möglichen Bankomatgebühr?
Pirkelbauer: Das ist für uns kein Thema auf absehbare Zeit. Wiewohl man sehen muss, dass es eine gewisse Ungleichheit gibt. Beispielsweise eine Direktbank, die gratis Konten anbietet. Diese bedient sich der Geldversorgung, die uns strukturelle Kosten verursacht. Aber nichts desto trotz: es ist für uns kein Thema!

Wie geht’s im Onlinebereich weiter – vor dem Hintergrund neuer Online-Banken und der Tendenz Geldgeschäfte im Internet abzuwickeln?
Ecker: Wir haben ein Online- bzw. Direktbanking entwickelt, dass eines der führenden Digital-Bankingsysteme sein wird. Wir werden es ab Oktober anbieten. Unser Fokus geht aber auch ins Filialgeschäft, wo man als rein österreichische Bank noch Geld verdienen kann.

Pirkelbauer: Der Kunde soll nicht in die Filiale kommen müssen, um einen Zahlschein auszufüllen. Aber wenn jemand ein besonderes Thema hat in seinem Leben – etwa ein Haus kaufen oder eine Wohnung – dann wird man die Beratung einer Bank in Anspruch nehmen. Neben den technischen Möglichkeiten, die da sind, wollen wir intensiven Kontakt mit unseren Kunden. Das macht den Unterschied zwischen einer Regionalbank mit Filialstruktur und einer virtuellen Online-Bank aus.
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